Blogtour zu "Die Stimmen über dem Meer" von Bettina Storks - Mit der Autorin im Gespräch

14 November 2015 | 11 Kommentare
Eigentlich wollte die Halbfranzösin und Übersetzerin Morgane ihr geerbtes Häuschen nur rasch verkaufen und zurück nach Deutschland. Doch mit dem Haus hat sie auch Schulden geerbt - und die alte Paulette, der Morganes Tante angeblich ein lebenslanges Wohnrecht zugesichert hat. Aber diese raue, wunderschöne Landschaft löst etwas in ihr aus. Kein Wunder: Hier ganz in der Nähe ist ihre Mutter aufgewachsen und bei einem mysteriösen Badeunfall ums Leben gekommen. Morgane bleibt und beschließt zu kämpfen: um ihr Haus, ihre Unabhängigkeit und um die Wahrheit über den Tod ihrer Mutter zu erfahren. Sie findet Freunde und verliert eine Liebe. Sie findet Antworten und droht den Glauben an ihren Traum zu verlieren. Aber Morgane hat auch die bretonische Sturheit geerbt...

Gestern konntet ihr bei Sabrina von Buch im Blick mehr über die Protagonisten des Buches erfahren, heute kommt die Autorin persönlich zu Wort. Wie sie zum Schreiben gekommen ist und wie viel von ihr in den Protagonisten steckt, erfahrt ihr jetzt.

Liebe Bettina, mit ‚Die Stimmen über dem Meer‘ ist in diesem Jahr bereits dein zweiter Roman erschienen. Du hast Germanistik, Deutsche Philologie und Kulturwissenschaften studiert und hast mehrere Jahre als Redakteurin gearbeitet. War es schon immer ein Wunsch von dir Autorin zu werden? 
Ja, ich habe schon immer leidenschaftlich gerne geschrieben und habe das auch zu meinem Beruf gemacht, aber einen Roman zu schreiben ist etwas völlig anderes als Journalismus, wo es ja um Fakten geht und nicht um die Schönheit der Sprache. Der Poetik gehörte allerdings schon immer mein Herz, woran mein Studium (und meine Studienwahl) sicherlich nicht unschuldig ist. 2008 habe ich angefangen, einen Roman zu schreiben und erhielt dafür ein Stipendium vom Verband Deutscher Schriftsteller – das hat mich natürlich sehr motiviert! Aber wenn du Belletristik schreibst, musst du bereit sein zu lernen, Manuskripte zu verwerfen und wieder von vorn anfangen. Schreiben ist ein Prozess, der reifen muss. 

In deinem aktuellen Buch erbt die Halbfranzösin Morgane ein Haus am Meer, das sie eigentlich nur schnell verkaufen will, um nach Deutschland zurückzukehren. Aber sie bleibt. Wie kamst du auf diese Geschichte? Was verbindet dich selbst mit dieser Gegend? 
„Die Stimmen über dem Meer“ waren bereits von der Grundidee her eine klassische Entwicklungsgeschichte, bei der der innere Prozess der Protagonistin die eigentliche Dramatik und Dynamik bilden, nicht die äußeren Gefahren und Einflüsse. Und die Geschichte wäre undenkbar ohne meine starke Bindung an die Bretagne, das Finistère und die Menschen, die dort leben. Ich liebe diesen Flecken Erde! 

Wenn man als Autor ein Buch schreibt, dann steht je nach Thema auch sicherlich einiges an Recherche auf der To-Do-Liste. Wie sah diese bei dir aus? Hast du viel über die Gegend gelesen? Einheimische befragt? 
© Bettina Storks
Da ich die Gegend sehr gut kenne, weil ich selbst einmal dort gelebt habe, beschränkte sich meine Recherche auf eine zusätzliche Reise im letzten Jahr, wo ich noch einmal genau die Orte aufsuchte, die im Roman vorkommen. Gründlich recherchiert habe ich die Sache mit der Algenpest, weil mich das sehr erschreckt hat. Mit den bretonischen Mythen musste ich mich erst vertraut machen. Und die Einheimischen, die ich habe kennenlernen dürfen, und von denen einige zu Freunden wurden, haben mich inspiriert. Armel aus dem Roman ist einer von ihnen, dieser wunderbar wortkarge und eigensinnige Mann, der eine unglaubliche Wärme besitzt. 

