Rezension: "Die Falle" von Melanie Raabe

29 März 2015 | 8 Kommentare
Die erfolgreiche und bekannte Romanautorin Linda Conrads ist Fans und der Presse ein großes Rätsel. Seit über zehn Jahren hat sie ihr Haus am Starnberger See nicht mehr verlassen, gibt keine Interviews und hält keine Lesung. Trotz oder gerade deswegen ist sie höchst erfolgreich. Nur wenige wissen, dass sie eine schreckliche Erinnerung aus der Vergangenheit quält. Ihre jüngere Schwester Anna wurde vor vielen Jahren ermordet und Linda hat den Täter flüchten sehen. Das Gesicht des Mörders bleibt ihr unvergessen und umso größer ist der Schock, als sie genau dieses im Fernseher sieht. Linda schmiedet einen perfiden Plan und will den Mörder in die Falle locken. Doch was ist damals in der besagten Nacht tatsächlich passiert?

Spannungsgeladener Roman

Diesen Debütroman von Melanie Raabe wollte ich schon lesen, als ich ihn das erste Mal in der Vorschau gesehen habe. Tatsächlich ist es ein Buch, dass man wirklich lesen sollte. Vollkommen anders als erwartet, hat es mich am Ende wirklich begeistert. 

Zuerst einmal liegt dies sicherlich an der Atmosphäre in diesem Buch. Wir lernen die erfolgreiche Autorin Linda Conrads kennen, die seit über zehn Jahren in ihrem Haus lebt und dieses nicht mehr verlassen hat. Einkäufe und Besorgungen erledigt ihre Assistentin Charlotte, dann gibt es noch den Gärtner, ihren Hund und nur sehr wenige Freunde, wie ihren Verleger Norbert. Tatsächlich aber ist Linda sehr einsam. Wenn sie keinen Schlaf findet, dann zappt sie sich durchs Fernsehprogramm und eines Tage entdeckt sie genau das Gesicht, das sie regelmäßig bis in ihre Träume verfolgt. Ein perfider Plan ist erwacht.

Grundsätzlich ist die eigentliche Geschichte jetzt nicht wirklich spektakulär. Aber Melanie Raabe hat mit ihrer Erzählung eine unglaubliche Sogkraft entwickelt, sodass ich dieses Buch kaum zur Seite legen konnte. Sie reiht Worte aneinander und schlägt mit Sätzen um sich, die mich zum Schluss hin nur noch fasziniert haben. Zu Beginn hatte ich tatsächlich noch so meine Probleme, weil ich nicht wusste, in welche Richtung sich dieses Buch nun entwickelt. Zwischen den Erzählpassagen sind immer einzelne Kapitel von Linda Conrads aktuellem Thriller, der den Mordfall ihrer Schwester behandelt. Indirekt bekommt man so bereits erzählt, wie sich der Mordfall zugetragen hat. 

Melanie Raabes erzählerisches Talent, ihr spannungsgeladener Schreibstil, ihre Fähigkeit Gefühle, Emotionen und Stimmungen zu transportieren hat dieses Buch zu etwas ganz besonderem gemacht. Ob man will oder nicht, sitzt man als Leser ebenso in der Falle und ist dieser Geschichte auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Erzählt wird die Handlung in der Ich-Form, was zusätzlich einen starken Bezug zur Protagonistin schafft und den Leser noch mehr mit ihren Gedanken verbindet. 

Linda Conrads war für mich eine außergewöhnliche Protagonistin, deren Schmerz und Leid ich förmlich spüren konnte. Hier hat die Autorin wirklich großes Talent bewiesen. Auch die einsame, große Villa am Starnberger See hat für mich ihren Zweck vollkommen erfüllt. Gedanklich bin ich durch die großen, hohen Räume gewandert, in denen für mich die Einsamkeit ein immer präsentes Gefühl war. 

