Rezension: "Nachts" von Mercedes Lauenstein

23 August 2015 | 1 Kommentar
Eine junge Frau streift Nacht für Nacht durch die Straßen. Sie ist auf der Suche, auch wenn sie nicht weiß, wonach. Sie beobachtet die Menschen, hinter den erleuchteten Fenstern und klingelt an den Türen. Viele Nächte ist sie unterwegs und begegnet Menschen in höchster Einsamkeit, Menschen die erst richtig Leben, wenn es draußen still und dunkel ist. Sie hört Geschichten, die manchmal traurig sind, manchmal Mut machen und manchmal auch einfach nur ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. 

Nachts ist alles weniger ernst

Mercedes Lauenstein schickt in ihrem Buch "Nachts" eine namenlose Ich-Erzählerin auf die Reise durch die Straßen von München. Die sucht dort die Häuser nach erleuchten Fenstern ab und klingelt an den Türen. Das erscheint zunächst ziemlich sonderbar, aber meist wird sie tatsächlich eingelassen. Sie trifft auf viele unterschiedliche Menschen, die viele unterschiedliche Geschichten zu erzählen haben. Denn es gibt immer Gründe dafür, warum sie wach sind, wenn andere Menschen schlafen. 

„…weil nachts alles weniger ernst ist, weil sich nachts sogar die braven Menschen mit ihren geregelten Tagsüberjobs in ungehemmten Träumen verlieren und nachts deshalb alles Raum hat, was am Tag keinen hat.“ (S.124) 

Meist sind es Menschen, die große Veränderungen durchlebt haben. Die über etwas nachdenken müssen, die trauern, die allein sein möchten. 25 Personen, die alle eine eigene Geschichte haben, in der man für wenige Seiten versinken kann und die Mercedes Lauenstein mit ihrer klaren und leisen Sprache so wunderbar erzählt, dass man sich kaum davon losreißen kann. Dieses Buch steckt voller wunderbarer, kluger Sätze. Die Nacht ist auch mein Freund und sie wurde kaum besser beschrieben, als in diesem Buch.

„Die Nacht“, sagt er, „mag ich deshalb, weil man in ihr fast alles klarer sieht als am Tag. Was ja der Tatsache, dass es tagsüber hell ist, eigentlich widerspricht.“ (S. 131) 

Die Menschen die Lauenstein in ihrem Buch porträtiert scheinen fast alle so, als würden sie sich freuen, dass da endlich jemand ist, dem sie ihre Geschichte erzählen können. Dem sie gestehen können, was sie all die Jahre schon umtreibt. Es ist Montag um 1 Uhr 03 oder auch mal Mittwoch um 3 Uhr 19. Und jedes Mal, wenn die Ich-Erzählerin wieder auf einen Klingelknopf drückt und durch die Tür geht, öffnet sich eine neue Welt. Eine Wohnung, die mal spartanisch eingerichtet oder fast überfüllt ist. Kleine Zimmer, große Räume, Menschen im Aufbruch oder Menschen beim Ankommen und jedes Mal freut man sich als Leser auf das, was einen da erwartet. 

In der Nacht ist alles klarer. Gedanken, Sehnsüchte und auch Ängste. Dies wird beim Lesen dieses Buches ganz deutlich bewusst und in den Momenten der Stille, in denen sich das Mondlicht im Fenster spiegelt, die klare Nachtluft tief eingeatmet wird und die Geräusche so fern sind, war auch ich ganz in der Geschichte versunken. Am besten liest man dieses Buch "Nachts", denn dann bekommt es garantiert die Aufmerksamkeit, die es verdient. 

Fazit

Ein starkes Debüt von Mercedes Lauenstein, das in einer wunderbaren Sprache, Geschichten von interessanten Menschen erzählt. Ein Buch, dem man sich kaum entziehen kann und es auch nicht sollte. Lesenswert!

5/5 Punken

Nachts von Mercedes Lauenstein - Aufbau Verlag - 191 Seiten - ISBN 978-3-351-03614-0 - Hardcover - 18,95 Euro

1 Kommentar:

  1. Hallöchen liebe Petzi,
    ich habe vor einer Weile eine Email bekommen, ob ich dieses Buch lesen mag und ich muss sagen, dass mich allein das Cover schon absolut fasziniert hat, aber ich bin doch froh, dass ich es mir nicht schicken lassen habe. Auch wenn der Inhalt gut klingt und nach deiner Rezension anscheinend auch gut umgesetzt ist, ist es im Moment nicht die richtige Lektüre für mich. Ich brauche eher etwas Leichtes, was sich so weg liest.

    Liebst, Lotta

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