Rezension: "Sündenbock" von Judith Arendt

15 April 2015 | 3 Kommentare

Zum Buch

Sündenbock von Judith Arendt - Ullstein - 304 Seiten - ISBN 9783548285658 - Taschenbuch - 9,99 Euro - bei glatteis kaufen

Inhalt

Ruth Holländer ist nun schon seit einem Jahr als ehrenamtliche Schöffin vor Gericht aktiv. Ein Ehedrama, das dort verhandelt wird, erschüttert sie jedoch besonders. Jürgen Dombroschke wurde angeklagt, weil er seine an Parkinson erkrankte Ehefrau vergiftet haben soll. Ein trauriger Fall, bei dem bereits von vorneherein alles klar zu sein scheint. Doch Ruth merkt schnell, dass ein Puzzleteil fehlt. Obwohl ihr Freund und Staatsanwalt Hannes Eisenrauch davon abrät, hört sich Ruth ein bisschen um. Im Dombroschkes Schrebergarten entdeckt sie die dramatische Wahrheit. 

Meine Meinung

Judith Arendt ist für Krimis gemacht und Schöffin Ruth Holländer ist mir bereits im ersten Band „Unschuldslamm“ ans Herz gewachsen. Deshalb habe ich dem Erscheinen dieses Buches schon sehr entgegengefiebert und mich auf das Lesen gefreut. Wie auch bereits im ersten Fall hat mich bereits der Einstieg begeistert und hätte ich nicht am nächsten Tag arbeiten müssen, hätte ich wohl wieder das ganze Buch am Stück gelesen. 

Obwohl man dieses Buch auch versteht, wenn man „Unschuldslamm“ nicht kennt, würde ich empfehlen die Reihenfolge einzuhalten. Man hat für die Protagonisten ein viel besseres Gefühl, wenn man sie bereits im ersten Band kennengelernt hat. Ruth Holländer ist keine Kommissarin oder Ermittlerin im klassischen Sinn. Sie wurde ehrenamtlich als Schöffin zum Gericht berufen und nimmt dieses Ehrenamt auch sehr ernst. Sie verlässt sich nicht auf vermeintliche Indizien und fällt kein vorschnelles Urteil. Obwohl sie es eigentlich nicht soll, stellt sie gerne eigene Ermittlungen an und auch in diesem Fall kann sie es nicht lassen.

Auch in diesem Buch haben mich wieder alle Figuren überzeugt. Die Autorin hat ein Händchen für Charaktere, und obwohl alle nicht unterschiedlicher hätten sein können, hat hier jeder seinen rechten Platz und spielt seine Rolle perfekt. Der Schreibstil der Autorin tut sein Übriges, denn bereits ab der ersten Seite war ich gefesselt, und wenn alle so schreiben könnten wie Judith Arendt, dann würde ich grundsätzlich nur maximal zwei Tage für ein Buch brauchen. Mit den verschiedenen Wechseln zwischen den Handlungssträngen erzeugt sie zusätzliche Spannung und man kann das Buch somit kaum aus der Hand legen. Man möchte natürlich die ganze Zeit über wissen, wie es weitergeht und als Leser zieht man selbst seine Schlüsse, fiebert gespannt mit und rätselt ebenso wie Ruth, an den Gründen der Tat. 

Wie auch bereits der Vorgänger spielt auch dieses Buch in Berlin und man merkt eindeutig, dass die Autorin aus der Hauptstadt kommt. Auch der Berliner Dialekt ist an der einen oder anderen Stelle vertreten, jedoch nie unpassend oder gar nervig und der Verständlichkeit der Handlung tut dies auch zu keiner Zeit Abbruch. 

Die Geschichte, die Auflösung und die Hintergründe der Tat waren für mich äußerst gut durchdacht und gelungen und haben mich komplett überzeugt. Auch wenn man ab einem gewissen Punkt vielleicht eine Ahnung hatte, hat mich das in Anbetracht der ganzen Geschichte überhaupt nicht gestört. „Sündenbock“ ist für mich kein reiner Krimi. Das Buch ist vielmehr eine sympathische Geschichte, mit vielseitigen Protagonisten und Geschichten, die eben mitten aus dem Leben geschnitten sind. Ein Buch, in dem man abtauchen kann und die Welt um sich herum vergisst. Auch die Liebesgeschichte zu Hannes Eisenrauch spielt eine kleine Rolle und hat mich sehr gut unterhalten.

Judith Arendt hat es wieder einmal spielend geschafft mich zu überzeugen und "leider" schreibt sie so gut, dass man das Buch nach kurzer Zeit beendet hat. Jetzt ist warten auf den dritten Teil angesagt. Jeder, der diese Reihe noch nicht kennt, sollte das dringend ändern. Es lohnt sich, die Welt von Ruth Holländer zu entdecken, in ihrem kleinen französischen Bistro Platz zu nehmen und mit ihr zu ermitteln.

Fazit

Ein fesselnder, spannender und mitreißender Roman um die Schöffin Ruth Holländer, die wieder einmal auf eigene Faust ermittelt und versucht, Licht ins Dunkel eines aufwühlenden und traurigen Falls zu bringen, der vor Gericht verhandelt wird. Wer „Unschuldslamm“ mochte, der wird auch dieses Buch gerne lesen. Alle anderen sollten sich diese Autorin unbedingt näher anschauen.

5/5 Punkten

Kommentare:

  1. Danke für die Rezension. Ich hab mir die Autorin jetzt mal auf die Merkliste gesetzt.
    Liebe Grüße
    Melissa

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  2. das hört sich ja klasse an - den ersten teil hab ich hier - freu mich schon drauf nach deiner rezension!
    lg von der numi

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  3. Liebe Petzi,

    nach dieser zauberhaften Rezension freue ich mich um so mehr auf dieses Buch. Danke, dass du mich auf diese tolle Autorin aufmerksam gemacht hast.

    Liebe Grüße
    Corinna

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