Beim Lesen deiner Geschichte habe ich fast körperlich mit Morgane mitgelitten und sehr gut verstanden, weshalb sie zum Ende hin in dieses tiefe Loch gefallen ist. Wie leicht ist es dir gefallen, dieses Buch zu schreiben? Fühlst du mit deinen Protagonisten ebenso mit? 
Oh ja, ich fühle hundertprozentig mit! Wenn ich das nicht tue, kann ich doch meine Leser nicht überzeugen! Ob es mir leicht gefallen ist, das Buch zu schreiben? Ja, mit wenigen Ausnahmen, die aber immer ihren Grund haben. Wenn die Arbeit stockt – ist meist der Wurm drin: dann stimmt etwas am Plot nicht oder eine Figur ist nicht stimmig. Dann muss man noch einmal die Konstruktion überprüfen. 

Die Botschaft die in deinem Buch steckt, kann man als Leser aber auch auf andere Bereiche anwenden. Auch wenn es einmal schwer wird und der Weg aussichtslos scheint, soll man trotzdem nie aufgeben, denn es kommen auch wieder bessere Zeiten. Bist du privat auch so ein kämpferischer und positiv eingestellter Mensch? Wie viel von Morgane steckt in dir selbst? 
Ja, ich bin eine absolute Kämpferin und zwinge mich in schwierigen Zeiten dazu, auch den dunklen Zeiten etwas Positives abzugewinnen. Manchmal ist das schwer, aber rückwärts gehen gilt nicht. Das Kämpferische an Morgane, das „um-keinen-Preis-aufgeben“ steckt tief in mir drin, genau wie ihre melancholische Seite. Auch diese teile ich. 

Wie du auch in deinem Nachwort schreibst, ist das Schreiben ein einsamer Prozess und Freunde und Familie kommen öfter mal zu kurz. Wie integrierst du das Schreiben in dein Leben? Hast du feste Zeiten oder bist du immer dann am PC, wenn es gerade richtig gut läuft? 
Schreiben ist mein Leben und ich arbeite ständig. Sei es schreibend, sei es meine Texte lektorierend oder sei es Geschichten strukturierend. Außerdem lese ich. Das schult den Stil und inspiriert. Das schöne ist, dass ich Bücherschreiben überhaupt nicht als Arbeit erlebe. Wenn man so will, ist es eine Form von Therapie. 

Wie lange hast du letzten Endes an diesem Buch gearbeitet, bis man es so in Händen halten konnte, wie es jetzt ist? 
Knappe eineinhalb Jahre. 

Manche Autoren hegen auch ein Stück weit den Wunsch, dass eines ihrer Bücher irgendwann einmal verfilmt wird. Geht es dir da genauso? Könntest du dir ‚Die Stimmen über dem Meer‘ auf der Leinwand vorstellen? Und gäbe es eine Wunschbesetzung? 
Das wäre natürlich Klasse – zumal die Landschaftskulisse viel hergibt. Einige Leser haben mir geschrieben, dass sie, wenn sie meine Bücher lesen, immer einen Film vor Augen hätten. Das freut mich sehr. 

Ich für meinen Teil war sehr angetan von deinem Schreibstil und deiner Erzählkunst und würde auch ein weiteres Buch von dir lesen. Gibt es da schon konkrete Pläne oder muss eine neue Idee erst mal in Ruhe reifen? 
© Bettina Storks
Ich schreibe bereits an meinem dritten Roman – wenn ich merke, dass das letzte Lektorat mit dem Verlag absehbar ist, werde ich meist schon unruhig und bisher war es immer so, dass in dieser Phase die Idee für das nächste Buch entstand. Also, ja, es gibt bereits einen dritten Roman, der allerdings noch nicht fertig ist. Eine Familiengeschichte, die in einem alten Château im Burgund spielt... 

Auch als Autorin kann man nicht die ganze Zeit in seiner Geschichte gefangen sein. Was machst du also am liebsten, wenn du mal nicht schreibst? Wie entspannst du am besten? 
Ich gehe täglich mindestens zwei Stunden mit meiner Hündin spazieren. Sie holt mich immer wieder zurück auf den Boden, sorgt dafür, dass sich die Nackenverspannungen durch die Arbeit am PC in Grenzen halten und dass die Ideen reifen. Der Wald und der Bodensee sind ein wunderbarer Inspirationsort und häufig fällt mir auf dem Weg etwas ein, dass ich dann aufschreibe, sobald ich zu Hause bin. 

Vielen Dank für die Beantwortung deiner Fragen. 

