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Kindheitserinnerungen, mein erster Besuch in der Buchhandlung, Buchtipps von der Backlist und die neue Karte fürs Lesen

10 Dezember 2017 | 0 Kommentare
©Schwitzke

Mein erster Besuch in der Buchhandlung

Werbung - Kurz vor Weihnachten werde ich immer ein wenig sentimental und erinnere mich an tolle Momente von früher, an die alten Zeiten. Ich bin ein Dorfkind. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und groß geworden und dort lebe ich immer noch. Da ich mittlerweile aber mitten in der Stadt arbeite, bin ich nun täglich dort. Eine Tatsache, die ich sehr zu schätzen weiß, da ich so das Beste der beiden Welten vereinen kann. Früher war das noch anders. Früher bin ich wenige Male im Jahr mit der Bahn in die Stadt gefahren. Jedes Mal war ich fasziniert von der Menge an Menschen, der Größe und den vielen Geschäften und jedes Mal war es etwas ganz Besonderes. Mitten am Marienplatz gab es ein ganz besonderes Geschäft, das ich heute noch mit vielen wunderbaren Erinnerungen verbinde - die Hugendubel Buchhandlung. Es war die erste Buchhandlung, die ich jemals besucht habe, die Buchhandlung, in der ich mich später bereits mehrere Male mit Büchermenschen verabredet habe, der Treffpunkt mit vielen Freunden und für mich ein ganz besonderes Haus. Auf vielen Stockwerken gab es damals eine riesige Auswahl an Büchern, eine faszinierende andere Welt, in der ich mich sofort wohlgefühlt habe.

Ein magischer Ort

Ich liebe lesen, seit ich es selbst gelernt habe, und tue es seitdem auch regelmäßig und ständig. Schon als Kind mochte ich die Leseinsel mit den roten Ledersitzen und konnte dort stundenlang sitzen und mich in eine andere Welt träumen. Vielleicht war es also eine magische Fügung, dass mein Arbeitsplatz direkt neben eben dieser Filiale ist. Ich habe schon einige Mittagspausen und Feierabende dort verbracht, aber ihr könnt das doch sicher verstehen, oder? Mittlerweile ist die riesige Buchhandlung einer kleineren Filiale gewichen, die jedoch nicht weniger schön ist. In modernem Glanz wurde sie in diesem Jahr neu eröffnet und meine Liebe wurde sofort wieder entfacht. Sobald ich durch diese Tür gehe, bin ich sofort wieder Kind, gefangen in einer anderen Welt, voller Vorfreude auf die Geschichten, die ich gleich entdecken werde. Einige Lesungen haben ich schon besucht, viele Bücher gekauft und wurde von eine meiner Lieblingsbuchhändlerinnen immer gut beraten.

Die neue Karte fürs Lesen

Es trifft sich richtig gut, dass es nun die Hugendubel-Kundenkarte 'Meines Karte fürs Lesen' gibt. Gratis in allen Filialen, online und als App. Ich hab sie mir natürlich schon geholt. Mit vielen gekauften Büchern kann ich Bonuspunkte sammeln, die ich später in Prämien einlösen kann. Weitere Bücher zum Beispiel. Und Bücher kann man ja nie genug haben, oder? Es gibt aber auch individualisierte Buchtipps, 30% Rabatt auf Veranstaltungen, wie zum Beispiel Lesungen und eine Geburtstagsüberraschung per Mail. Viele tolle Vorteile, die ich auf jeden Fall nutzen will.


Letzte Woche war ich wieder dort und habe mir natürlich selbst ein paar Bücher gekauft. Zusätzlich habe ich aber auch ein paar Buchempfehlungen mitgebracht. Ganz absichtlich aber nicht nur aktuelle Bücher, sondern einiges von der Backlist. Aber bei dem Thema waren wir ja schon. Die Backlist ist nicht weniger spannend und manchmal lohnt es sich ganz besonders, hier einen Blick drauf zu werfen. Vielleicht ist ja sogar etwas für euch dabei?


Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara (Hanser) - Die Buchhändlerin sagte, dass zwischen den Kollegen schon lange nicht mehr so kontrovers über ein Buch diskutiert wurde, wie es hier der Fall war. Auch wenn man beim Lesen durchaus an seine Grenzen stößt, sollte man diese Geschichte unbedingt lesen und dem Erzähltalent der Autorin verfallen. | Hotel Laguna von Alexander Gorkow (KiWi) Dieses Buch zu lesen ist viel schöner, als selbst nach Mallorca zu fliegen. Das sagt zumindest die Buchhändlerin und empfiehlt es besonders denen, die auch gerne Meyerhoff lesen. | Kind ohne Namen von Christoph Poschenrieder (Diogenes) Obwohl dieses Buch eine schwierige Thematik behandelt, beherrscht es der Autor mühelos mit einer großen Portion Sprachwitz zu schreiben. Man sollte dieses Buch unbedingt lesen. | Das Fundament der Ewigkeit von Ken Follett (Bastei Lübbe) Große europäische Geschichte wird hier auf ganz besondere Art und Weise dargeboten und Follett ist so gut wie schon lange nicht mehr. Das sagt zumindest die Buchhändlerin. | Sechzehn Wörter von Nava Ebrahimi (btb) Ein kluger, poetischer Roman, der zurück in die Vergangenheit zu den eigenen Wurzeln führt. Unbedingt lesenswert. | Wohin der Wind uns weht von Joao Ricardo Pedro (Suhrkamp) Sprachlich sehr variantenreich und poetisch entführt uns der Autor in die junge Geschichte Portugals. Man sollte es unbedingt lesen, wenn man sich dafür interessiert und eigentlich auch sonst. | Jürgen von Heinz Strunk (Rowohlt) Leider hat dieses Buch viel zu wenige Seiten, denn Jürgen Dose ist mir sofort ans Herz gewachsen und das hat sich bis zum Schluss auch nicht geändert. Eine große Empfehlung. | Gutes von Gestern von Elizabeth P. Archibald (Piper) Ein großer Lesespaß über interessante und lesenswerte Anekdoten aus den letzten 1000 Jahren.


