Rezension: "Evil" von Jack Ketchum

22 Juni 2014 | 6 Kommentare

Zum Buch

Evil von Jack Ketchum - Heyne Hardcore - 336 Seiten - ISBN 978-3-453-67502-5 - Taschenbuch - 8,95 Euro - bei glatteis kaufen

Inhalt

Als Meg und Susans Eltern bei einem Autounfall sterben, kommen sie in die Obhut der alleinerziehenden Ruth Chandler und deren drei Söhne. Zuerst scheint alles normal und keiner frägt danach, ob Ruth mit dieser Belastung klarkommt. Doch dann beginnen Grausamkeiten, die man sich so nicht denken kann und inmitten der amerikanischen Vorstadtidylle muss ein Mädchen um ihr überleben kämpfen. Es ist auch die Geschichte eines Jungen, der zwischen den Stühlen steht und sich später hilflos fragen muss, warum er nichts getan hat. Unter Experten gilt Jack Ketchums Buch als eines der großen Meisterwerke des Genres und wurde bereits auch verfilmt.

Meine Meinung

Evil ist ein Buch, das wahrscheinlich nicht jeder lesen kann und will. Zurecht, da es an Grausamkeiten wohl kaum zu überbieten ist und ganz gewiss nicht jeder mit den beschriebenen Szenen zurechtkommen würde.

Jack Ketchum beschreibt in diesem Buch auf fiktionaler Basis den Mordfall an der sechzehnjährigen Sylvia Likens, die 1965 in Indianapolis von ihrer Ziehmutter gefoltert, misshandelt und schließlich ermordet wurde. Diese Tatsache ist eigentlich das Schockierendste für mich selbst. Eine erfundene, grausame Geschichte ist die eine Sache. Zu wissen, dass diese Dinge fast so stattgefunden haben, hat mich jedoch sehr nachdenklich zurückgelassen.

Im Vorwort schreibt Stephen King, warum er Jack Ketchum als genialen Schriftsteller entfindet und weshalb man seine Bücher unbedingt lesen muss. Und ich kann ihm nur zustimmen. Auch wenn ich empfehle, das Vorwort besser als Nachwort zu lesen. Meiner Meinung nach wird hier bereits zu viel verraten. Obwohl die Geschichte grausam ist, hing ich wie gebannt an seinen Worten. Hat man einmal angefangen, kann man sich dem Sog kaum entziehen. Man möchte sich wehren, den Worten entkommen und kann doch nicht wegsehen.

Ruth Chandler lebt mit ihren drei Söhnen in einer kleinen amerikanischen Vorstadt. Bei den  Nachbarskindern ist Ruth sehr beliebt, denn sie ist immer nett und es gibt Bier und Dinge, die zu Hause nicht erlaubt sind. Auch David von nebenan ist oft Gast im Haus. Als Ruth beginnt Meg zu misshandeln, treibt sie auch ihre Söhne dazu an sich zu beteiligen und am Ende machen sogar die Nachbarskinder mit. Auch David kann sich den Grausamkeiten nicht entziehen, obwohl er weiß, dass das eigentlich nicht richtig ist.

Dieses Buch strotzt nicht vor Spannung, denn im Prinzip weiß man, was passiert. Dieses Buch ist auch kein Thriller. Dieses Buch ist einfach eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht und damit alleine grausam, abartig und pervers genug ist. Zu wissen, zu welchen grauenvollen Taten Menschen fähig sind, ist bedrückend und sicher auch Angst einflößend.

Ich bin jemand, der auch mitten in der Nacht allein einen Horrorfilm schauen kann. Ich kann grausame Szenen sehen und bestimmt auch lesen und in der Regel lasse ich mich nicht so leicht von etwas abschrecken. Hier aber musste ich zum Ende hin tatsächlich Pausen einlegen, die gelesenen Worte verdauen, kurz abwarten, um überhaupt erst weiterzulesen.