Bettina Storks, geboren 1960 in Waiblingen, lebt in Bodman-Ludwigshafen am Bodensee. Sie studierte Germanistik, Deutsche Philologie und Kulturwissenschaften und promovierte sich 1994 an der Universität Freiburg über die Prosa Ingeborg Bachmanns. Danach war sie mehrere Jahre als Redakteurin beschäftigt. 2007 begann sie mit dem Schreiben belletristischer Texte und erhielt im Jahre 2008 ein Stipendium vom Förderkreis Deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg.

Morgen gibt es bei Martina einen Ausblick auf zukünftige Projekte. Aber natürlich könnt ihr auch etwas gewinnen. In unten stehendem Kontaktformular werden alle Teilnehmer der Blogtour gesammelt und folgendes verlost: (wenn ihr auch auf den anderen Blogs teilnehmt, dann erhöht sich eure Gewinnchance)

5 Exemplare von 
"Die Stimmen über dem Meer" - davon zwei signiert
Ein kleiner Trostpreis


foxyform

 
*Das Kleingedruckte: Das Gewinnspiel läuft bis zum 18. November 2015, die Gewinner werden am 21. November bekanntgegeben. Wer bis dahin teilgenommen hat (durch ausfüllen des Formulars), wandert automatisch in den Lostopf. Mitmachen kann jeder Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Werbung ist nicht notwendig, jedoch natürlich erlaubt. Die Teilnehmer müssen 18 Jahre alt sein. Andernfalls brauche ich die Einverständnis eurer Eltern. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und eine Barauszahlung des Gewinns nicht möglich. Für verloren gegangene Post kann keine Haftung übernommen werden. Die Mailadresse wird nur für das Gewinnspiel verwendet und danach gelöscht. Nach Auslosung hat der Gewinner eine Woche Zeit sich zu melden, danach wird neu ausgelost. Mit eurer Teilnahme erklärt ihr euch damit einverstanden. 

Update

Die Gewinner wurden mittlerweile gezogen. Das Gewinnspiel ist beendet!

Die zwei signierten Bücher gehen an Nicole Pichler und Sonjas Bücherecke. Die drei unsignieten Exemplare gehen an Martinas Buchwelten, Margarete Gebhardt und Vero Havre und den Trostpreis hat Monika Buchmann gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Kommentare:

  1. Danke für das interessante Interview mit der Autorin. Ich habe jetzt richtig schöne Einblicke in das Autorenleben von Frau Storks bekommen. Mir hat der Blogbeitrag wirklich gut gefallen und ich möchte gerne in den Lostopf für ihr Buch hüpfen. Ich wünsch dir ein schönes Wochenende. Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Liebe Nicole,

      für die Teilnahme am Gewinnspiel bitte unbedingt im Kontaktformular schreiben, denn Kommentare können wir das Gewinnspiel nicht gewertet werden. :-)

      Liebe Grüße
      Petzi

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    2. :-) Nicole hat immer beides gemacht - Kommentar und Kontaktformular ☺
      LG

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  2. Vielen Dank für deinen interessanten Post
    Liebe Grüße Hanne

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  3. Liebe Petzi,
    ein tolles Interview. Es ist immer wieder interessant zu lesen oder hören wie Autoren zum schreiben gekommen sind. Eine sehr interessante Blogtour....ich hüpf mal ins Lostöpfchen.
    Übrigens: Der süße Hund der Autorin ist mir schon bei den Bildern auf den anderen Blogs der Blogtour aufgefallen =)
    Liebe Grüße
    Martina

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  4. Sonjas Bücherecke14. November 2015 um 12:20

    Hallo,

    ein klasse Interview, wieder ein tolle sympathische Autorin entdeckt. Die Bilder finde ich super. Man bekommt von Tag zu Tag mehr Lust auf das Buch und auf eine Reise in die Bretagne.

    Schönes Wochenende.
    LG Sonja

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  5. Hallo und guten Tag,

    Danke für den interessanten Einblick in das Leben der Autorin.

    Und die schönen Fotos.

    LG..Karin...

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  6. Hallo ,

    Vielen Dank für den tollen und interessanten Interview .
    und ich springe gern in den Lostopf .
    Ich wünsche Dir schönen Samstag:)

    Liebe Grüße Margareta

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  7. Hallo und vielen Dank auch für diesen schönen Blogtour-Tag und das interessante Interview mit der sympathischen Autorin!

    Viele liebe Grüße
    Katja

    kavo0003[at]web.de

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  8. Dieses ausführliche Interview ist sehr interessant. Vielen Dank dafür.

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