Betty Blue von Philippe Djian (Diogenes) Dieses Buch ist ganz nah dran am Lebensgefühl junger Menschen. Eine Liebesgeschichte, die unter die Haut geht und noch dazu sehr cool, sehr sinnlich und auch ein wenig erotisch ist. Zum Weinen schön. | Eva schläft von Francesca Melandri (Heyne) Ein total spannender Roman, der nebenbei die Geschichte des Landes beleuchtet und den man nur empfehlen kann. | Die Erfindung des Lebens von Hanns-Josef Ortheil (btb) Eine unglaubliche Lebens- und Familiengeschichte, die in jeder Hinsicht einzigartig ist und den Leser nicht mehr loslassen wird. | Der Garten über dem Meer von Merce Rodoreda (Berlin) Ein verwunschener Garten voller Geschichte und Geheimnisse, in die man sofort abtaucht und nicht mehr gehen will. | Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel Garcia Marquez (KiWi) Ein Klassiker der Weltliteratur, der alles beinhaltet, was gute Bücher unbedingt brauchen. Bildhaft, opulent, reich an Handlung und so wunderschön, dass man gerne darin abtaucht, aber nie wieder auftauchen will. | Altes Land von Dörte Hansen (Penguin) Eine ungewöhnliche Handlung und ein besonderer Erzählstil vereinen sich hier und machen dieses Buch zur Empfehlung für jeden, egal ob jung oder alt. Pures Lesevergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte. | Vienna von Eva Menasse (KiWi) Ein höchst vergnügliches Leseerlebnis auf ganz hohem Niveau von der kleinen Schwester des diesjährigen Buchpreisgewinners. Eine rasante jüdisch-österreichische Familiengeschichte, die man lesen sollte. | Der Pfau von Isabel Bogdan (KiWi) Hier vereinen sich viele spannende Gegebenheiten zu einer ganz tollen Geschichte, die man besonders im Winter unbedingt lesen sollte. Very british und eine große Leseempfehlung. 

Verschenkt ihr denn auch Bücher zu Weihnachten? Und freut ihr euch über Bücher von der Backlist? Aber noch viel mehr interessiert mich, ob ihr auch noch eine Erinnerung an euren ersten Buchhandelsbesuch habt.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Hugendubel Buchhandlungen. Meine Meinung wurde dadurch nicht beinflusst.

Buchblog-Juwelen | paper and poetry blog

09 Dezember 2017 | 2 Kommentare

Diese Onlinewelt ist groß und bunt und es tummeln sich dort so viele unterschiedliche tolle Menschen, dass ich manchmal ganz traurig bin, dass die nicht alle zufällig ums Eck wohnen und ich nicht einfach mal auf einen Kaffee vorbeischauen kann. Zum Glück gibt es da also dieses Internet, in dem man dann so tolle Menschen wie Mia entdecken kann, die mir dieses Jahr ganz besonders ans Herz gewachsen ist. Umso mehr freue ich mich, dass ich sie nun auf meinem Blog begrüßen darf.

Liebe Mia, dass Bücher einen ziemlich großen Platz in deinem Leben einnehmen ist allgemein bekannt. Schließlich bloggst du sogar darüber. Kannst du dich noch daran erinnern, welches Buch deine Liebe zur Literatur so richtig entfacht hat und seit wann du den Büchern verfallen bist?
Ich könnte dir jetzt zig Titel nennen, die meine Liebe zu Büchern entfacht und haben wachsen lassen, durch die ich viel über mich selbst und das Leben an sich gelernt habe oder die mir einfach etwas Bestimmtes gegeben haben, aber diese Liebe an sich, die war gefühlt schon immer da. Ehrlich, ich kann mich an keine Zeit ohne Bücher erinnern. Ob es Bilderbücher und vorgelesene Geschichten im Kleinkindalter waren - z.B. „Freunde“ von Helme Heine oder die „Geschichten vom Franz“ von Christine Nöstlinger, die „Tina und Tini“ Bände von Enid Blyton in der Grundschulzeit, später „Das Tagebuch der Anne Frank“ und „Harry Potter“ von J.K. Rowling bis „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt (ein Buch, das mich nächtelang wachgehalten hat) und Texte von Benjamin v. Stuckrad-Barre, der mich durch seine gezielten Alltagsbeobachtungen in treffsicheren Worten immer wieder erstaunt, alle tragen ein Stück dazu bei. Liebe klingt dabei irgendwie so pathetisch, aber irgendwie passt es doch. Zwischen Leser|in und Buch herrscht immer irgendwie eine ganz besondere Beziehung.

Du bloggst auf „paperandpoetryblog“ über Bücher. Wie kam es dazu? Und wann fiel die Entscheidung für einen eigenen Buchblog?
So genau weiß ich das gar nicht mehr. Irgendwann meldete ich mich auf Instagram an, folgte still ein paar Buchblogger|innen und dachte: das möchte ich auch, im Internet über Bücher schreiben und sprechen! Ja – und das machte ich dann, muss aber gestehen, dass das sehr planlos geschah (was es wohl auch immer noch ist), was ich aber gar nicht schlimm finde. Das einzige Ziel, das ich mit meinem Blog verfolge, ist zu zeigen, wie toll lesen sein kann und dass das nichts mit einem leicht angestaubten Image zu tun hat. Literatur kann, soll und darf Spaß machen!

Hast du es jemals bereut mit dem Bloggen angefangen zu haben und was liebst du am Bloggen am meisten?
Am Bloggen mag ich das Schreiben sehr, sehr gerne. In meinem Kopf sammeln sich immer so viele Gedanken an und ich finde es schön, sie halbwegs geordnet in einem kurzen Text zu finden. Oft wird mir während des Schreibens erst bewusst, was ich eigentlich denke und das finde ich enorm spannend (und manchmal auch kurios). Außerdem finde ich den Austausch mit anderen ganz, ganz toll und wichtig. Über Bücher zu sprechen macht so viel Spaß und eröffnet einem noch mal eine ganz andere Perspektive. Ich mag das sehr!

Wie integrierst du den Blog in dein Leben? Gibt es feste Zeiten in denen du schreibst? Arbeitest du mit einem Redaktionsplan? Machst du dir viele Gedanken und Notizen? Oder legst du einfach los, wenn du Lust und Zeit hast?
Ehrlich gesagt bin ich sehr unkoordiniert (man könnt es auch chaotisch nennen). Feste Zeiten oder einen Plan zu haben bedeutet für mich immer Stress und Druck – beides vermeide ich nach Möglichkeit, insbesondere, wenn es um mein Hobby geht, weil darunter meine Kreativität leidet. Von daher schreibe ich oft einfach drauf los, aber ich versuche schon in regelmäßigen Abständen neue Beiträge zu posten und Neuerscheinungen zeitnah zu besprechen.

