Rezension: "Leben" von David Wagner

29 August 2013 | 2 Kommentare
DATEN
Leben von David Wagner - Rowohlt Verlag - 288 Seiten - ISBN 978-3-498-07371-8 - Hardcover - 19,99 Euron - Hier kaufen

INHALT
Um kurz nach zwei Uhr kommt der Anruf: Ein passendes Spenderorgan ist gefunden. Auf diesen Anruf hat er so lange gewartet und ihn gleichzeitig so gefürchtet.

„Leben“ erzählt von der Geschichte und Vorgeschichte einer Lebertransplantation. Von langen Tagen und Nächten im Krankenhaus und wechselnden Bettnachbarn mit unterschiedlichen Schicksalen. Und als er da so liegt und den anderen zuhört, bemerkt er, dass auch er schon ein Leben hinter sich hat. Gedanken und Erinnerungen kommen auf: Wen hat er geliebt? Für wen lohnt es sich zu leben? Aber die entscheidendste Frage: Wer musste sterben, damit ich leben kann?

MEINE MEINUNG
David Wagners autobiographischer Roman erzählt die Geschichte einer Leidensodyssee eines leberinsuffizienten Patienten. Die Autoimmunhepatitis zerstört nach und nach das lebenswichtige Organ. Als eines Tages der gefürchtete Zustand eintritt, ist ein Spenderorgan unumgänglich. Ohne Transplantation würde er sterben. Doch mit einer neuen Leber sind nicht gleich alle Probleme gelöst.

„Ich stehe wieder auf der Liste, sammle Wartezeit. Mit jedem Tag steigt die Wahrscheinlichkeit zu sterben, jeder Tag ist ein Tag näher dran am Tod. Doch jeden Tag, das ist die Ironie der Liste, steigt auch die Chance zu überleben – nur muss ein anderer vorher sterben.“ (Kapitel 89)

„Leben“ ist ein Roman, den ich sofort lesen wollte. Ich selbst arbeite mit transplantierten Patienten und allein schon aus beruflicher Sicht hat mich dieses Buch interessiert. Welche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man weiß, dass es ohne neues Organ kein weiteres Leben geben wird? Wie hält man es aus, wochenlang im Krankenhaus zu liegen? Den körperlichen Verfall mitzuerleben? All das sind Fragen, die man wohl nur beantworten kann, wenn man selbst betroffen ist. 

Die Geschichte beginnt mit einem unscheinbaren Abend, der das Leben des Protagonisten doch für immer verändern wird. Er verliert viel Blut, muss mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus und schnell ist klar, die Leber stellt immer mehr die Funktion ein. Ein neues Organ ist lebensnotwendig. Als er da so in seinem Bett liegt, denkt er über sein bisheriges Leben nach, lernt andere Patienten kennen und erzählt vom Leben als kranker Mann.

„Ein Vater, ich erinnere mich, soll groß, stark, unverletzlich, ja unsterblich sein.“ (zw. Kapitel 24/25)

Der ersehnte Anruf weckt in Wagner Freude und Leid zugleich. Die unausweichliche Situation ist eingetroffen. Will man das neue Organ wirklich? Geht es nicht vielleicht doch noch mit dem eigenen? Wird man ein andere Mensch, weil man einen Teil eines anderen in sich trägt? Fragen über Fragen, die der Autor feinfühlig und weitreichend beantwortet. 

„Jeder Tag ist neu, Gegenwart ist immer, […] keine verpasste Gelegenheit kommt zurück. Ich will versuchen, das nicht zu vergessen.“(Kapitel 275)

Das Buch ist aufgeteilt in viele kurze Kapitel und auch ziemlich schnell gelesen. Wagner fesselt mit seinem Schreibstil und lässt den Leser nicht mehr los. Er beschreibt treffend genau den Alltag im Krankenhaus, berichtet von den Mitpatienten und bringt einem die Gedanken eines todkranken Mannes näher. Gedanekensquenzen, die einem durch den Kopf gehen, wenn man im Krankenhaus nur auf die selbe Stelle starrt und dabei fast verzweifelt. Jahrelange Krankheit wirkt sich eben nicht nur körperlich aus, sondern verletzt auch die Seele. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas, verliert der Autor aber auch nie den Humor aus den Augen. Eine Tatsache, die dieses Buch mitunter so besonders macht.

FAZIT
„Leben“ ist ein bestechend gutes Buch, literarisch wertvoll und eine unbedingte Empfehlung. Auch für all diejenigen die sich glücklich schätzen können, gesund zu sein. Man durchlebt Verzweiflung, Angst, Freude, Ratlosigkeit und ist am Ende einfach nur glücklich es gelesen zu haben.

5/5 Punkten

Kommentare:

  1. Hallo meine Liebe!
    Da habe ich dann jetzt doch gleich mal deine Rezension gelesen :D
    Ich werte ja nicht bei biografischen Büchern, aber ich fand es auch wirklich gut beschrieben.

    Tolle Rezension!

    Liebst, Lotta

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  2. Hey :)
    Das Buch habe ich auch gelesen, allerdings noch vor meiner Zeit als Bloggerin und fand es auch unglaublich gut. Ich würde es auch jedem empfehlen... es ist so ein Buch, was einen immer irgendwie begleiten wird sobald man es gelesen hat.

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