Rezension: "Jung, blond, tot" von Andreas Franz

14 Juli 2012 | 8 Kommentare

DATEN

Jung, blond, tot von Andreas Franz - Droemer Knaur - 512 Seiten - ISBN 978-3426617885 - Taschenbuch - 9,99 Euro - Hier kaufen

INHALT

Eine Serie von bestialischen Mädchenmorden beunruhigt die Bevölkerung von Frankfurt am Main. Alle ermordeten sind Blond. Sie werden getötet, vergewaltigt und verstümmelt und am Ende vollzieht der Mörder sein Ritual und bindet ihre Haare mit zwei roten Schleifen zu Zöpfen. Die Polizei steht vor einem Rätsel und fordert Julia Durant an. Die, so heißt es in den Kreisen, eine hervorragende Ermittlerin ist und dem Mörder schnell auf die Spur kommen soll. Durant und ihre Kollegen ermitteln in den reichen Kreisen Frankfurts und jagen endlos lange einem Phantom hinterher, bis ein einfacher Zufall den Mörder überführt.

MEINE MEINUNG 

Ein Fan von Krimis, sollte irgendwann auch einmal Andreas Franz lesen. Weil ich von ihm schon ein paar Bücher auf meinem SuB habe und persönlich die Reihe lieber immer von vorne beginne, habe ich mich an den ersten Julia-Durant-Krimi "Jung, blond, tot" gewagt.Die Ermordungen von jungen, blonden Frauen nach dem selben Muster häufen sich und die Kommissare haben keine Spur zum Mörder. Für diesen Fall holt Kommissar Berger Julia Durant nach Frankfurt, die in Polizeikreisen einen guten Ruf haben soll und bekannt ist für die schnelle Aufklärung von Fällen. 

Doch was passiert jetzt? Der Leser begleitet Julia Durant jetzt durch das Buch und durch endlos lange Ermittlungen, Gesprächen mit potenziellen Zeugen und betroffenen Angehörigen. Nie hat man das Gefühl einen Schritt in die richtige Richtung zu setzen und dann wird wieder eine Frauenleiche gefunden und das Spiel beginnt von vorne. Nebenbei streut Andreas Franz noch etwas Privatleben der Ermittler in die Geschichte mit ein. 

Julia Durant ist eine frustrierte Person, die sich nichts mehr wünscht als einen Mann an ihrer Seite. Muss sie doch ihre Befriedigung die ganze Zeit in One-Night-Stands suchen. Zudem raucht sie unnormal viel, trinkt viel zu viel Alkohol und hat wohl einen Hang zur Unordentlichkeit. Sie wurde mir im Verlauf des Buchs leider überhaupt nicht sympathisch und ging mir viel mehr auf die Nerven. Ich bin gespannt, ob sich das noch bessern kann.Von Kommissar Berger erfährt man nicht sonderlich und Kommissar Schulz, der von Anfang an viele persönliche Probleme hat und im Fall eigentlich so gut wie nicht vorkommt, begeht am Ende sogar noch Selbstmord. Also im ganzen für mich kein sympathisches Ermittlerteam.
Da ich im medizinischen Bereich arbeite, ist mir außerdem ein elementarer Fehler des Autors aufgefallen. Als Antonia Delgardo ermordet wird, kommt durch den Obduktionbericht an Licht, dass sie HIV positiv war. Der Autor schreibt jedoch die ganze Zeit "Aids krank". Um das einmal richtig zu stellen, wenn man HIV positiv ist, dann hat man nicht auch gleichzeitig Aids. Aids wird es erst dann genannt, wenn die Krankheit bzw. der Virus ausgebrochen ist. Und das ist er, wie der Autor selbst schreibt, in diesem Fall nicht. Mag das zwar nur eine Kleinigkeit sein, hat es mich dennoch gestört. 

Zudem bedient sich Andreas Franz an ziemlich vielen Klischees, die auf Dauer langweilen. Natürlich gibt es einen Psychotherapeuten, der die reichen und schönen Frauen behandelt und nebenbei mit diesem auch zahlreiche Affären hat. Außerdem gibt es fast alle paar Tage Partys, auf der reiche und korrupte Menschen verkehren, die sich mit Geld alles kaufen können. Und die Polizisten rauchen die ganze Zeit, trinken unnatürlich viel Alkohol und können auch nach dem dritten Bier noch ohne Probleme mit dem Auto fahren. 

Zudem ist es fast schon unglaublich, dass der Täter die ganze Zeit über keinerlei verwertbare Spuren am Tatort hinterlässt, wenn er alle Frauen nach dem Tod sogar noch vergewaltigt. Der Schreibstil von Franz ist leicht zu lesen, wenn auch anfangs gewöhnungsbedürftig, da er viele abgehackte Sätze verwendet. Wenn man sich jedoch einmal dran gewöhnt hat, dann kommt man damit gut zurecht.
 