Dein Blog lebt nicht nur von guten und ansprechenden Buchbesprechungen, sondern auch von tollen Texten. Woher kommen die Ideen? Wie viel Zeit investierst du in deinen Blog?
Die besten Ideen kommen aus dem Nichts. Einfach so, wenn ich gerade an etwas ganz Anderes denke. Dennoch ist das Bloggen eine sehr zeitintensive Angelegenheit und nicht immer sprudeln die Ideen, - aber wie viel Zeit genau ich in meinen Blog investiere kann ich gar nicht sagen, doch so lange es Spaß macht, darf es ruhig auch etwas mehr sein. Wenn ich merke, es stresst mich eher, als dass es Freude bringt, lege ich eine kleine Pause ein.


Was bedeutet Lesen für dich und wie und wo liest du am liebsten?
Lesen bedeutet für mich einzutauchen in eine andere Welt, den Alltag zu vergessen, aber gleichzeitig wachsam zu sein, neue Dinge zu lernen, die eigene Empathiefähigkeit zu stärken und einfach ganz viel Freude zu haben. Zum Lesen brauche ich keinen bestimmten Platz, ich lese wirklich überall. Besonders gerne aber bei mir zu Hause, ohne störende oder ablenkende Geräusche. Wobei ich das Lesen in Bus und Bahn auch toll finde, weil man so die Geschichte gleich mit rausnimmt und atmen lässt. Manchmal bekomme ich so das Gefühl, die Figuren seien lebendig. (Ich habe noch nicht erwähnt, dass ich ein Nerd bin? Ja gut, das wäre dann der Beweis.)

Was sind Bücher für dich?
Alles. – Wirklich, Bücher können so viel sein, wenn man es nur zulässt.

Bücher können so viel sein, wenn man es nur zulässt.

Genauso wichtig wie der Blog selbst, ist mittlerweile auch Social Media. Welche Plattformen nutzt du? Welche magst du am meisten? Und welche Erfahrungen hast du gemacht?
Das mag vielleicht überraschen, aber ich bin kein großer Social Media Fan. Daher bin ich lediglich auf Instagram zu finden, was irgendwie widersprüchlich ist, weil es das mitunter größte und ja, auch oberflächlichste Medium überhaupt ist. Dennoch bin ich froh, mich dort angemeldet zu haben, weil ich neben täglicher Inspiration, die ich dort mitnehme, auch viele tolle Leute kennengelernt habe, die ähnlich ticken wie ich und die Freunde geworden sind.

Liest du Bücher auch zweimal oder würde das für dich nicht in Frage kommen?
Absolut! Ich liebe es in bekannte Geschichten ein zweites oder gar drittes Mal einzutauchen, denn man entdeckt doch immer wieder neue Dinge.

Rezensionen sind ja das Mittel der Wahl um andere von bestimmten Büchern zu überzeugen. Schreibst du sie gerne? Und wie sieht es mit Verrissen aus? Für dich ein notwendiges Übel oder lässt du diese gar ganz weg?
Ich schreibe Rezensionen gerne, aber ich möchte nicht groß darüber nachdenken müssen, was ich da schreibe. Das heißt, meine Gedanken müssen aus mir herauswollen und ich möchte damit niemanden unbedingt überzeugen. Was nicht heißt, dass ich mich nicht freue, wenn jemand wegen mir ein bestimmtes Buch liest. (Im Gegenteil!) Ich gehe aber einfach von mir selbst aus: wenn mir jemand sagt, ich MUSS das und das lesen, tun oder machen, dann reagiere ich ein wenig mit Abwehr. Aber wenn ich merke, da hat jemand viel Freude gehabt oder das Buch hat dieser Person etwas Bestimmtes gegeben, dann schaue ich schon eher hin, darum beschreibe ich in meinen Buchbesprechungen oft meine eigenen Leseerlebnisse und was ich gefühlt habe während des Lesens. Es gibt aber auch Bücher, da möchte ich diese Gedanken für mich behalten, weil sie z.B. sehr persönlich sind und da schreibe ich ungerne Buchbesprechungen. Vor allem auch, wenn ich objektiv Schwächen in einem Buch erkenne, es aber subjektiv dennoch großartig finde. Verrisse schreibe ich in der Form eher selten, weil ich immer im Hinterkopf habe, wie viel Zeit und Energie in einem Text stecken und – ganz wichtig –, dass Geschmäcker verschieden sind. Man kann eine Buchbesprechung auch freundlich kritisch schreiben.


Wenn man sich mit Blogs und Literatur beschäftigt, dann stolpert man zwangsläufig auch über andere Buchblogs. Welche Buchblogs liest du persönlich am liebsten? Welche kannst du guten Gewissens empfehlen?
Na, selbstverständlich schaue ich bei dir sehr gerne vorbei (ganz besonders, wenn es um Kochbücher geht! :) )! Außerdem bei Linus von Buzzaldrins Bücher, Charlotte von Charlisabethsnivispluma, Liesa von Frühlingsmärchen, Flo bei Instagram unter @literarischernerd, Elif von The Written Word und Lotte bei Instagram unter @lottelikesbooks. Alphabetisch geordnet nach dem Blognamen bzw. Pseudonym, nicht nach Präferenz. Ich lese alle gleich gerne, weil jede|r über Bücher auf ihre oder seine eigene Art und Weise schreibt und andere Themengebiete anspricht, das mag ich so gerne am Internet bzw. am Bloggen: die Vielfalt!

Kannst du dein absolutes Lieblingsgenre und deinen Lieblingsautoren benennen? Und mit welchem Genre wirst du einfach nie wirklich warm werden, egal wie oft du es versuchst?
Puh, ich lege mich wirklich nicht fest, was das Genre angeht. Mir geht es vielmehr um die Geschichte und die Sprache, die müssen mich bewegen und irgendetwas in mir auslösen oder bewirken, das ist mir wichtig! Lieblingsautoren habe ich viele, u.a. Margaret Atwood, Astrid Lindgren, J.K. Rowling (ja, auch ihre anderen Werke finde ich großartig!), Benjamin v. Stuckrad-Barre, John Irving, Joachim Meyerhoff, Clemens Meyer (…), aber auch hier werde ich mich nie ganz festlegen können bzw. wollen.

Welche drei Bücher willst du schon lange lesen und hast es trotzdem bisher nie geschafft?
Tolkiens „Herr der Ringe“ Band zwei und drei. (Ja, ich weiß, ich schäme mich auch ein wenig dafür, dass ich es immer noch nicht beendet habe!) „Jenseits von Eden“ von Steinbeck und „Anna Karenina“ von Tolstoi.

