Rezension: "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa

25 Juni 2012 | 1 Kommentar

DATEN

Der Russe ist einer, der Birken liebt von Olga Grjasnowa - Hanser Verlag -  288 Seiten - ISBN 978-3446238541 - Gebundene Ausgabe - 18,90 Euro - Hier kaufen 

INHALT 

Mascha ist jung und eigenwillig. Aus Aserbaidschan nach Deutschland gekommen. Sie ist Jüdin, wenn nötig aber auch Türkin oder Französin. Als sie damals nach Deutschland kam, musste sie bald die Erfahrung machen, was Sprachlosigkeit bedeutet. Was es heißt, wenn keiner dich versteht. Jetzt spricht sie fünf Sprachen fließend und strebt eine Karriere bei der UNO an. Doch dann erkrankt ihr Freund Elias schwer und stirbt. Von dem Verlust schwer getroffen, flieht sie nach Israel und wird dort von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt.


MEINE MEINUNG 

Bei "Der Russe ist einer, der Birken liebt" handelt es sich um ein sehr außergewöhnliches Buch. Nachdem man es gelesen hat, wird man als Leser in einem Zwiespalt zurückgelassen und weiß nicht so Recht, ob man es lieben oder hassen soll. 


Sprachlich bewegt sich Olga Grjasnowa auf einem sehr hohen Niveau. Was man kaum glauben kann, da sie ja gebürtig nicht aus Deutschland stammt. So hat mich ihr Stil zu Schreiben von Anfang an in Beschlag genommen und mich förmlich durch das Buch getrieben.

Die Autorin gewährt uns Einblicke in das Leben von Mascha, die nicht wirklich einfach ist. Eine komplizierte Frau mit zwiespältigen Beziehungen, die Sehnsüchte hat und sich mit Erinnerungen quält. Als ihr Freund Elias stirbt, fällt sie in ein tiefes Loch. Sie will nicht essen, nicht trinken und tagelang nicht einmal aus ihrem Bett aufstehen. Also flieht sie nach Israel vor ihrem Leben in Deutschland in ein Leben, in dem sie die Vergangenheit wieder einholt. Dennoch ist Mascha in diesem Buch für mich nie richtig greifbar und ich hatte nie das Gefühl sie endlich richtig zu verstehen. Was es auf der einen Seite auch wieder sehr schwer macht, dieses Buch zu bewerten.

Hier geht es aber nicht nur um Trauer, Tod und Liebe, sondern auch um ganz aktuelle Themen wie Rassismus, Integration und Vorurteilen gegenüber anderen Kulturen. All das wird hier angeschnitten und verarbeitet. 
An der Tankstelle kauften wir ein Eis. Die Verkäuferin fragte Sami, wo er herkäme. Aus Frankfurt, sagte Sami. Nein, wo er denn wirklich herkäme. Ich fragte sie, was sie meinte. Sie lächelte verloren. Wir rissen die Verpackung von unserem Eis. Meins hatte einen Überzug aus dunkler Schokolade und Mandeln, das von Sami war ein Nusshörnchen. "Komm schon, sag es ihr", stichelte ich. Die Verkäuferin lechzte nach Exotik. "Ich komme aus Madagaskar", sagte Sami. "Dort leben alle in Baumhäusern und ernähren sich ausschließlich von Bananen. "Das ist das erste mal, dass er ein Eis probiert", sagte ich. Sami grinste mich an, wenigstens zwischen uns war wieder alles in Ordnung. (S.142)
Als ich das Buch zu Ende gelesen habe, musste ich alles erst einmal sacken lassen und bin dennoch zu dem Schluss gelangt, dass es sich um ein authentisches Buch handelt, dass mich mit doch überzeugt hat. 

FAZIT

Ein Buch, dass auf jeden Fall anders ist. Mit einer unglaublich bildhaften Sprache jedoch überzeugt. Nichts für Zwischendurch. Man muss bereit sein, sich darauf einzulassen um es zu verstehen und Gefallen daran zu finden.
4/5 Punkte


1 Kommentar:

  1. Danke für die Rezi, ich war schon gespannt auf deine Meinung, weil ich dachte, dass das Buch vllt was für mich ist. Gegenwartsliteratur ist nicht immer mein Ding, aber dieses klingt interessant... alternativ ;)
    Liebe Grüße

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