Rezension: "34 Meter über dem Meer" von Annika Reich

14 Februar 2015 | 2 Kommentare

Zum Buch

34 Meter über dem Meer von Annika Reich - Hanser - 272 Seiten - ISBN 978-3-446-23863-3 - Hardcover - 18,90 Euro - bei ocelot kaufen

Inhalt

Ella und Horowitz könnten nicht unterschiedlicher sein: Ella ist jung und verträumt und startet gerade in ihrem ersten Job bei einem Radiosender. Sie hat sich zum ersten Mal verliebt - in Paul. Horowitz ist alt und schrullig und ein gescheiterter Meeresforscher. Doch es gibt etwas, was die beiden verbindet: Sie wünschen sich ein anderes Leben. Über eine merkwürdige Annonce treffen sie aufeinander: "6-Zimmer-Wohnung in Berlin-Charlottenburg zu tauschen gegen 2/3-Zimmer." Ella geht auf das Angebot ein. Zögerlich beginnt sie, auch Paul in ihre Nähe zu lassen. Annika Reich erzählt mit Witz und Melancholie, mit Intelligenz und Intensität von der Unmöglichkeit, ein authentisches Leben zu führen.

Meine Meinung

Wenn ich zu Beginn einer Rezension sprachlos bin, dann ist das primär ja eigentlich immer schlecht. Es gibt allerdings solche Bücher, die fast unmöglich zu rezensieren sind. So großartig, so brillant findet man sie und so wenig kann man es in Worte fassen, um dem Werk wirklich gerecht zu werden. '34 Meter über dem Meer' von Annika Reich ist gewiss eines von diesen Büchern. Wenn ich jetzt also sage, ihr sollt dieses Buch lesen, dann ist damit eigentlich schon genüge getan. Denn dieses Buch ist eben großartig und mehr kann man eigentlich auch gar nicht dazu sagen. Für jedem, dem das noch nicht reicht, versuche ich jetzt aber ein bisschen ausufernder zu erzählen.

Die Geschichte dreht sich hier um Ella und Horowitz. Ella ist eine junge Frau, die gerade ihren ersten Job in einem Radiosender ergattert hat und sich bereits sehr auf die Stelle freut. Dann findet sie eine Annonce, in der jemand seine große 6-Zimmer-Wohnung in Berlin-Charlottenburg tauschen möchte. Ella überlegt nicht lange und geht auf das Angebot ein. Dabei begegnet sie Horowitz. Einem alternden Meeresbiologen, der unglücklich mit seiner Wohnung und seinem Leben ist. Einem Meeresbiologen, der selbst noch nie am Meer war. Horowitz plant, aus seinem Leben auszubrechen.

'Das Meer', Horowitz dachte nach: 'beinhaltet alles, was mich je fasziniert hat: die Unendlichkeit, die Tiefe, das Geheimnis und das Fernweh. Und jedes Meer hat seinen eigenen Charakter.'

Auf eine liebevolle Art, in einer sehr leichten und klaren Sprache erzählt Annika Reich von Ella und Horowitz und der Suche nach einem Sinn im Leben. Dazwischen gibt es aber auch noch Ellas Schwester Jasmin, ihren Freund Paul, ihre Mutter Sibylle und dann ist da noch Natalia, die bei einem Verkehrsunfall auf Ellas Füßen landet.

Wenn man dieses Buch liest, dann würde man am liebsten alle Stellen markieren. Es enthält so viele wunderbare Sätze und Worte, dass man gar nicht aufhören möchte, es zu lesen. Es ist ein kleines bisschen verspielt, manchmal vielleicht auch seltsam und doch auch so nah an der Realität. Die Protagonisten machen es aber erst zu dem, was es am Ende auch ist. Ella ist eine kleine Träumerin, mit der ich mich selbst ganz oft identifizieren konnte. Wahrscheinlich geht es da auch vielen anderen genauso. Sie scheint manchmal sehr naiv und ist gleichzeitig auch sehr liebenswürdig. Horowitz dagegen scheint ein einsamer, alter Mann zu sein. Jemand, der hoffnungslos der Zukunft entgegen blickt und an seinem Leben zu verzweifeln scheint. Im Lauf der Geschichte begeht er jedoch die größte Wandlung. Vor der Tür seiner neuen Wohnung begegnet er Ellas Mutter Sibylle und verliebt sich sofort. Sein bisheriges Leben war immer dem Meer gewidmet, durch Sibylle lernt er allerdings, endlich loszulassen und frei zu sein.

Annika Reich zeigt anhand Ella und Horowitz, dass es sich manchmal lohnen kann, aus seinem Alltag auszubrechen und man auch scheinbar ausweglosen Situationen entfliehen kann. Damit wird der Leser zwangsläufig auch dazu gezwungen, über sein eigenes Leben nachzudenken. Das große Schreibtalent der Autorin macht dieses Buch damit zu einem wahren Genuss und einem Werk, das man unbedingt gelesen haben sollte.

Fazit

'34 Meter über dem Meer' ist eine faszinierende Geschichte von zwei Menschen, die aus ihrem Alltag ausbrechen und ihr Leben damit grundlegend ändern. Eine zartes und leises Buch, voller schöner Sätze und Worte, die man förmlich in sich aufsaugt und das man so schnell nicht vergessen wird.

5/5 Punkten

Kommentare:

  1. Schön :) Danke, das möchte ich auch lesen.
    Lg Lara

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  2. Oh, das Buch klingt toll. Ich glaube, wenn ich Meeresforscher wäre, wäre ich auch ein Meeresforscher, der nie am Meer war.
    Das Buch landet gleich auf der Merkliste.

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