So eine Geschichte habe ich noch nirgends gelesen und rein objektiv betrachtet ist sie vielleicht auch nichts Besonderes. Melanie Raabe hat mit Worten, Stimmungen und großem Talent allerdings alles erdenklich mögliche aus dieser Story herausgeholt und mich damit absolut begeistert zurückgelassen. Das Ende und die Auflösung der Geschichte waren mich aufgrund der vorherigen Verwirrspiele fast ein wenig zu einfach konstruiert. Hier muss ich einigen bisherigen Kritiken zustimmen. Allerdings kann ich über dieses kleine Manko angesichts dieses Lesevergnügens auf jeden Fall hinwegsehen. 

Fazit

Ein spannungsgeladener Roman, dessen einfache Story durch Melanie Raabes großartigen Erzählstil zur absoluten Empfehlung wurde. Wer ein Buch mit unglaublicher Sogkraft lesen will, sollte zu diesem Roman greifen.

5/5 Punkten

Die Falle von Melanie Raabe - btb - 352 Seiten - ISBN 978-3-442-75491-5 - Hardcover - 19,99 Euro - bei glatteis kaufen

Links zum Buch 

Kommentare:

  1. Liebe Petzi,

    Eine schöne Rezension zu einem wirklich sehr gelungenen Buch! Ich habe es auchSchlaf ehr gerne gelesen und war besonders von der sprachlichen Gewandtheit der Autorin sehr angetan. Diese setzt dem ganzen wirklich das besondere i-Tüpfelchen auf.

    Hoffentlich kommt bald mehr von der Autorin!
    Liebe Sonntagsgrüße, Alexandra

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  2. Irgendwie schön zu sehen, dass der Umgang Melanie Raabes mit Worten so viele verzaubern konnte! :) Bei der Auflösung bin ich, wie Du weißt, ganz bei Dir. Aber die Sogkraft hatte wirklich etwas magisches. :)

    Liebe Grüße!!

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  3. Hallöchen liebste Petzi,
    ich kann dir nur voll und ganz zustimmen, auch wenn das Ende für mich so wie es war absolut richtig war. Manchmal ist das Leben eben so. Ich mag es ganz gerne. Ich fand Melanie Raabes Schreibstil auch wirklich einmalig. Sie hat mich schlichtweg verzaubert. :D

    Liebst, Lotta

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  4. Ich habe echt schon lange keinen Thriller mehr gelesen, aber dieser hier klingt wirklich durchdacht und vor allem auch psychologisch interessant. Vielleicht sollte ich doch mal wieder zu einem Buch außerhalb meiner Komfortzone greifen :-)

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    1. Eigentlich ist es ja nicht wirklich ein Thriller und besonders kein Psychothriller. Es wird als Roman bezeichnet und dem kann ich voll und ganz zustimmen. Spannung ist vorhanden, aber dieses Buch ist auf jeden Fall auch etwas für Nicht-Thriller-Leser. :)

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    2. Umso besser, dann kann ich bedenkenlos zugreifen :-D

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  5. Hallo liebe Petzi!
    Oh ja, Melanie Raabe hat auch mich mit ihren Erzählstil beeindruckt. Besonders gut fand ich die Einschübe a la "Victor Lenzen ist ...", die die Angespanntheit der Hauptfigur gezeigt haben.
    Auch war ich hin- und hergerissen bei der Suche nach der Antwort auf die Frage: Wer war es wirklich.
    Melanie Raabe wandert auf alle Fälle auf meine Liste der Must-Read-Autoren. Top erzählt.
    Liebe Grüße, Iris

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  6. Beeindruckender Schreibstil, Zauberin der Worte - das sind so einige der Eindrücke, die Rezensionen zu "Die Falle" bisher verlautbaren ließen. Du schließt dich dem an, und ich kann dem Buch damit wohl nicht mehr widerstehen. Auch wenn es eigentlich nicht (mehr) mein Genre ist. Meinst du, ich kann mich ranwagen? Nicht zu blutig, brutal, etc.?

    Gespannte Grüße
    Sandra

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