Von Zielen und Vorsätzen und warum die manchmal gar nicht so wichtig sind

09 Dezember 2014 | 7 Kommentare

Die gestrige Montagsfrage von Libromanie hat mich spontan zu diesem Post inspiriert und in der Zwischenzeit haben mehrere Blogger interessante Meinungen dazu verbloggt. Beispielsweise Stefanie Leo von Bücherkinder, deren Post dazu unbedingt lesenswert ist. 

Nina von Libromanie frägt: 'Habt ihr eure Leseziele für 2014 erreicht?'. Diese Frage hat mich bereits gestern Morgen in der Bahn beschäftigt und mich dazu inspiriert erste Notizen zu sammeln. Für mich ist diese Frage heute nicht nur eine Montagsfrage, sondern noch ein kleines Stück mehr. Die perfekte Gelegenheit um sich näher darüber Gedanken zu machen. 

Vorsätze sind ja immer so eine Sache. Jedes Jahr stelle ich mir wieder neue, weil ich es spannend finde, ob ich sie am Ende erreiche. Für mein Lesejahr war der Vorsatz mindestens 100 Bücher zu lesen, mindestens eine Challenge zu schaffen und immer noch Spaß am Bloggen zu haben. 100 Bücher wahrscheinlich deshalb, weil das im Bereich des möglichen liegt und die Zahl zumindest schon drei Stellen hat. Das sieht gut aus. Dass sich 'Spaß am Bloggen haben' und 'mindestens 100 Bücher lesen' gegenseitig im Weg stehen, habe ich schnell gemerkt. Wenn du einen Wettkampf mit dir selbst ausrichtest, immer schneller und immer mehr willst und dich unter Druck setzt, dann bleibt der Spaß ganz schnell auf der Strecke. 

Das Jahr neigt sich jetzt langsam dem Ende zu und deshalb ist es der ideale Moment, sich damit näher zu beschäftigen und, intensiv darüber nachzudenken. 

Ich habe keine 100 Bücher gelesen, weil es viele Momente gab, in denen mich die Leseflaute erwischt hat, ein Buch doch mal länger dauerte oder ich einfach keine Zeit hatte, ein Buch zu lesen. Ich werde dieses Jahr auch keine 100 Bücher mehr schaffen, mit viel Glück werden es knapp an die 75 werden und auch das ist viel. Viel mehr, als manch anderer schafft und viel mehr, als ich in manch anderen Jahren geschafft habe.

Ich habe dieses Jahr keine einzige Challenge bestanden oder gar komplett beendet, weil ich irgendwann einfach keine Lust mehr hatte. Warum sollte ich meine Zeit in Bücher investieren, auf die ich einfach keine Lust habe, nur um einem Challengeziel näher zu kommen? Wenn man genau darüber nachdenkt, dann ist das einfach völlig absurd. Früher habe ich auch gelesen, was ich wollte, wann ich wollte, wie oft ich wollte. Ich habe mir keine Fristen gesetzt, keine Ziele gelegt, keinen Druck gemacht. Warum jetzt?

Sicherlich beschäftigt man sich als Blogger viel mehr mit Büchern, als man es als 'einfacher' Leser tut. Ich durchforste Verlagsvorschauen, recherchiere viel intensiver und lasse meine Wunschliste kontinuierlich wachsen. Es gibt so viele Bücher, die ich lesen möchte und die ich niemals lesen kann. Aber man setzt sich auch dem Druck aus, dass man scheinbar ständig posten sollte, um aktuell zu bleiben, um gelesen zu werden, um dem Leser etwas bieten zu können. Alles völliger Quatsch

Ich habe meine Vorsätze nicht erreicht und finde das gar nicht wirklich tragisch. Ob man letzten Endes 75 oder eben 100 Bücher gelesen hat, sollte nicht entscheidend sein. Wichtiger ist es Bücher zu genießen, in die Geschichten einzutauchen und dafür kann man sich auch mal Zeit lassen, wenn das Buch diese Zeit erfordert. Und hey, ich habe ganz nebenbei noch einen Vollzeitjob, viele andere Interessen und bin eben keine Maschine. Wenn man sich das Mal bewusst macht, dann wird es plötzlich viel lockerer. 

Die Sache mit den Challenges lasse ich seit Mitte des Jahres sein. Ich habe genug Aufgaben und Verpflichtungen, da will ich zumindest beim Lesen richtig frei sein und nicht vorgeschrieben bekommen, was als Nächstes gelesen wird. 

Meine Ziele habe ich also nicht erreicht, dafür aber so viele Punkte, die ich mir nicht vorgenommen habe und die tausend Mal besser und wichtiger sind. Den Austausch mit so vielen tollen Buchmenschen, eine grandiose Buchmesse, so viele Ideen und Inspirationen, die dir zufliegen, wenn du mit Spaß bei der Sache bist, ganz viel Feedback auf allen Kanälen, Hunderte tolle Mails, eine wunderbare Twitter-Timeline und immer noch unglaublich viel Liebe zu den Büchern

Wenn eure Vorsätze also auch nur Vorsätze bleiben, dann seht es einfach mal locker. Es gibt Wichtigeres, als eine Bestenliste von gelesenen Büchern, abgebauten SuBs oder sonstigen Challenges. Macht das was ihr wollt, macht es, wann ihr wollt und macht euch keinen Kopf dabei. Es ist euer Blog und eure Party. Oder was meint ihr?

