Rezension: "Panthertage" von Sarah Elise Bischof

12 April 2015 | 2 Kommentare
Mit Anfang zwanzig will Sarah endlich mit ganzer Kraft in die Zukunft starten und erleidet einen epileptischen Anfall. Dem einen folgen noch weitere und plötzlich ist die lebenslustige junge Frau mit einer Krankheit konfrontiert, die ihr ganzes Leben komplett verändert. Es folgen Einsamkeit, Scham, Wut, viele Medikamente, Besuche im Krankenhaus und Vorurteile von anderen Menschen. Doch Sarah lässt sich nicht unterkriegen und gibt ihre Träume nicht auf. Zehn Jahre später ist Sarah eine junge, selbstbewusste Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, ihr Studium erfolgreich beendet hat und ein wunderbares Buch geschrieben hat. Ein Buch über das Leben mit Epilepsie, das trotzdem zu jederzeit lebenswert ist.

Gewitter im Gehirn

Pünktlich zum Welttag der Epilepsie erschien ‚Panthertage‘ von Sarah Elise Bischof und hat mich absolut begeistert. Da ich beruflich selbst im medizinischen Bereich arbeite, war es für mich doppelt so interessant, dieses Buch zu lesen. Auch wenn man jetzt meinen mag, dass ich mich dann sowieso schon damit auskenne, ist das mitnichten so. Natürlich kenne ich Epilepsie, ich kann verschiedene Antieleptika nennen, ich weiß, wie ein EEG funktioniert. Ich kann aber nicht sagen, wie man sich nach einem Anfall fühlt, was diese Krankheit in seinem selbst bewegt und wie die Mitmenschen und die Umwelt darauf reagieren. 

Wenn man mit Anfang zwanzig sein ganzes Leben noch vor sich hat, einem alle Türen offen stehen und man Pläne für die Zukunft schmiedet, dann muss es unglaublich sein, wenn man mit so einer Diagnose konfrontiert wird. Erst recht, wenn einem der behandelnde Arzt keine tollen Prognosen voraussagt und bereits jetzt schon weiß, dass ein beendetes Studium sicherlich Wunschdenken bleiben wird.

Sarah Elise Bischof hat sich davon jedoch nie entmutigen lassen und ihren Weg unaufhörlich fortgesetzt. Wo jeder andere im behüteten Nest der Familie geblieben wäre, hat sie die Koffer gepackt und sich für ein Studium in München entschieden. Viele Kilometer weit weg von den Eltern in Schweden. Und trotz vieler Niederschläge, vieler Tränen, Enttäuschungen und schwarzen Tagen hat sie es immer wieder geschafft aufzustehen und nach vorne zu schauen. Sie kann über das Verhalten von anderen lachen, hat gelernt manches nicht zu ernst zu nehmen und sie hat all die Zeit nie ihren Lebensmut verloren. Das allein ist eine unglaubliche Leistung, die ich wahrscheinlich in dieser Situation nie so hinbekommen hätte. Dafür muss ich der Autorin meinen größten Respekt zollen. 

„Doch die Diagnose Epilepsie war mitnichten meine Endstation. Sie ist vielmehr eine Weiche gewesen, die den Streckenverlauf meines Lebens änderte. Die Strecke, der mein Leben nun folgt, ist sicherlich wesentlich kurviger. Dennoch ist die Fahrt voller Erlebnisse, die ich nicht missen möchte, und ich empfinde Dankbarkeit für dieses eine zauberschöne Leben, wie ich sie sonst womöglich nie in diesem Maße empfunden hätte.“ (Seite 27) 

Dieses Buch ist eine Bereicherung für das Bücherregal und für das Leben, denn es führt uns unaufhörlich vor Augen, dass man mit genügend Willen, Mut und Lebenskraft viele Hürden meistern kann. Und das betrifft jeden – auch die, die bisher noch vollkommen gesund sind. Sarah Elise erzählt in einem größtenteils autobiographischen Roman eine spannende Geschichte, die mit vielen interessanten Daten und Fakten zur Epilepsie aufwarten kann und das Bewusstsein für diese Krankheit stärkt. 600.000 Menschen in Deutschland leiden an dieser Krankheit, weltweit sogar an die 50 Millionen Menschen. Das ist keine kleine Zahl und trotzdem wird dieser Erkrankung viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und wird viel zu wenig Verständnis gezeigt. 

Besonders sprachlos war ich über die Schilderungen der Erlebnisse im Arbeitsamt. Man stellt sich als Leser die ganze Zeit die Frage, ob man jetzt wütend werden soll oder man es ebenfalls mit Humor nimmt. Ich selbst wüsste wahrscheinlich nicht, was ich besagter Frau geantwortet hätte. Diese Verhaltensmuster sind es, die es Betroffenen erst recht schwer machen, ihre Erkrankung zu akzeptieren. Man sollte grundsätzlich mehr Verständnis für seine Mitmenschen aufbringen und auch Krankheiten, die man nicht auf einem Blick erkennen kann, als gegeben ansehen und akzeptieren. 

Das war nur eine der wichtigen Botschaften in diesem Buch und ich danke Sarah Elise Bischof dafür, dass sie diesen Weg ging, dieses Buch veröffentlicht hat und uns ein Stück an ihrem Leben teilhaben ließ. Eine wichtige Botschaft, ein wichtiges Buch und viele interessante Informationen über eine Erkrankung, die viel zu wenige wirklich kennen. 

Fazit

Dieses Buch ist eigentlich eines, zu dem mir schlicht die richtigen Worte fehlen. Ein einfaches „Lest es unbedingt!“ trifft es wohl am besten. Auch wenn man also eigentlich keinen Biographien mag, sollte man diesem Buch eine Chance geben. Die Botschaft in diesem Buch ist wichtig und Sarahs Schreibstil hat mich so begeistert, dass die zweihundert Seiten im Nu weggelesen sind. 

5/5 Punkten

Panthertage von Sarah Elise Bischof - Eden Books - 207 Seiten - ISBN 9783944296937 - Klappbroschur - 14,95 Euro - bei ocelot kaufen

Links zum Buch

Kommentare:

  1. Hallöchen liebste Petzi,
    okay. Ich kann nicht mehr anders. Ich muss dieses Buch lesen! Wie du weißt, lese ich eigentlich ziemlich gerne Biografien und sowas interessiert mich ja sowieso immer und jetzt finden das auch noch alle so toll. Ich muss es kaufen und verschlingen. Egal wie viele Bücher noch auf dem SuB sind. Hallo Thalia, ich komme! :D

    Liebst, Lotta

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  2. Huhu liebe Petzi,

    hachja, es ist so schön, dass es dich auch so begeistern konnte. Ich liebe Sarahs Schreibstil, das Buch hat mich komplett umgehauen und als die letzte Seite umgeblättert war, habe ich nur eines im Kopf gehabt: Bitte schreib mehr, ich möchte mehr von dir lesen! Ich habe für das Buch spontan alles andere stehen und liegen lassen und hatte es dann an einem Abend durch.

    Biografien sind auch nicht unbedingt mein Genre, obwohl es in diesem Bereich einige sehr interessante Bücher gibt.

    Sehr schöne Rezension! ♥

    Liebe Grüße
    Sandra

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