Rezension: "Das Zeitsparbuch" von Klaus Beyrer und Helmut Gold (Hrsg.)

11 Juni 2015 | 0 Kommentare
Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen. Igor Strawinskys weise Einsicht und überlegene Gelassenheit bleibt im Alltag im Takt der Uhr nur allzu oft auf der Strecke. Overnight wird Standard, to go und drive in zum Lebensentwurf, Entschleunigung bleibt Traum und Zeitmanagement Programm. Und mitten in den prall gefüllten Kreativalltag platzt nun ein griffiges graues Buch. Das Zeitsparbuch. Vergessen Sie andere Termingeschäfte. Investieren Sie in Zeit! Zeit für sich, einzutragen im immerwährenden Wochenkalender im hinteren Teil des Buches, den Sie beginnen, wann Sie Zeit haben. Zeit für Selbstreflexion anhand der monatlichen therapeutischen Stressometer. Zeit, über Zeit nachzudenken: Anhand wöchentlicher Zitate zur Zeit und anregender Essays im vorderen Teil des Buches. So bringt Ihr Zeitsparbuch sicheren Zins. Es schützt vor E-Mail-Inflation und Zeitmanagementkursverlusten. Und sichert Ihnen Rendite in Form von Ruhe und Gelassenheit.

Kein Buch, sondern ein Kunstwerk

Wer den Hermann Schmidt Verlag Mainz schon kennt, der weiß, dass einem mit diesem Buch wieder ein kleines Kunstwerk erwartet. Buchkunst hat dieser Verlag nämlich zweifelsohne perfektioniert. In meiner Buchliebe am Donnerstag hab ich dieses Buch schon einmal vorgestellt und bin mit Bildern auch schon etwas auf die Gestaltung im inneren eingegangen. Kann man also mit dem Inhalt und dem Text weniger anfangen, lohnt sich dieses Buch allein schon wegen seiner Gestaltung.

Dieses Werk, herausgegeben von Klaus Beyrer und Helmut Gold, wurde von mehreren Autoren erstellt ist und wurde anlässlich der Ausstellung „Tempo Tempo! Im Wettlauf mit der Zeit“ veröffentlicht. Diese Ausstellung konnte man zwischen 2012 und 2013 in Frankfurt am Main bzw. Berlin ansehen. Doch auch wenn man, so wie ich selbst, diese Ausstellung nie besucht hat, wird man mit diesem Buch ganz gewiss etwas anfangen können.

Im ersten Teil des Buches trifft man auf unterschiedliche Texte, die sich mit dem Thema Zeit auf verschiedene Art und Weise befassen. Sei es etwas zur Nachrichtenflut, Zeitfressern oder der „To go“-Mentalität. Kurze Texte, die sogar dazu auffordern, die exakte Lesezeit im Buch einzutragen und die durch Gestaltung unterschiedlicher Couleur begeistern. Diese unterschiedlichen Typografien, verschiedenen Farben und die besondere Gestaltung machen dieses Buch davon ganz unabhängig zu einem Fest. Auf quasi jeder Seite kann man etwas Neues entdecken und sich begeistern lassen.

Im zweiten Teil beginnt das eigentliche Zeitsparbuch und dies fordert explizit dazu auf, es auch zu nutzen und auszufüllen. Es ist Platz für ein ganzes Jahr Tagebuch und Eintragungen zu den unterschiedlichen Tagen. Dabei ist das Buch aber stellenweise von Seite zu Seite unterschiedlich gestaltet und in jeder Woche ist etwas anderes im Fokus. Sei es der Stressfaktor der Woche oder Zitate und Gedichte.

Dieses Buch ist ein kleines Stück Kunst, keines, das man an einem Stück liest und es dann im Regal verbannt. Eines, das man entdecken will, in dem man nur Stück vor Stück vorankommt und das einem mitunter auch durchs ganze Jahr begleiten wird. Es ist eine Aufforderung sich mit der Zeit auseinanderzusetzen, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben und tausend Möglichkeiten zur Zeitoptimierung anzubieten. Es ist kein typischer Ratgeber, der sich mit Zeitoptimierung befasst. Es ist schlicht ein tolles Buch und übrigens auch eine prima Geschenkidee für alle stressgeplagten Menschen, die scheinbar nie Zeit haben. 

Fazit

Ein wundeschönes Buch zum darin lesen, schreiben, mitmachen und einfach nur durchblättern. Für jeden, der sich mit der Zeit beschäftigen will und für alle Menschen, die scheinbar dauernd gestresst sind.

5/5 Punkten

Das Zeitsparbuch von Klaus Beyrer und Helmut Gold / Museum für Kommunikation (Hrsg.) - Hermann Schmidt Verlag Mainz - 236 Seiten - ISBN 978-3-87439-839-8 - Hardcover mit Leinenband und Prägung - 24,80 Euro


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