Kommentare:

  1. Hallo Petzi,

    ich finde du hast genau die richtigen Worte getroffen und ich finde diesen Artikel echt toll.

    Um die Challenges kümmere ich mich seit paar Monaten auch schon nicht mehr, weil ich auch lieber das lesen will, worauf ich gerade Lust habe und nicht weil eine Challenge es mir gerade "vorschreibt" :) Und ich finde es auch nicht schlimm, wenn ich mein Jahresziel an gelesenen Büchern nicht erreicht hat, denn du hast vollkommen recht: Man geht eben auch noch arbeiten und hat einige andere Interessen.

    Von daher sehe ich das mit den Vorsätzen auch etwas lockerer und mache auch nicht mehr all zu viel Stress.

    Liebe Grüße Ela

    AntwortenLöschen
  2. Genau so ist es!
    Danke für den ausführlichen Beitrag.
    Steffi

    AntwortenLöschen
  3. Solange man es aus Spaß an der Freude macht, kann man ja Listen führen, Challenges bestreiten und Seiten zählen. Wenn man sich aber davon unter Druck setzen lässt, ist das wohl nicht das richtige. Und der Wettbewerbsgedanke drängelt sich vom beruflichen auch immer mehr ins private und dann wohl auch in die Freizeitgestaltung. Leistungssport "Lesen"? Nee, das muss doch nicht sein. Ich habe zum Beispiel gerade Freude daran, dass ich im November das erste Mal in meinem Leben mehr als 100 Bücher in einem Jahr gelesen habe. Ich freue mich aber nicht, weil ich ein gestecktes Zeil erreicht habe, sondern einfach mal es mir unglaublich verblüffend vorkommt, wie ein Kind, dass zum ersten Mal bewusst Schnee sieht! :) Würde ich mich ärgern, wenn es weniger wären? Nein, warum auch, dafür gibt es doch keinen Grund.

    Also in diesem Sinne, keep calm and read a book. ;D

    PS: Und zum Thema Challenges habe ich in diesem Jahr einiges gelernt, ich bin wohl definitiv nicht der Typ für soetwas! :D

    AntwortenLöschen
  4. Hallöchen Petzi <3
    ein wirklich wunderbarer Beitrag! Ich habe zwar mein Leseziel erreicht, aber wir müssen natürlich dabei bedenken, dass ich ja nur halbtags arbeite ;) ! Nicht wahr?
    Genau aus dem gleichen Grund, den du genannt hast, habe ich bisher bei noch keiner einzigen Challenge teilgenommen. Nächstes Jahr werde ich es das erste Mal machen, aber auch nur, weil ich mich dabei nicht verstellen muss. Es geht um die Knaur Challenge. Ich lese sowieso unglaublich viele Bücher aus diesem Verlag, von daher dürfte das für mich ein Klaks sein. Aber egal. Ich denke auch man darf sich nicht immer so viel unter Druck setzen, ich merke das auch an mir. Nächstes Jahr werde ich es alles ein bisschen lockerer angehen.
    Schöner Beitrag, wirklich.

    Liebst, Lotta

    AntwortenLöschen
  5. Schöne Worte. Ich gebe mir in Sachen Bloggen momentan wenig Ziele vor und auch die Challenges haben sich bei mir deutlich verringert. Da verliert man einfach so schnell den Überblick und auch den Spaß. Aber auch im privaten Leben hasse ich es mir Ziele setzen zu müssen, fühle mich dann zu stark unter Druck gesetzt und bekomme rein gar nichts auf die Reihe :D

    LG, Sandrina

    AntwortenLöschen
  6. Ein ganz toller Beitrag, den ich genauso unterschreiben kann.

    Klar führe auch ich Listen und habe eine Statistik, in der ich neue und gelesene Bücher aufführe, genauso freue ich mich, wenn ich viel zum Lesen komme und auch mein Lese"ziel" erreiche - aber die Statistiken, Listen, etc. dienen für mich eigentlich nur dazu, den Überblick nicht zu verlieren. Mich davon stressen zu lassen, käme nie in Frage.

    Da ich meine Bücher auch nur nach Lust und Laune lese, habe ich dieses Jahr an fast keiner Challenge teilgenommen - angemeldet, ja, aber da ich es hasse, mir vorschreiben zu lassen was ich lesen soll, sind betreffende Challenges lediglich eine nicht beachtete Seite auf dem Blog.

    Ich glaube, die "wahren" Leser und Blogger lassen sich bei so etwas eh nicht einreden und befolgen genau das Schema, wie du es oben beschreibst. Und für gar nicht Lesende sind 75 Bücher schon unglaublich viel! ;-)

    Liebe Grüße,
    Jess

    AntwortenLöschen
  7. Ich muss da meinen Vorredner(Innen) Recht geben. Habe das ja bei meienr Antwort der Montagsfrage gestern auch festgestellt. Mein Ziel habe ich mit Abstand nicht erreicht, so what... Klar, irgendwie schade, aber das leben ist zu kurz und zu schön, um sich nur mit Büchern rumzuschlagen. Lesen soll und muss auch weiterhin Spaß machen, da soll der Blog mal Pause haben, wenn man genervt ist.
    Triffst auf jeden Fall voll und ganz meine Meinung :)

    Liebe Grüße

    Philip

    AntwortenLöschen