Und welche drei Bücher sollte man in seinem Leben unbedingt mal gelesen haben?
Das finde ich schwierig. Bücher sind so persönlich und je nach Leser|in machen sie etwas ganz anderes mit einem. Ich kann also nur Empfehlungen aussprechen, die ich für mich selbst als „Muss“ benenne, weil ich sie so toll finde. Letztlich muss dieses Muss aber nicht jedem zusagen. Es folgen also drei Bücher, die mir sehr am Herzen liegen: 1) „Harry Potter“, da steckt so viel mehr drin als „bloß eine Zauberergeschichte“, 2) „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood und 3) „Woyzeck“ von Georg Büchner.

Wenn man dich jetzt in deine Lieblingsbuchhandlung schickt und dir dazu 100 Euro in die Hand drücken würde, mit welchen Büchern würdest du wahrscheinlich wieder herauskommen?
Wahrscheinlich mit dem neuen Meyerhoff („Die Zweisamkeit der Einzelgänger“), einer bebilderten Biografie von Prince („Prince 1958-2016“ von Mobeen Azhar), „Ehre“ von Elif Shafak, „Fuchsteufelsstill“ von Niah Finnik und einem Krimi für meine Mama – vielleicht „Selfie“ von Jussi Adler-Olsen.


Wo siehst du die Buchbloggerwelt in zehn Jahren?
Mein Gefühl sagt mir, dass Buchblogger an Aufmerksamkeit und auch an Seriosität gewinnen werden – mit Bestimmtheit kann ich das aber nicht sagen. Es kommt glaube ich sehr darauf an, ob sich in Zukunft für beide Seiten (Verlage und Blogger) eine erfolgreiche Zusammenarbeit ergeben wird. Blogger müssen dabei unbedingt ihre Authentizität behalten, sonst macht es in meinen Augen keinen Sinn.

Blogger müssen dabei unbedingt ihre Authentizität behalten, sonst macht es in meinen Augen keinen Sinn.

Wie gehst du mit Hypes um? Lässt du dich davon beeinflussen oder liest du grundsätzlich nur das, was dich interessiert, egal ob Hype oder nicht?
Ich finde Hypes gar nicht schlecht, denn damit ein solcher entsteht, muss ja irgendetwas vorhanden sein und so habe ich schon so manches Buch entdeckt, welches ich sonst nicht gelesen hätte. Mittlerweile kann ich aber sehr viel lockerer damit umgehen. Damit meine ich, dass ich nicht jedes Buch, das gehypt wird, unbedingt lesen muss. Wenn es mich interessiert: bitte, gerne! Wenn es mich nicht interessiert, dann interessiert es mich nicht. Zurzeit genieße ich es auch sehr in die Bibliothek zu gehen und mir dort Bücher auszuleihen, die mich spontan ansprechen – so lese ich Neuerscheinungen neben älteren, aber nicht weniger aktuellen Büchern und das macht mir mehr Spaß, als mich lediglich auf die Besprechung neu erschienener Titel zu fokussieren. Dieser Überfluss an neuen Reizen überfordert mich schnell und das ist genau das, was ich nicht in Büchern suche.

Abseits des Buchlebens: Für was kann man dich sonst noch begeistern? Was machst du, wenn du keine Bücher in der Hand hast?
Ich schreibe sehr gerne, aber das hat ja irgendwie auch etwas mit Büchern zu tun. Ansonsten höre ich Musik, kümmere mich um das ein oder andere DIY-Projekt, schaue liebend gerne Serien und Filme (aber mehr so aus den 80ern und 90ern) und esse Pommes.

Und was wolltest du sonst schon immer mal sagen?
Vielen lieben Dank, dass du mich gefragt hast, ob ich an einem Interview interessiert wäre. Ich mag dich und deinen Blog so gerne, es ist mir eine wahre Freude gewesen, deine Fragen zu beantworten! :)

Wenn ihr jetzt neugierg geworden seid, dann schaut doch unbedingt mal bei Mia von paperandpoetryblog vorbei und lasst euch von den vielen tollen Beiträgen inspirieren. Ihr könnt auch hier folgen: 

>> Instagram

Monatsrückblick | November 2017

02 Dezember 2017 | 1 Kommentar
Jetzt ist er also da, der letzte Monat im diesem Jahr. Irgendwie verging die Zeit wie im Flug und ist wahnsinnig schnell an mir vorbeigezogen. Obwohl ich den November ja nicht so gerne mag, hatte ich dennoch ein paar tolle Stunden und Momente, auch wenn ich wieder einmal ziemlich wenig gelesen habe. Aber dieses Thema habe ich 2017 für mich schon abgehakt, denn mein Lesejahr war es nicht. Dennoch kein Grund um sich zu beschweren, denn ich habe dafür viele andere Bücher "gelesen" und "bearbeitet", die ich hier im Rückblick gar nicht erwähne. Kochbücher zum Beispiel. Jetzt genieße ich die Vorweihnachtszeit, freu mich schon ein klein wenig auf Weihnachten und bin gespannt, was mich diesen Monat erwartet.

Gelesenes


Eine Übersicht meiner Bücher findet ihr übrigens auch hier HIER. Sollte bereits eine Rezension geschrieben sein, dann ist sie dort verlinkt.

Gut & Schlecht

Auch in diesem Monat habe ich wieder einige Bücher angelesen, die ich schon zur Hälfte fertig habe. Die zähle ich aber natürlich nicht dazu. Empfehlen kann ich euch stattdessen das tolle Buch 'Dann schlaf auch du' von Leila Slimani. Das war auch ganz sicher eines meiner Highlights in diesem Jahr. 'Flugangst 7A' von Sebastian Fitzek habe ich dagegen auf dem Reader gelesen und war ziemlich enttäuscht. Wahrscheinlich sollte ich das mit Fitzek einfach zukünftig lassen.

Zusammengefasst

Im November war ich auf der tollen "Lesung" der "New York Christmas"-Autoren in München und habe mir u.a. angehört, wie die Idee zur Reihe entstand, weshalb es zu Beginn gar keine Reihe werden sollte und wie hinter den Kulissen so gearbeitet wird. Alle Bücher habe ich hier bereits auf dem Blog besprochen. Außerdem war ich auch noch zusammen mit anderen Bloggern bei Ars Edition, habe über Trends diskutiert und Hand Lettering geübt. Nebenbei noch viele tolle Dinge vorbereitet und dann war der November auch schon schneller vorbei, als ich schauen konnte.

