Rezension: "Engelsschmerz" von Anna Martens

22 November 2014 | 2 Kommentare

Zum Buch

Engelsschmerz von Anna Martens - Midnight by Ullstein - 320 Seiten - ISBN 9783958190177 - E-Book - 3,99 Euro

Inhalt

Jule, die in München lebt, ist spurlos verschwunden. Ihre Mutter ist überzeugt davon, dass die Studentin nicht verreist oder gar durchgebrannt ist, sondern sich in großer Gefahr befindet. Alarmiert reist sie nach München und findet eine seit Wochen verwaiste Wohnung vor. Doch die Polizei nimmt ihre Bedenken nicht ernst – außer Kommissarin Annette Kirchgessner, die schon immer einen Riecher für besondere Fälle hatte. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Georg „Gigi“ Gruber ermittelt sie auf eigene Faust. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Werden sie Jule rechtzeitig finden? 

Meine Meinung

Man könnte mich jetzt für verrückt halten, aber eigentlich liebe ich es, einen Verriss zu schreiben. Wieso? Weil ich meistens viel besser ausdrücken kann, was mir nicht gefallen hat, als zu betonen, was mir besonders gefallen hat. Ein Moment, in dem ein Verriss aber weniger Spaß macht, ist dann, wenn es um ein Buch geht, dessen Autor man persönlich kennt und schätzt. Dennoch bleibt ein schlechtes Buch, eben ein schlechtes Buch. Dabei muss man natürlich beachten, dass schlecht immer im Auge des Betrachters liegt.

Anna Martens legt mit "Engelsschmerz" ihren ersten Thriller für Erwachsene vor. Als jemand der schon viele Thriller gelesen hat, geht man natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an die Geschichte ran. Doch bereits nach wenigen Seiten hatte ich die Ahnung, dass dieses Buch und ich keine Freunde werden würden. Woran lag das?

Zuerst einmal ist die Geschichte nicht wirklich neu. Natürlich kann ein Autor das Rad nicht neu erfinden und wahrscheinlich kommen gerade im Thrillerbereich viele Wiederholungen vor und manches hat man so oder so ähnlich schon gelesen. Aber eine vermisste Frau, eine besorgte Mutter und zwei Kommissare, die auf eigene Faust ermitteln, sind leider überhaupt nicht spektakulär. Es ist hier einfach alles sehr stereotyp, langweilig und kaum spannend. Man verliert sich schnell in den Seiten und hat das Gefühl auf der Stelle zu treten. Wirkliche Spannung und Nervenkitzel kam bei mir zu keiner Zeit auf. Ein Punkt, der bei einem Thriller natürlich fatal ist.

Das größte Manko waren allerdings die Charaktere. Wenn man als Leser wirklich überhaupt keine Person hat, mit der man sympathisieren kann und alle Protagonisten blass und langweilig bleiben, dann ist ein Buch eigentlich bereits zum Scheitern verurteilt. Jule ist dabei ein besonderes Beispiel. [Achtung: Eventuell Spoilergefahr] Eine junge Studentin, die dermaßen zurückgezogen lebt, keine Freunde hat, keinen PC, angeblich etwas gegen das Internet und natürlich eben genau dort einen Mann findet, mit dem sie sich blauäugig trifft, ohne überhaupt irgendjemandem Bescheid zu geben. Dann gäbe es da noch die zwei Kommissare, die eine Arbeit abliefern, die mit Polizeiarbeit wenig am Hut hat und mir damit erst recht nicht sympathisch werden. Offiziell wird hier überhaupt nicht ermittelt, aber der inoffizielle Weg ist nicht wirklich besser. Irgendwann hat dann auch der große Zufall seine Rolle und plötzlich ist das Rätsel gelöst.

Die Passagen, in denen der Täter zu Wort kommt, haben mir ebenfalls nicht gefallen. Man erfährt hier nirgends näher, was für ein Mann sich dahinter versteckt. Was treibt ihn an? Warum tut er das? Wer ist er? Auch das abrupte Ende des Buches hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen, weil man doch gerne noch etwas mehr zu den Hintergründen des Ganzen erfahren will.

Einzig gut durchdacht und ausgearbeitet waren die Gedanken von Jule während der Entführung. Wie denkt ein Mensch, wenn er dem Tod in die Augen schaut? Was tut man, wenn man tagelang kein Essen und kein Trinken bekommt? Diese Situationen konnte ich mir hier genauso vorstellen und waren einem Thriller durchaus würdig.

Fazit

Insgesamt konnte man das Buch durchaus lesen, aber wenn man eben gerne und viele Thriller liest, dann wird man bereits nach den ersten Seiten nicht wirklich begeistert sein. Leider zurecht. Wichtige Grundpfeiler eines guten Thrillers fehlen hier einfach gänzlich. Eine platte, unspektakuläre Story, blasse und unsympathische Protagonisten, fehlende Spannung und ein vorhersehbares Ende ergeben zusammen einfach keinen guten Thriller. Damit, so leid es mir auch tut, kann ich dieses Buch einfach nicht empfehlen.

2/5 Punkten

Kommentare:

  1. Danke für die Kritik. Bei dem Cover und dem Inhalt hätte ich nämlich durchaus zugegriffen ;)

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  2. Ich finde es gut, dass es auch mal schlechte Rezensionen gibt. Das trauen sich nur leider nicht viele. Aber so ein differenziertes Bild, wie du es hier gibst, ist doch auch sehr hilfreich und wertvoll.

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