Jack Ketchum hat mit Meg und Susan zwei wunderbare Mädchen erschaffen, mit denen der Leser sofort sympathisiert. Besonders Meg ist mir ans Herz gewachsen und so grenzt es an psychische Folter, wenn man liest, was diesem Mädchen angetan wird. Diese Geschichte ist die reale Geschichte von nebenan, so kann sie überall auf der Welt passieren und so ist sie passiert. Genau das ist der Punkt, der am meisten schockt und an den Nerven zehrt. Für manche Menschen gibt es keine Grenze und alles, was denkbar ist, ist auch möglich.

Ich liebe Thriller, ich liebe Horror und ich habe nichts gegen Grausamkeiten, aber trotzdem ist "Evil" das erste Buch, das mich wirklich bis ins Mark getroffen hat. Hier stimmt es also absolut, wenn ich sage, dass das Buch sicherlich nicht für jeden geeignet ist. Es zerrt an den Nerven, wühlt auf, schockt, ist grausam, abartig und pervers und damit nur für Leser mit starken Nerven.

Fazit

Ein schockierender, grausamer und abartiger Horrorthriller, der den Leser aufgewühlt zurücklässt und wirklich nur für ganz starke Nerven geeignet ist. Jack Ketchum ist ein Meister seines Genres und schreibt Geschichten, deren Sog man sich nicht entziehen kann. Er nimmt den Leser mit seinen Worten gefangen und damit direkt mit in die Hölle.

5/5 Punkten

Kommentare:

  1. "Evil" ist ganz schön harter Tobak! Jack Ketchum ist eindeutig ein guter Vertreter seines Genres!

    Liebste Grüße,
    Kasia

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  2. Gar nichts für mich, deine Bewertung habe ich trotzdem ganz gerne gelesen. :)
    Lg, Lara

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  3. Huhu Petzi,
    dann hast du "Evil" also nun doch endlich gelesen!
    Wie ich dir bereits schon mal geschrieben habe, habe ich die Tatsache, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht ausgeblendet! Aus diesem Grund musste ich das Buch wahrscheinlich auch nie weglegen und habe es innerhalb eines Tages gelesen! Kann allerdings deine Empfindungen absolut nachvollziehen!
    Viele Grüße
    Steffi

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  4. Okay, wenn dieses Buch Petzi so umhaut, MUSS ich es sofort lesen! Bin gespannt, ob es mich auch so schockieren kann wie dich. Denn da bin ich ja ähnlich abgehärtet wie du.
    Ab auf die Leseliste damit!
    Danke für die tolle Rezension und ein schönes Wochenende dir! Ganz liebe Grüße, Iris

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  5. Hi,
    also erstmal: toller Blog :-) Ich habe nur den Film gesehen, ich wusste auch gar nicht, dass es ein Buch dazu gibt. Ich wusste nur, dass es sich beim Film um eine wahre Geschichte handelt. Beim Film war ich schon völlig angespannt und sauer.. sollte ich das Buch auch noch lesen?

    Beste Grüße
    Micha

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  6. Huhu,

    ich habe dieses Buch auch vor paar Monaten gelesen und es ist schön auch mal die Meinung vom jemandem anderen zu hören.
    Ich muss sagen ich hatte das Buch relativ schnell durch und musste es nie zur Seite legen oder irgendwas verdauen. Aber ich glaube das liegt nur daran, dass ich nicht zugelassen habe, wirklich drüber nach zudenken, dass es eine wahre Begebenheit ist. Das sowas wirklich irgendwo passiert sein soll...schrecklick...tum di dum nicht drüber nach denken.

    Aber es war wirklich eine gute Abwechslung und ich bin froh endlich mal was von Jack Ketchum gelesen haben, den vorher kannte ich den Autor gar nicht, obwohl er wohl sehr berühmt zu sein scheint.

    Liebe Grüße
    Alina

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