Postdschungel

Im November gab es auf dem Blog auch wieder einiges zu lesen. Gleich zu Beginn des Monats habe ich euch ein wunderbares Pflanzenbuch vorgestellt, das sich auch prima als Geschenk für Urban Jungle Liebhaber eignet. 'Grüner Wohnen' von Ulrike Herzog ist wirklich eine große Empfehlung. Kochbuch zum Träumen gesucht? Dann solltet ihr unbedingt einen Blick auf 'Stay for Breakfast' von Simone Hawlisch werfen. Auch dieses Buch ist eine echte Empfehlung. Und mit 'White Christmas' habe ich die inoffizielle Weihnachtswoche eingeläutet. Tolle Bücher zu diesem Thema könnt ihr hier finden.

Übrigens: Im Dezember könnt ihr jeden Tag etwas tolles gewinnen. Folgt mir einfach auf Instagram und seid dabei, wenn ich jeden Tag ein Türchen meines Adventskalenders öffne.

Monatsziele

Der Blick über den Tellerrand versammelt sich nun im Samstagskaffee. Ich verrate euch deshalb an dieser Stelle nun, was ich für den kommenden Monat so geplant habe. Ob ich mich immer strikt dran halte und alles umsetze steht noch auf einem anderen Stern, aber man kann es ja mal versuchen.

Im Dezember will ich die Vorweihnachtszeit ruhiger angehen, die Tage genießen, in ein paar spannende Bücher reinlesen und unbedingt auch mit ein paar Bloggerkollegen brainstormen. Ich habe da so ein paar Ideen. Achja und mindestens noch 3 Bücher kaufen (zwei hab ich mir gestern schon gegönnt).

Im November wollte ich einen möglichst tollen Buchmonat erleben, vielleicht doch noch ein älteres Buch lesen, tolle Veranstaltungen erleben, Cafés in München unsicher machen und unbedingt auch ein Buch shoppen. Das habe ich auch alles erreicht. Die Sache mit dem älteren Buch klammern wir einfach mal aus.

Monatsimpressionen

(mehr auf Instagram)

Wie war der November bei euch? Was war Gut? Was war Schlecht? Welche Bücher haben euch begeistert?

Blogtour zu 'Böses Kind' von Martin Krist - Mit dem Autor im Gespräch (inkl. Gewinnspiel)

28 November 2017 | 11 Kommentare

Hallo am zweiten Tag der Blogtour zu Martin Krists neuem Thriller "Böses Kind". Als ich vor wenigen Wochen dieses neue Buch von ihm las, wusste ich noch nicht, was mich erwarten wird. Wie von Martin gewohnt, war es aber wieder ein Thriller der Extraklasse, der mich sehr gut unterhalten hat. Mein ausführliches Fazit könnt ihr in der Rezension nachlesen.

Aufmerksame Leser konnten gestern auf Tapsis Buchblog bereits mehr über "Crime City Berlin" erfahren. Der Titel "Verbrechenshauptstadt" kommt nicht von ungefähr, also der perfekte Ort, um dort einen spannenden Thriller anzusiedeln. Bei mir erfahrt ihr heute mehr über den Autor selbst. Wie kam es eigentlich, dass man heute Bücher wie "Böses Kind" lesen kann? Wie entstehen die Ideen? Ich traf Martin im Interview und habe ein paar spannende Antworten für euch im Gepäck.


Lieber Martin, die einen sind Bankangestellte, die anderen arbeiten als Lehrer. Du schreibst schon ziemlich lange Zeit erfolgreich Bücher. Wacht man eines Tages auf und weiß, dass man unbedingt Geschichten erzählen muss, oder wie hat sich das ergeben? 

Martin Krist: Es war kein Muss, aber ein Wollen. Damals als kleiner Junge, als ich nächtelang die Bücher von Karl May verschlang. Von da an wollte ich andere Menschen ebenso mit spannenden Geschichten begeistern. So wollte ich auch schreiben können. Ich konnte mir allerdings nicht vorstellen, meinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Es war nur ein Hobby. Das zur Berufung wurde, als ich mit 15 für eine Lokalzeitung zu schreiben begann. Zufällig nur, aber plötzlich verdiente ich mit der Schreiberei Geld. Nach meinem Abitur absolvierte ich ein Volontariat, arbeitete als Redakteur, Redaktionsleiter, Chefredakteur, im Hinterkopf das feste Ziel, irgendwann vom Journalismus in die Schriftstellerei zu wechseln. Was mir mit 25 gelang. 

Martin Krist ist nur ein Pseudonym, unter dem du Thriller schreibst. Unter deinem richtigen Namen Marcel Feige hast du mehrere Biografien veröffentlicht. Dass darunter ausgerechnet eine über Kurt Cobain ist, gefällt mir persönlich sehr. Als großer Fan von Nirvana habe ich dieses Buch natürlich auch im Regal stehen. Wie kommen solche Bücher zustande? 

Martin Krist: Alle Biografien, die ich bislang geschrieben habe, waren Auftragsarbeiten. Die ersten Bücher, die ich nach meiner Abkehr vom Journalismus verfasste, waren Sachbücher über Themen, über die ich auch als Reporter geschrieben habe: Lifestyle, Szene, Subkulturen, Musik. Bei den Verlagen galt ich als ein Autor, der sich mit derartigen Themen auskennt, und ein Händchen hat für »außergewöhnliche« Zeitgenossen. Deshalb kamen Biografien zustande über die Hamburg-Ikone Tattoo-Theo, über eine Rotlichtgröße, über Nina Hagen, Kurt Cobain, Mahatma Gandhi und ... 

... den Rapper Sido, ein krasser Gegensatz zu allen anderen. Magst du die Künstler, über die du schreibst, selbst sehr gerne oder ist in erster Linie einfach dein Job? 

Martin Krist: Wie gesagt, ich befasse mich sehr gerne mit Szene und Subkulturen, ich strahle wohl eine gewisse Authentizität aus, stehe außerdem für ein hohes Maß an Integrität. Insofern fand ich sehr schnell Zugang zu den verschiedenen Künstlern und ihren Milieus. Die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht, gleichwohl sie am Ende eben nur ein Job war. Eine Auftragsarbeit. 

Und wenn wir schon einmal dabei sind: Welche Musik kann dich denn begeistern? 

Martin Krist: Ich selbst enstamme der Techno- und Houseszene, habe ihren Ursprung Ende der 80er-, Anfang der 90er hautnah als Clubber miterlebt. Später war ich jahrelang DJ und Redakteur. Eines meiner ersten Sachbücher war übrigens "Deep in Techno", mit dem ich die Geschichte der Techno-Szene aufgearbeitet habe. Die elektronische Musik ist bis heute meine Welt. 

