Rezension: "Gone Girl - Das perfekte Opfer" von Gillian Flynn

12 September 2013 | 4 Kommentare

DATEN

Gone Girl - Das perfekte Opfer von Gillian Flynn - Scherz Verlag - 576 Seiten - ISBN 978-3502102229 - Broschiert - 16,99 Euro - Hier kaufen

INHALT

Am Morgen ihres fünften Hochzeitstages verschwindet Nicks Frau Amy spurlos. Die Wohnung verwüstet. Die Polizei hat schnell Nick selbst im Verdacht. Amys Freunde berichten, dass sie Angst vor ihm hatte. Einige Indizien sprechen gegen ihn und in seinem Computer werden merkwürdige Hinweise gefunden. Was geschah mit Nicks Frau Amy? Wer hat sie entführt?

MEINE MEINUNG

Bei extrem gehypten Büchern bin ich in der Regel immer vorsichtig. Zu oft wurde ich schon enttäuscht. Dennoch spring ich meistens auf den Zug auf und lese es, denn man will ja auch mitreden. Bei "Gone Girl - Das perfekte Opfer" hat sich meine Vermutung wieder einmal bestätigt. Ein perfektes Beispiel, das zeigt wie perfektes Marketing und Werbung ein Buch zum Kassenschlager machen kann, während es einfach nur schlecht ist.

Aber beginnen wir von vorne. Wir haben es in diesem Buch mit Amy und Nick zu tun, einem durchschnittlichen Ehepaar in Amerika, das von der Wirtschaftskrise betroffen ist. Beide verlieren in New York ihre Jobs und fangen in Nicks Heimatstadt nochmal neu an. Als Nick eines Tages nach Hause kommt, ist seine Frau Amy spurlos verschwunden und die Wohnung verwüstet. Wer hat seine Frau entführt? Ist sie überhaupt noch am Leben?

Das Buch beginnt langweilig und beschäftigt sich die ersten hundert Seiten mit der Geschichte des Paares. Die Autorin will wohl so eine Beziehung mit den Protagonisten aufbauen, was zumindest von meiner Seite nie gelungen ist. Ich empfinde sowohl Nick, als auch Amy einfach nur unsympathisch und habe es nie geschafft einen Draht zu Ihnen zu bekommen. So ging es mir übrigens auch mit allen anderen Figuren. Diese bleiben hier komplett farblos und uninteressant. Die Geschichte konnte mich vielleicht auch deshalb nicht fesseln, weil ich als gelangweilter Leser die Handlung nur von außen verfolgen konnte und es nie geschafft habe, in der Geschichte zu versinken.

Als die Handlung dann voranschreitet gibt es tatsächlich die ersten Cliffhanger und man hat die Hoffnung, dass der Knoten geplatzt ist und die Geschichte endlich spannend weiter geht. Doch weit gefehlt. Das Buch baut nicht auf seinen Stärken auf, sondern verliert sich immer wieder in neuen Absurditäten und wird immer abstruser. Leider kann ich nicht ins Detail gehen ohne zu spoilern, aber wer das Buch liest, wird verstehen was ich meine.

Sprachlich wechselt es in seiner Erzählweise hin und her. Einmal wird aus der Sicht von Amy und einmal aus der Sicht von Nick erzählt. Oft wird der Leser aber auch direkt angesprochen, was ich persönlich gar nicht mag. Dazwischen dann auch wieder Tagebucheinträge von Amy. Das ein oder andere Mal war ich wirklich versucht abzubrechen um mich vor einer drohenden Leseflaute zu bewahren, habe es aber doch nicht getan.

Viele sagen jetzt vielleicht, dieses Buch ist eben nicht der typische Thriller und genau deshalb gut. Das kann man so sehen, ich tue es aber nicht. Ein Buch, das so viele langweilige Passagen hat, sich stellenweise unnötig in die Länge zieht und mit so einer Handlung aufwarten kann ist für mich kein Thriller. Und das Ende der Handlung ist nicht Psycho, sondern schlichtweg Quatsch. Das gleicht mehr einer billigen Komödie, als einem hochgelobten Thriller.

Im letzten Drittel hatte ich schon den Verdacht, wie es enden wird. Der wurde teilweise sogar bestätigt und mit den letzten Kapiteln sogar noch übertroffen. Im negativen Sinn. Ich kann mir wirklich keinesfalls erklären, wie es dieses Buch auf die Bestellerlisten geschafft hat. Weil es weder spannend, noch klug oder gar intelligent ist. Und in Anbetracht dessen ist der Preis hierfür unverschämt hoch. 

FAZIT

Ein völlig zu Unrecht hochgelobtes Buch, das mit einem Thriller nicht viel gemein hat. Wer gute Unterhaltung sucht, sollte besser zu einem anderen Buch greifen. Finger weg!

2/5 Punkten

Kommentare:

  1. Hi!

    Ich muss ja zugeben, dass ich mich bei "Gone Girl" auch habe vom Hype anstecken lassen und mir das Buch demnächst in der Hörbuchversion gönnen werde. Ich komme beim besten Willen nicht drum herum… ;-)

    Ich habe deine Rezension zwar nur überflogen um nicht zu viel über den Inhalt zu erfahren, aber ich finde interessant, dass es dich so überhaupt nicht angesprochen hat und deine Wertung fast schon vernichtend ausfällt.

    Ich bin nun wirklich sehr gespannt auf das Buch und ob ich mich den vielen begeisterten Stimmen anschließen werde oder doch eher auf Seiten der wenigen stehe, die den Rummel um diesen Roman nicht so wirklich nachvollziehen können.

    LG,
    Sebastian

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  2. Wow Petzi, toll beschrieben. Ich bin neugierig, da ich ja kein typischer Thrillerleser bin und würde mir wie du auch gern eine Meinung bilden. Wirklich top Rezension!

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  3. Ich finde diese Rezension auch klasse! Du greifst nichts vorweg, falls man das Buch noch lesen mag und machst sogar noch neugierig! Gleichzeitig ist dein Standpunkt klar und deutlich, bleibst dabei aber auch fair. Ich bin ja nun auch kein Thrillerfan, aber mein Literaturwissenschafts-herz ist geweckt worden und ist sehr neugierig auf dieses Buch... du würdest mir das nicht zufällig mal leihen? ;o)

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  4. Ich habe das Buch auch gelesen und kann nur bestätigen, was Petzi kritisiert hat.
    Mit Abstand das schlechteste Buch was ich bis jetzt gelesen habe.
    Die Handlung an sich ist nicht schlecht und eigentlich eine gute Idee, wenn es von Gillian Flynn nur besser geschrieben worden wäre.

    Das Buch ist auch verfilmt worden, in die Kinos kommt er ab Oktober diesen Jahres.
    Da der Regisseur (David Fincher) absolut Spitze ist und lauter gute Filme rausgebracht hat, wird der Film hoffentlich nicht ganz so grottig wie das Buch.

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