Zum Ende hin wurde schnell klar, wer der vermeintliche Mörder ist. Überraschend war jedoch, dass der Autor den Leser schon früher über den Mörder informiert hat, als es die Polizei selbst wusste. Man konnte so quasi mitverfolgen, wie die Polizei dem Geheimnis auf die Spur kommt und den Mörder schließlich überführt. Als dieser dann endlich verhaftet ist und die Geschichte eigentlich endet, gibt es noch zahlreiche Seiten Epilog auf denen erklärt wird, wie der Täter zu dem wurde, was er jetzt ist und wie die Gerichtsverhandlung verlief. 

FAZIT 

Mein erster Andreas Franz-Krimi, der mich leider eher enttäuscht hat. Zu wenig Sympathie für die Ermittler, zu viele Zigaretten und Alkohol und zu viele Wort-und Satzwiederholungen haben es mir ziemlich schwer gemacht. Ich werde allerdings irgendwann den nächsten Teil lesen, da der noch auf meinem SuB liegt und bin gespannt ob sich in der Hinsicht eine Weiterentwicklung ergibt. 

2/5 Punkte

Kommentare:

  1. Hey Petzi!
    Hui, dann werde ich wohl die Finger von diesem Krimi haben, sollte mich die Krimilust mal wieder überrennen. Gut, dass du deine Meinung zu gut begründest und den Krimi "nüchtern" betrachtest (tut ihm sicher gut, bei der Protagonistin *zwinka*).
    Ich drücke dir die Daumen, dass dich dein nächstes Buch wieder begeistern kann!
    Liebe Grüße
    Anka

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  2. Schade meine liebe Petzi, dass dich der erste Band der Andreas Franz-Reihe nicht überzeugt hat. Ich kann natürlich zum 12. Teil von ihm bzw. Daniel Holbe nur ergänzen, dass ich ja sonst bisher kein Krimileser bin und auch keine so hohen Erwartungen anstelle... Liest du denn das nächste?

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  3. Die Bücher von Franz reizen mich ja immer mal, schrecken mich dann aber doch wieder ab. Ermittler und keine ansprechenden Cover - da werde ich skeptisch ;-) Zu recht wie mir scheint.

    Trotzdem schade, dass das Buch dich nicht so überzeugen konnte. Ich hoffe, wenn du dann den nächsten Band in ANgriff nimmst, gefällt es dir besser :-)

    Liebe Grüße und ein ganz schönes We - habe neue eBooks, mehr dazu morgen ;-)

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    1. Also das Cover hätte mich jetzt gar nicht so abgeschreckt. Komischerweise bin ich mir aber irgendwie sicher (ich hoffe es zumindest) das die nächsten Teile besser werden und werde wirklich weiterlesen. Weil die Schreibweise (ein wichtiger Punkt) mir gut gefallen hat. Und ich denke die Protagonisten werden sich entwickeln und sympathischer werden. :)

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  4. Uff... ich habe das Buch daheim... dass es jetzt doch so ist, verwundert mich doch. Jetzt weiß ich gar nicht, ob ich Andreas Franz eine Chance geben soll!...

    Mal gucken...

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    1. Hey Sky,
      ich hab "Todesmelodie" daheim und da das ja gut sein soll (laut Dani, die solche Bücher eigentlich nicht liest) wollte ich das auch unbedingt. Da ich persönlich aber in einer Reihe immer von vorne anfangen will und sowieso ein paar Bücher von ihm auf dem SuB hab, hab ich den ersten Teil mal gelesen. Also ich fands auch verwunderlich, weil ich eigentlich dachte das Andreas Franz absolut was für mich ist. Wenn ich aber mal andere Rezis zu dem Buch anschaue bin ich mit meiner Meinung auch nicht ganz allein. Ich werde auf jeden Fall auch noch andere Teile von ihm lesen, weil ich denke das einfach nur das nichts für mich war oder ich irgendwie falsch verstanden habe.

      Ich an deiner Stelle würde es auf jeden Fall lesen, denn vielleicht kannst du über die ganzen Zigaretten und den Alkohol auch locker hinwegsehen und das war für mich ja eigentlich ein großer Negativpunkt. Die Schreibweise fand ich nämlich eigentlich ganz gut. Ich bin nur mit den Protagonisten nicht ganz warm geworden, aber ich denke, die werden sich im Lauf der Reihe entwickeln. :)

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    2. Na gut, dann probier ich es doch einmal ;) Mal sehen, vielleicht sag es mir ja wirklich mehr zu.

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  5. Hi Petra,

    Andreas Franz Bücher haben mich auch noch nie so richtig angesprochen. Bisher hat mich noch keins von ihnen zum Kauf verführt.

    LG an dich!
    EMMA

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