"Ein neues Buch fängt mit einer simplen Idee an. Zum Beispiel einer Zeitungsmeldung. Einer Beobachtung in der Stadt. Einem Gespräch. Einem Thema, von dem ich erfahre. Irgendetwas, von dem ich denke, daraus könnte sich ein spannender Thriller machen lassen."

Wie erwähnt hast du bereits sehr erfolgreich Biografien geschrieben, bevor du dich an Thriller gewagt hast. Mit deinen Pseudonym Martin Krist kam dann der Durchbruch. Wie wahrscheinlich ist es, dass du dich nochmal in ein anderes Genre wagst? 

Martin Krist: Was nur wenige wissen: Ich bewege mich schon lange in einem anderen Genre. Unter dem (offenen) Pseudonym Christoph Brandhurst veröffentliche ich seit über zehn Jahren harte, erotische Thriller. Und BDSM-Ratgeber. Auch als Martin Krist habe ich einen erotischen Versuch gewagt: Unter dem Titel »Good Boys Gone Bad« haben bekannte Erotikautoreinnen und ich Frühjahr 2017 sinnlich-düstere Liebesgeschichten, Dark Romance und erotische Thriller veröffentlicht. Im Mittelpunkt standen vermeintlich gute Kerle mit einer geheimen dunklen Seite. 

Wie lange brauchst du, bis das Grundgerüst für ein neues Buch steht? Woher nimmst du deine Ideen und Inspirationen? 

Martin Krist: Ein neues Buch fängt mit einer simplen Idee an. Zum Beispiel einer Zeitungsmeldung. Einer Beobachtung in der Stadt. Einem Gespräch. Einem Thema, von dem ich erfahre. Irgendetwas, von dem ich denke, daraus könnte sich ein spannender Thriller machen lassen. Ich brüte über diese Idee beim Gassigehen, beim Frühstück, beim Einkaufen, beim Lesen, im Kino, in der Kneipe, eigentlich immer und überall. Wie von selbst gesellen sich zu dieser ersten Idee Figuren, deren Erlebnisse, erste Szenen, aufregende Wendungen, Dialoge, Kapitel, der finale Clou, der Romantitel. Nach ein, zwei Monaten habe ich ein Konzept, das 80 bis 100 Seiten und die komplette Geschichte umfasst, von Anfang bis Ende durchdacht. Das Schreiben dauert weitere fünf bis sechs Monate.
Recherche ist das A und O für einen Autor. Wo recherchierst du? Hast du eine verlässliche Quelle bei der Polizei? 

Martin Krist: Wenn mir etwas wichtig ist in meinen Büchern, dann Authentizität und Realismus. Weswegen ich mir für jedes Thema, das ich in meinen Romanen aufgreife, die richtigen Ansprechpartner suche. Was die kriminaltechnischen Aspekte meiner Ermittler betrifft: Ein ehemaliger Kriminalhauptkomissar steht mir seit Jahren mit Rat und Tat zur Seite. 

Schaust du eigentlich den Tatort? 

Martin Krist: Bis vor sechs oder sieben Jahren habe ich den Tatort beinahe wöchentlich geguckt. Inzwischen ödet mich dieses TV-Format nur noch an, so wie mich die meisten deutschsprachigen Sendungen langweilen. Ich gestehe: Ich bin ein Serienjunkie und Bingewachting ist meine Religion. Breaking Bad, Better Call Saul, Dexter, Ray Donovan, The Walking Dead, The Sopranos, The Wire, Bosch, Broadchurch, Borgen, House of Cards, Goliath, Westworld, Orphan Black und und und ...

"Nur hat man es als deutscher Thrillerautor unglaublich schwer. Es ist fast, als werte das Etikett »Thriller« einen Roman in den Augen vieler Leute ab."

Einige deiner Thriller würden sich perfekt für eine Verfilmung eignen. Ist dies nicht insgeheim auch ein Traum jeden Autors? Wäre das etwas für dich, das eigene Werk auf der Leinwand zu sehen? 

Martin Krist: Unbedingt. Nur hat man es als deutscher Thrillerautor unglaublich schwer. Es ist fast, als werte das Etikett »Thriller« einen Roman in den Augen vieler Leute ab. Egal. Dann eben nicht. Ich freue mich, dass drei meiner Thriller inzwischen auch als Hörbuch vorliegen. Immerhin etwas. 

In all deinen Büchern kommen Ermittler zum Zug. Es gibt viele Bände mit Paul Kalkbrenner, jetzt ganz neu Henry Frei. Warum ist für dich der klassische Ermittler so wichtig? Ein Thriller könnte ja auch tatsächlich ohne auskommen, oder nicht? 

Martin Krist: Natürlich, und weil ich meine Thriller stets mit zwei oder drei Handlungsebenen anlege, gibt es neben dem klassischen Ermittler (Kommissar Kalkbrenner, Problemlöser David Gross) auch immer Figuren, die keine Ermittler, Polizisten, Privatdetektive sind. Ganz normale Leute, deren Leben von jetzt auf gleich aus dem Ruder gerät. Sie sind gezwungen, sich ihrem Ungemach zu stellen. 

Ein wenig provokativ gefragt: Warum gab es noch nie eine weibliche Chefermittlerin? 

Martin Krist: Doch, gab es. In meinem Thriller »Kalte Haut« übernimmt Kriminalhauptkomissarin Sera Muth die Hauptrolle. Muth ist in allen anderen Romanen »nur« Kalkbrenners Kollegin und – gleichwohl wichtige – Nebenfigur. 

"In Berlin prallen unterschiedlichste Milieus aufeinander. Berlin ist die politische Hauptstadt. Überhaupt ist Berlin die einzige Großstadt, die wir in Deutschland haben. Hier liegen die Themen auf der Straße."

Du lebst in Berlin, der Stadt die niemals schläft. Hier passieren tagtäglich verrückte Dinge, man hört und liest verrückte Geschichten. Perfekter Schauplatz für deine Bücher. Könntest du dir vorstellen, die auch irgendwann mal in einer anderen Gegend anzusiedeln? Und warum ist Berlin so perfekt geeignet? 

