Rezension: "Zerschunden" von Michael Tsokos

08 November 2015 | 3 Kommentare
Rechtsmediziner Fred Abel jagt einen Serienmörder, der europaweit in der Nähe von Flughäfen zuschlägt. Er ist schnell, unberechenbar und mordet immer nach dem selben Muster. Seine Opfer sind alleinstehende ältere Frauen, auf deren Körper er seine ganz persönliche Signatur hinterlässt. Fred Abel ist aber bald schon tiefer in den Fall involviert, als er möchte. Der Hauptverdächtige ist Lars Moewig, ein alter Freund von Abel, dessen kleine Tochter im Sterben liegt. Wird Abel es schaffen rechtzeitig die Unschuld von Moewig zu beweisen? „Zerschunden“ ist der Auftakt einer hochspannenden Serie, die auf wahren Fällen und echten Ermittlungen basiert. 

Ein solider Auftakt

In der Vergangenheit habe ich bereits den Thriller 'Abgeschnitten' gelesen, in dem Tsokos zusammen mit Fitzek sein Thrillerdebüt gibt. Als ich im Buchladen auf der Suche nach einem spannenden und mitreißenden Thriller war, habe ich nun also zu diesem gegriffen. Viele gute Meinungen können nicht irren. Dachte ich zumindest.

Wenn ein Buch aber zu sehr gehyped wird, dann habe ich irgendwie meine Probleme und so wurde ich auch mit diesem hier nie richtig warm. In zwei unterschiedlichen Erzählsträngen schreibt der Autor zum einen über Fred Abel und zum anderen über den Täter. Hier verrät er natürlich immer nur so viel wie irgendwie notwendig. Er schreibt in kurzen Kapiteln und Sätzen und erzeugt damit zeitweise viel Spannung. Mit „Zerschunden“ hält man einen sehr soliden Thriller in Händen, der den Leser an der einen oder anderen Stelle gut unterhält und sich mit Sicherheit auch sehr leicht lesen lässt.

Als vielfacher Thrillerleser findet man hier aber auch einige Ungereimtheiten, die mich durchaus gestört haben. Dass ein Rechtsmediziner die Ermittlerarbeit übernimmt, mag nicht typisch sein, aber darüber konnte ich noch gut hinwegsehen, da dies eigentlich sowieso eher außerhalb vom Dienst passiert. Viel mehr hat mich gestört, dass der Autor innerhalb der Geschichte auch auf andere Mordfälle zu sprechen kommt, die gar nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun haben. Kurz darauf eingehen wäre auch kein Problem, da wir es hier immerhin mit einem Rechtsmediziner zu tun haben. Dass dem aber teilweise ganze Kapitel gewidmet wurden, fand ich persönlich übertrieben. Da waren plötzlich komplett andere Namen im Spiel und das verwirrt doch ziemlich. 

Sehr anschaulich schildert Tsokos die Arbeit bei der Rechtsmedizin und hier merkt man auch ganz deutlich, dass der Autor selbst vom Fach ist und weiß, worüber er schreibt. Weil diese Sequenzen ganz besonders gut waren, hätte ich mir hier sogar noch mehr davon gewünscht. Durchschnittlich war dies nämlich auch nicht mehr als in einem typischen Thriller zu lesen wäre. 

Bei der Handlung hatte ich generell das Gefühl, dass der Autor hier zu ziemlich vielen Übertreibungen neigte. Damit meine ich nicht den Fall selbst, sondern das Verhalten von Fred Abel und einzelne Abläufe. Davon abgesehen hat mir der Schreibstil des Autors aber sehr gut gefallen und auch die einzelnen Figuren fand ich durchweg sympathisch. Insgesamt fiebert man als Leser also durchaus mit und zu wissen, dass es sich hier um einen True-Crime-Thriller handelt, hat ebenfalls seinen Reiz. Der Spannungsbogen flaute nach einem starken Start ziemlich ab und stieg erst zum Ende hin wieder an. Insgesamt also nur ein durchschnittlicher Auftakt einer Reihe, von der ich mir zukünftig etwas mehr erhoffe. 

Fazit 

Ein grundsolider Thriller, der sich gut liest und durchaus unterhalten hat. Insgesamt aber leider nur Mittelmaß, da zu viele unwichtige Nebenhandlungen, Spannungsflauten und Übertreibungen den Lesegenuss ein wenig getrübt haben. 

3/5 Punkten 

Zerschunden von Michael Tsokos - Droemer Knaur - 432 Seiten - ISBN 978-3-426-51789-5 - Paperback - 14,99 Euro

Kommentare:

  1. Guten Morgen! :)

    Da mir "Abgeschnitten" recht gut gefallen hat, war für mich eigentlich klar, dass ich auch "Zerschunden" bald lesen will. Das klingt aber leider nach nur lauwarmem Lesegenuss... Ich habe vor einigen Monaten Tsokos' Buch "Die Klaviatur des Todes" gelesen, in dem er übe reale gerichtsmedizinische Fälle berichtet - vermutlich wollte er auch im Roman sein Insiderwissen punkten lassen. Schade, denn nichts ist der Spannung eines Thrillers abträglicher als Überladenheit und Langatmigkeit :(

    Was liest du denn als nächstes? Zurzeit gibt's ja so viele tolle Thriller-Neuerscheinungen... *hach* :)
    Schönen Start in die neue Woche!
    LG, Nana

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  2. Hallöchen liebe Petzi,
    ach man.. das klingt ja irgendwie gar nicht so berauschend. Ich habe das Buch auch noch zu Hause und habe mir eigentlich ziemlich viel davon versprochen. Das wird auf der Leseliste wohl noch ein Stück nach hinten rutschen.

    Liebst, Lotta

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  3. Huhu liebe Petzi,
    wirklich schade, dass das Buch nur 3 Punkte bei dir holen konnte. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, da ich "Abgeschnitten" so toll fand und Tsokos auch schon wegen seiner Sachbücher sehr mochte. Daher hatte ich mir auch von seinem ersten (alleinigen) Auftritt als Thriller-Autor viel versprochen. In diesem Fall ist es echt schade, dass ich mit deiner Meinung in diesem Genre fast immer übereinstimme. Ich hatte echt große Erwartungen :(

    Alles Liebe, Nelly

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