Rezension: "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" von A. J. Betts

05 Oktober 2014 | 3 Kommentare

Zum Buch

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe von A. J. Betts - Fischer KJB - 331 Seiten - ISBN 978-3-596-85661-9 - Hardcover - 14,99 Euro - bei ocelot kaufen

Inhalt

Nach einer Knochenmarkstransplantation steht Zac unter Quarantäne. Er darf sein Krankenhauszimmer nicht verlassen, kein anderer als seine Mutter und das medizinische Personal, darf zu ihm. Mia dagegen hat einen Tumor im Fuß und ist wütend auf das Leben und jeden, der ihr zu Nahe kommt. Normalerweise hätten sie sich nie getroffen, aber im Krankenhaus gelten andere Regeln. Man braucht Kraft, um diese schwere Zeit durchzustehen. Und irgendwann braucht Mia Zac und andersherum auch Zac Mia.

Meine Meinung

Schon wieder eines dieser "Krebsbücher" mag man jetzt vielleicht denken. Manchen werden unbewusst an "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" denken und dieser Vergleich wird kommen, weshalb auch ich näher darauf eingehen werde. Doch in aller erster Linie ist "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe" ein schönes Buch, in deren Geschichte man abtauchen wird.

Zac leidet an Leukämie, liegt seit Wochen in einem Krankenzimmer, das er nicht verlassen darf. Es gibt hier nichts und wegen der Ansteckungsgefahr darf auch kein Besuch empfangen werden. Eines Tages aber zieht im Zimmer nebenan ein Mädchen ein - Mia. Sie kann die Krankheit nicht so leicht hinnehmen, sie wehrt sich, schreit, schimpft und ist im tiefsten Inneren einfach nur verzweifelt. Obwohl ihre Überlebenschancen relativ hoch sind, kann sie die Krankheit nicht akzeptieren und stellt sich immer nur die eine Frage: Warum ausgerechnet ich?

"Leider kann ich nicht einfach aufstehen, das Zimmer verlassen und mich in eine ruhige Besenkammer flüchten. Dank des Protokolls für Knochenmarktransplantierte sitze ich in diesem vier mal fünf Meter großen Raum fest. Zwanzig Tage habe ich geschafft, fünfzehn liegen noch vor mir..." S. 21

Die Geschichte besteht aus unterschiedlichen Erzählsträngen. Zu Beginn wird aus der Sicht von Zac erzählt, während sich die Erzählungen im Mittelteil zwischen den beiden abwechseln und zum Ende hin nur noch aus der Sicht von Mia geschrieben wurden. Die Autorin hat es geschafft, mich bereits nach wenigen Seiten an dieses Buch zu fesseln, obwohl ich eigentlich das Gegenteil erwartet habe. Dieses "Schon wieder ein Krebsbuch" war genau meine Meinung und ich habe deshalb gar nicht erst zu viel erwartet. A.J. Betts schafft es jedoch, eine starke Handlung zu konstruieren, die den Leser mit ins Krankenzimmer nimmt, die Verzweiflung der Protagonisten spüren lässt und einem wieder einmal bewusst macht, was für eine blöde Krankheit dieser Krebs ist. 

Zac war mir als Protagonist sympathischer als Mia, was mitunter vielleicht daran lag, dass ich Mia als stark zickig empfand. Sie war mir immer eine Spur zu überheblich, zu eingebildet, zu selbstverliebt. Während Zac mit dem schlimmeren Schicksal gekämpft hat, war immer nur bei ihr alles schlecht. Natürlich ist es aber auch schwer einschätzbar, wie man selbst in so einer Situation reagieren würde.

Muss man dieses Buch jetzt also mit John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" vergleichen, dann wird man feststellen, dass sich beide Bücher eigentlich kaum ähneln. Ja, es geht auch hier um Krebs und um zwei Jugendliche. Dennoch ist diese Geschichte ein Stück weit ernster, die Krankheit an sich mehr im Fokus. Das liegt schon allein daran, dass ein Großteil der Handlung auch im Krankenhaus spielt und man so immer direkt mit der Krankheit an sich konfrontiert wird. Wenn man diesbezüglich negative Erfahrungen hat oder solche Geschichten allgemein schwer verdauen kann, rate ich von der Geschichte auch grundsätzlich ab. 

A.J. Betts, die als Englischlehrerin selbst im Krankenhaus gearbeitet hat, schrieb hier ein sehr authentisches und gefühlvolles Buch, welches mich auch sprachlich überzeugen konnte. Zusammenfassend ein guter Roman, in dem sich zwei Jugendliche mit ihrer Krankheit beschäftigen und lernen müssen, mit ihrer Situation zu leben. Trotz kleiner Schwächen lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall.

Fazit

Ein berührender und authentischer Roman über eine schwere Krankheit von zwei Jugendlichen, die beide auf ihre Art lernen müssen, damit umzugehen. Ein ernsteres Buch zum Thema, das bestimmt nicht alle Leser kalt lassen wird. Trotz kleiner Schwächen lohnt sich die Lektüre aber auf jeden Fall.

4/5 Punkten

Kommentare:

  1. Noch eine tolle Rezension, meine Wunschliste wächst weiter...
    Eigentlich bin ich für solche Bücher nicht gemacht, ich bin so dermaßen Harmonie-Süchtig... Manchmal vertrag ich traurige Themen dann aber doch gut, für einen solchen Fall kommt das Buch dann mal auf die Wunschliste :D
    "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" habe ich noch nicht gelesen, kann also auch keine Vergleiche ziehen. Was vielleicht gut ist. Seltsamerweise reizt mich dieses Buch auch gar nicht, anders als "Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe".

    Grüße :)

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  2. Ich überlege schon länger, ob ich mir dieses Buch zulegen soll... das einzige, was mich immer wieder davon abhält ist eben dieses Argument "noch eine Krebs-Geschichte".

    Liebe Grüße,
    Celly von I date books

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  3. Ich habe das Buch für meinen Sohn ausgeliehen und dann auch selber gelesen und es hat mich sehr gut gefallen. Als Mutter fand ich Zacs Bemerkungen zu seiner Mutter manchmal ganz schön hart. Er kam mir Krebspatient sehr mutig und geduldig, auch sehr stark vor. Mia fand ich trotz ihres trotzigen Charakters sehr rührend. Die Geschichte mit den Postkarten fand ich sehr niedlich und auch die Art und Weise, wie Mia schließlich dahinter kommt. Am Ende ist sie die Stärkere und gibt Zac das zurück, was er ihr am Anfang geschenkt hat und das hat er auch verdient.

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