Martin Krist: In Berlin prallen unterschiedlichste Milieus aufeinander. Berlin ist die politische Hauptstadt. Überhaupt ist Berlin die einzige Großstadt, die wir in Deutschland haben. Hier liegen die Themen auf der Straße. Aber ja, ich könnte mir sehr gut vorstellen, meine Geschichten anderswo anzusiedeln – und zwar in New York. Ich liebe New York. Ich war einige Male dort, und der Big Apple inspiriert mich jedesmal aufs Neue. Übrigens: Die eben erwähnte Dark Romance-Reihe »Good Boys Gone Bad« spielt in Manhattan. Das war bereits mein erster literarischer Gehversuch in New York.


Du hast bereits zahlreiche Bücher bei renommierten Verlagen veröffentlicht und kennst die Buchbranche wahrscheinlich schon auswendig. Für dein aktuelles Buch »Böses Kind« hast du dich aber ganz bewusst dafür entschieden, dieses eigenständig auf den Markt zu bringen. Warum? 

Martin Krist: Ich investiere zwei, drei Monate Zeit in die Konzeption einer Geschichte oder einer Serie, brauche weitere fünf, sechs, machmal sieben Monate, um den Roman zu schreiben – und erlebte wiederholt, wie man mit meiner Arbeit herumschluderte. Falsche Entscheidungen, viele Fehler, Chaos. Obendrein wenig Rückhalt. Immer wieder Versprechen, die nicht eingehalten wurden. Das hat mich zunehmend mehr frustriert. So kann und will ich nicht arbeiten. 

Wo siehst du die Vorteile, wenn du eigenständig veröffentlichst? Wäre »Böses Kind«, Auftakt deiner Kommissar Henry Frei-Reihe, nicht auch in einem Verlag umsetzbar gewesen? 

Martin Krist: Natürlich hätte auch ein Verlag die Reihe umsetzen können. Aber ich wollte es nicht. Nicht nach den Erfahrungen, die ich zuletzt gemacht habe. Wer meine Geschichten kennt, der weiß, ich erhebe einen sehr hohen Anspruch an meine Arbeit. Indem ich die Henry Frei-Reihe in Eigenregie betreue, habe ich alles in der Hand, von Anfang an wohldurchdacht und hochprofessionell. Gemeinsam mit einem guten Freund habe ich in Grafik, Layout, Lektorat, Korrektorat investiert, sogar in Marketing, Netgalley.de, Vorablesen.de. In gewisser Weise sind wir unser eigener Verlag, was auch das kleine Signet R&K auf dem Buchcover erklärt. Wir verlegen Martin Krist.

Ich hatte in diesem Jahr übrigens die Möglichkeit einem Teil deines Vortrags beim LitCamp in Heidelberg zu lauschen. Dort hast du unter anderem erwähnt, dass Verlage sich zu wenig trauen. Autoren würden gerne andere, außergewöhnliche Geschichten veröffentlichen, aber Verlage verlegen nur den typischen Mainstream. War dies auch ein Grund, weshalb du nun andere Wege gehst und dich um deine Bücher selbst kümmerst? 

Martin Krist: Ist es. Und ich gebe zu: Es ist lange her, dass ich mich so glücklich und befreit beim Schreiben gefühlt habe. Und alles so reibungslos läuft. 

Du kennst nun beide Seiten der Medaille. Was würdest du einem Selfpublisher raten, der sich überlegt sein eigenes Buch zu veröffentlichen? 

Martin Krist: Professionalität! Nicht nur beim Schreiben. Auch in der Veröffentlichung. Professionelle Grafiker, Lektoren, Korrektoren, Vertriebspartner.

Weil wir gerade bei den Reihen waren. Wo liegt der Reiz einer solchen? Ist es nicht einfacher Geschichten zu veröffentlichen, die auch wirklich beendet sind, wenn man das Buch zuklappt? Ich denke da beispielsweise an »Die Mädchenwiese«. 

Martin Krist: Ein Stand-alone wie »Die Mädchenwiese« hat durchaus ihren Reiz. Ende gut, alles gut. Aber wie gesagt: Ich bin ein Serienjunkie. Keine Sorge, jeden meiner Henry Frei-Thriller wird man eigenständig lesen können. Aber es gibt einen großen, übergreifenden Handlungsbogen. Das ist eine Herausforderung: in sich abgeschlossene Fälle, dennoch ein roter Faden, dem man folgen kann, selbst wenn man die anderen Fälle nicht gelesen hat. Und der am Ende trotzdem ein faszinierendes Gesamtbild ergibt. Spannend! 

Wie viele Teile sind für deine aktuelle Reihe vorgesehen? 

Martin Krist: Fünf für die Henry Frei-Reihe. Aber schon jetzt ist klar, dass es danach weitergeht. Soviel kann ich verraten: In Band 4 wird eine Figur in Erscheinung treten, die im Mittelpunkt der nachfolgenden Reihe steht. 

Der erste Fall ist, wie du sagst, tatsächlich in sich abgeschlossen, und endet trotzdem offen. Klingt paradox, ist aber faszinierend und macht Lust auf den nächsten Henry Frei-Roman. Erzählungen zu seinem Privatleben bleiben für mich aber im ersten Teil ein bisschen auf der Strecke. Wirst du das im nächsten Teil mehr ausbauen? 

Martin Krist: Auf jeden Fall. Denn das ist gar nicht so unwichtig für den weiteren Fortgang der Henry Frei-Reihe. 

Woher holst du dir eigentlich Inspiration für die Namensgebung deiner Figuren? Namen machen einiges aus und müssen schließlich gut gewählt sein. 

Martin Krist: Oh ja, Namen müssen zur Figur passen. Das ist häufig ein nervenaufreibender Akt. Es hat eine Weile gedauert, bis der Name Henry Frei feststand. Wer alle fünf Romane gelesen hat, wird den Namen verstehen. 

Ich habe dich schon immer als sehr offenen Autor im Kopf, der bewusst den Kontakt zu seinen Lesern sucht und immer auf Rückfragen oder gar Kritik reagiert. Als Selfpublisher bist du ja jetzt selbst für die Vermarktung deiner Bücher zuständig. Wichtiges Instrument vieler Verlage sind Blogger. Siehst du das ebenso? Braucht die Buchbranche Blogger? 

Martin Krist: Für mich ist ein Großteil der Blogger das, was das Feuilleton einmal war - Information und Kommunikation. Eine Zeitungsrezension ist bedeutungslos geworden, was auch daran liegt, dass viele Journalisten und Kritiker glauben, ihnen gehöre die Deutungshoheit über Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Darauf haben die Leser keine Lust mehr. Mir ist's auch egal, ob eine Zeitung mein Buch rezensiert oder nicht. 

