Rezension: "Mörderkind" von Inge Löhnig

14 Januar 2015 | 4 Kommentare

Zum Buch

Mörderkind von Inge Löhnig - List Taschenbuch - 464 Seiten - ISBN 9783548612263 - Taschenbuch - 9,99 Euro - bei glatteis kaufen 

Inhalt

Ihr ganzes Leben lang war Fiona nur das Mörderkind und ihre Kindheit ein Albtraum. Ihr Vater saß fünfzehn Jahre im Gefängnis und ließ seine Tochter im Stich. Jahrelang beteuerte er seine Unschuld, doch niemand glaubte ihm. Jetzt ist ihr Vater tot und seine letzten Worte galten seiner Tochter: "Ich bin kein Mörder". Nur widerstrebend macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit und beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei stößt sie auf böse Intrigen und große Geheimnisse, deren Gift bis heute wirken ...

Meine Meinung

Inge Löhnig ist eine Meisterin ihres Genres. Das merkt man bei jedem ihrer Dühnfort-Krimis, bei denen sie von Band zu Band immer besser wird und das merkt man auch ganz besonders an diesem Buch. Manche mögen vielleicht enttäuscht sein, weil 'Mörderkind' etwas vollkommen anderes ist, als man von der Autorin gewohnt ist. Aber genau das macht einen guten Autor aus. Sein gewohntes Umfeld verlassen und sich auf etwas ganz anderes einlassen zu können.

'Mörderkind' ist nicht unbedingt ein Krimi im klassischen Sinn. Der Ermittler spielt hier keine übergeordnete Rolle. Vielmehr steht die junge Fiona Jacoby im Fokus einer tragischen Familiengeschichte, die einige Jahr zurückreicht und jedem Familienmitglied auf seine Weise großen Schaden zugefügt hat.

Inge Löhnig wechselt in ihrer Erzählung zwischen den aktuellen Geschehnissen und den damaligen Vorfällen vor fünfzehn Jahren. Wie kam es zur Mordanklage? Was passierte in der damaligen Nacht? Der Leser wird Stück für Stück in die Geschichte befördert und folgt gebannt ihren Erzählungen, sodass es fast unmöglich ist, dieses Buch zur Seite zu legen. Obwohl der Leser bald erfährt, was damals wirklich geschehen ist und wer tatsächlich hinter dem Mord steckt, tut das der Spannung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Ich habe die letzten dreihundert Seiten in einem Stück gelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es denn nun endet. Der fesselnde Schreibstil der Autorin tut hier natürlich sein Übriges.

Fiona Jacoby, die Tochter des verurteilten Mörders, steht eindeutig im Mittelpunkt der ganzen Erzählung. Sie ist es, die in ihrer Kindheit als Mörderkind gebrandmarkt wurde und sie ist es auch, die später von ihrem Vater nichts mehr wissen möchte. Trotzdem gelten seine letzten Worte vor seinem Tod ihr, in der Hoffnung, dass sie ihm endlich verzeihen kann und Glauben schenkt. Zu Beginn fällt es ihr schwer, doch als sie die ersten Nachforschungen anstellt, ist sie immer mehr von der Unschuld ihres Vaters überzeugt. Der Autorin ist mit Fiona eine interessante Person gelungen, denn zu Beginn hegt man nicht unbedingt viel Sympathie mit ihr. Sie ist sehr misstrauisch, rechthaberisch und macht auch sonst einen eher mürrischen Eindruck. Doch Stück für Stück stellt sich genau heraus, weshalb das so ist und man beginnt, sie zu verstehen und ihrem Weg zu folgen. Man muss ihr Verhalten nicht gut finden, aber keine andere Person hätte zu dieser Geschichte gepasst. Fiona ist der perfekte Charakter, der dieses Buch mitunter so lesenswert macht.

Hass und Eifersucht sind zwei starke Gefühle, die nicht immer das Beste im Menschen wecken. Dies darzustellen, ist der Autorin auf wunderbare Weise gelungen. Mit 'Mörderkind' hat sie einen starken Krimi abgeliefert, der vielmehr eine tragische Familiengeschichte ist und mich dadurch umso mehr überzeugt hat.

Fazit

'Mörderkind' ist ein gut durchdachter Krimi, der mit seiner psychologischen Raffinesse, seinen starken Charakteren und der interessanten Erzählweise überzeugt und mich bis zur letzten Seite gefesselt hat. Für Fans von Krimis und Inge Löhnig auf jeden Fall eine Empfehlung.

5/5 Punkten

Kommentare:

  1. Huhu Petzi,

    irgenwie weiß ich gerade nicht, wie ich das finden soll, da ich von "Familiengeschichten" derzeit echt die Nase voll habe! Klingt aber trotzdem sehr interessant und vielleicht wird es ja die erste Familientragödie, die mir zusagt!
    Von Inge Löhnig habe ich noch nichts gelesen und da Mörderkind ein Einzelband ist, dachte ich teste sie hier mal an! Vielen Dank aber für den Tipp, dass Mörderkind mit ihren anderen Werken nicht zu vergleichen ist!
    Hab noch einen schönen Abend!
    Liebe Grüße
    Steffi

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  2. Hallo Petzi,

    deine Rezension macht richtig Lust dieses Buch zu lesen, würde es nicht schon auf meiner Wunschliste stehen. Täte es jetzt garantiert.
    Einen schönen Abend dir :)
    Liebe Grüße
    Corinna

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  3. Hallöchen Petzi,
    Ich bin zwar nicht so der Krimifan, aber trotzdem lese ich manchmal den einen oder anderen, so als Abwechslung. Ich werde mir das Buch auf jeden Fall mal merken. Vor allem weil der Fokus nicht so auf den Ermittlern liegt. Das ist meist das, was mir so auf den Geist geht. Außer bei den Hamburg Krimis von Simone Buchholz, die finde ich ja wirklich genial. :D

    Liebst, Lotta

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  4. WOW, eine tolle und sehr begeisterte Rezension, der ich mich nur anschließen kann!! :)

    Liebe Grüße,
    Ramona

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