Wo siehst du die Buchbranche in zehn Jahren? 

Martin Krist: Etliche Verlage wird es nicht mehr geben. Dito Buchhandlungen. Leider sind sie's selbst Schuld. Sie haben den Fortschritt verschlafen. 

Und was bedeutet es dir Autor sein zu dürfen? 

Martin Krist: Die Erfüllung eines Kindheitstraums. 

Vielen Dank für deine Zeit.

Die Stationen der Blogtour

27.11. Die Stadt: Crime City Berlin bei Tapsis Buchblog | 28.11. Der Autor: Martin Krist hier auf dem Blog | 29.11. Der Ermittler: Henry Frei bei The Anna Diaries | 30.11. Das Opfer: Ramona Niklaus bei Kielfeder Blog | 01.12. Der Täter bei Schattenwege
 
G E W I N N S P I E L  


Natürlich wollen wir euch nun auch noch eine Freude bereiten und haben einige Überraschungen im Gepäck. Zusammen mit Martin Krist verlosen wir je eine signierte (!) Ausgabe von "Drecksspiel", "Brandstifter" und "Böses Kind" und außerdem auch je einmal ein Hörbuch und eine E-Book vom aktuellen Thriller. 

Was ihr dafür tun müsst? Verratet mir unten im Kommentarfeld einfach die Antwort auf folgende Frage: Habt ihr denn abseits der Thriller schon einmal ein Buch des Autors gelesen? Oder welches Buch würde euch interessieren? Bitte vergesst auch nicht anzugeben, für welchen Gewinn ihr gerne in den Lostopf hüpfen wollt.

Das Kleingedruckte: Du kannst am Gewinnspiel teilnehmen, wenn du mindestens 18 Jahre alt bist oder die Einverständnis deiner Erziehungsberechtigten hast. Bitte vergiss nicht, dass du uns eine Kontaktmöglichkeit (E-Mail etc.) hinterlässt, damit wir Dich nach dem Gewinnspiel kontaktieren können. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Mitmachen können Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Wir übernehmen keine Haftung für den Verlust des Gewinns auf dem Postweg. Das Gewinnspiel endet am 03.12.2017 um 23:59 Uhr.

Rezension | 'Böses Kind' von Martin Krist

27 November 2017 | 1 Kommentar

Ein Mord mitten in der Hauptstadt. Das Opfer wurde erschlagen und gekreuzigt. Kriminalkommissar Henry Frei und sein Team ermitteln. Suse, heillos mit ihren Kindern überfordert, seit ihr Mann sie verlassen hat, ist in Panik: Ihre Tochter Jacqueline ist verschwunden. Die alarmierte Polizei glaubt der Mutter kein Wort. Wo ist Jacqueline? Wer zieht seine blutige Spur durch Berlin? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Jede Lüge hat ihren Preis

Wer gerne Thriller deutschsprachiger Autoren liest, der wird an Martin Krist nicht vorbeikommen. Spannende Lesestunden sind mit zahlreichen seiner Bücher garantiert und so war es natürlich unabdingbar, dass ich auch sein neustes Buch "Böses Kind" lese.

Der genaue Leser wird bemerken, dass sich auf dem Cover kein Verlagslogo finden lässt. Am Rande will ich deshalb kurz anmerken, dass dieses Buch im Selbstverlag erschienen ist. Der Qualität tut dies jedoch in keinster Weise einen Abbruch, man wird es überhaupt nicht bemerken.

In "Böses Kind" begegnet der Leser zum ersten Mal Ermittler Henry Frei. Zusammen mit seiner Kollegin ermittelt er in einem Mordfall, in dem ein junger Mann brutal zugerichtet wurde. Schnell werden erste Ermittlungen aufgenommen und bald stellt sich heraus, dass auch ein vierzehnjähriges Mädchen vermisst wird. Die Mutter alleinerziehend und total überfordert, der Vater auf Reisen und nicht erreichbar. Schnell ist die Presse alarmiert, die der Polizei genau auf die Finger schaut. Frei und sein Team versuchen alles, um das Mädchen noch lebend zu finden.

Wer jetzt einen Thriller nach altbekanntem Schema erwartet, wird enttäuscht werden. Krist schafft es gekonnt, den Leser auf falsche Fährten zu locken. Ist man sich sicher der Auflösung nähergekommen zu sein, wird man schnell bemerken, dass es sich hierbei nur um einen Trugschluss handelt. Die eingestreuten Handlungsstränge mit einer gefangenen unbekannten Frau in einem Kellerverlies treiben die Spannung zusätzlich in die Höhe.

Das Privatleben der Ermittler kommt in diesem Buch ebenfalls nicht zu kurz, was ich persönlich sehr begrüße. Wenn sich der Leser mit den Ermittlern identifizieren soll, dann braucht es eine gewisse Nähe, die nur so aufgebaut werden kann. Untypisch ist Frei jedoch ein Familienmensch mit intakter Beziehung und einem autistischen Sohn. Spannende Konstellation, die mich überzeugt hat. Glaubwürdige und gut gezeichnete Charaktere sind ebenfalls ein Punkt, den ich unbedingt hervorheben muss. Nicht jeder ist sympathisch, aber das braucht es für mich auch nicht. Der alleinerziehenden gestressten Mutter nehme ich ihre Rolle zum Beispiel hundertprozentig ab und nur das zählt.

Ein spannender Thriller, der sich äußerst rasant liest und den man nur ungerne zur Seite legen will. Kurze Sätze treiben den Spannungsbogen bisweilen nach oben und lassen den Leser nicht kalt. Ein ganz fieser Cliffhanger am Ende lässt durchblicken, dass es mit dieser Reihe weitergeht. Hier kann man sich nur wünschen, dass der nächste Teil schnellstmöglich veröffentlicht wird. Für mich ist Martin Krist auch als Selfpublisher eine Empfehlung im Thrillerbereich und hat mit "Böses Kind" den ersten Teil einer spannenden Reihe veröffentlicht, den es zu lesen lohnt.

Fazit

Wer auf der Suche nach spannender Lektüre ohne Vorhersehbarkeiten ist, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Mit Henry Frei hat Martin Krist einen sympathischen Ermittler erschaffen, der keine typischen Klischees bedient und großes Potenzial für weitere spannende Fälle hat. Leseempfehlung!

Böses Kind von Martin Krist - Teil 1 der Reihe um Henry Frei - Selbstverlag - 324 Seiten - ISBN 978-3745035292 - Taschenbuch - 9,99 Euro