30 Januar 2016

Rezension: "Und draußen stirbt ein Vogel" von Sabine Thiesler

30 Januar 2016 |
Die erfolgreiche Autorin Rina Kramer wird verfolgt. Und auch am letzten Tag ihrer Lesereise sitzt der Stalker im Publikum. Rina ahnt nichts davon und vermietet dem Mann ihre Ferienhaus, als er wenige Tage später vor ihrem Anwesen in der Toskana auftaucht. Zu Beginn ist ihr der Mann durchaus sympathisch, aber mit der Zeit wird er immer unheimlicher. Viel zu spät erkennt sie, was er schreckliches plant und in welcher Gefahr sie und ihr Sohn stecken. Und es gibt niemanden, der ihr in der Einsamkeit helfen kann. 

Die Gefahr lauert nebenan

Sabine Thieslers neues Buch habe ich bereits freudig erwartet und war gespannt, welchen spannungsgeladenen Thriller sie uns nun präsentiert. Den Titel des Romans finde ich großartig und ich hab mich schon sehr auf die Lektüre gefreut. 

Was die Autorin dann aber mit dieser Geschichte abgeliefert hat, konnte mich leider überhaupt nicht begeistern. Die Idee, eine erfolgreiche und bekannte Autorin von einem verrückten Stalker verfolgen zu lassen, fand ich sehr gelungen. Die Umsetzung von Sabine Thiesler dagegen eher weniger. 

Gleich zu Beginn wird der Leser schnell merken, dass der Klappentext gar nicht so viel mit dem eigentlichen Inhalt gemein hat bzw. erst viel zu spät, nämlich auf den letzten 100 Seiten, in Erscheinung tritt. Die Autorin verliert sich hier sehr oft in Widersprüchlichkeiten und unwichtigem Gewäsch. Außerdem sind viele Charaktere absolut unnötig oder so schlecht ausgearbeitet, dass sie weder sympathisch noch glaubwürdig sind. Der Stalker war für mich eines der größten Probleme, denn Sabine Thiesler Schilderung projizierte tatsächlich eine richtige Witzfigur in meine Vorstellungen. Man hat als Leser zu keiner Zeit Angst vor ihm und seinem Tun, kann ihn letzten Endes nicht mal wirklich ernst nehmen. Auch hier gibt es wieder einen Widerspruch. Einerseits reist er als verwahrloster Mensch mit einer Ratte im Schlepptau in einem alten Wohnwagen durch Italien, gleichzeitig kann er sich aber ein sehr teures Ferienhaus ohne Probleme mieten. Sein Motiv ist leider ebenso durchschaubar, was die Spannung schon relativ früh aus der Geschichte nimmt.

Es folgen noch Nebenstränge, die sich mit einem italienischen Pfarrer und einer verrückten Obdachlosen befassen und mit der Handlung wirklich nichts zu tun haben. Zumindest habe ich die Verbindung nicht erkannt. Diesen Absatz hätte man durchaus streichen können und so zudem ein paar Seiten einsparen, was vielleicht der Spannung zugutegekommen wäre. Das Ende kam mir zu abrupt und war zu unglaubwürdig. War Rinas Mann zu Beginn noch auf Trennung aus und konnte seine Frau keine Sekunde länger ertragen, wendet sich das Blatt natürlich sofort, weil er sie nicht auf dem Handy erreichen kann. Das kann man nicht so recht glauben und war mir dann doch zu konstruiert.

Der Schreibstil der Autorin war allerdings wie gewohnt sehr gut zu lesen und deshalb schafft man es trotz der Rahmenhandlung auch am Ball zu bleiben. Das allein reicht aber natürlich nicht für ein gutes Buch. 

Für mich hat Sabine Thiesler schon wirklich sehr gute Bücher geschrieben, die ich auch gerne gelesen habe. Mit 'Und draußen stirbt ein Vogel' hat sie mich aber leider gar nicht überzeugt. Für mich war dieses Buch ein ganz schlechter Versuch eine eigentlich spannende Grundidee in über vierhundert Seiten zu pressen. Zudem wiederholt sich hier auch wieder dasselbe Muster. Wir sind in der Toskana, in einem verlassenen Haus, mit komischen Dorfbewohnern und einem bösen Mann. Vielleicht ist es doch einfach einmal Zeit für etwas Neues. 

Fazit 

Ich habe bisher all ihre Bücher gelesen und kann für mich persönlich daher mit gutem Gewissen sagen, dass dies ihr bisher schlechtestes Buch war. Für mich kein spannender Thriller, schlechte und unsympathische Charaktere und ein sehr abruptes und komisches Ende. Dieses Buch muss man nicht unbedingt lesen.

2/5 Punkten

Und draußen stirbt ein Vogel von Sabine Thiesler - Heyne - 448 Seiten - ISBN 978-3-453-26968-2 - Hardcover - 19,99 Euro

Kommentare:

  1. Oha, liebe Petzi!

    Danke für die Warnung. Ich hab bisher noch kein Buch von der Autorin gelesen, deswegen kann ich da nicht viel zu sagen. Allerdings hatte ich schon etwas mit dem Titel geliebäugelt und werde das nun getrost sein lassen.

    Ist vielleicht etwas blöd für Fans der Autorin, aber manchmal haben Schriftsteller diese Einbrüche^^°

    Liebe Grüße
    Rebecca

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  2. Schade, ich kenne einige Bücher von S. Thiesler, die mir alle sehr gut gefallen haben... Danke für die ehrliche und aussagekräftige Rezension :-). LG Birthe

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  3. Hallöchen liebe Petzi,
    oha. Na da bin ich ja froh, dass ich noch keinem Kunden dieses Buch in die Hand gedrückt habe, der Klappentext klang meiner Meinung nach ziemlich vielversprechend. Nun, dann weiß ich zumindest, wovon ich meinen Kunden jetzt eher abraten kann. :D

    Liebst, Lotta

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  4. Hey Petzi,
    schade, dass das Buch nicht so deins war. Hab bisher nur "Hexenkind" von Sabine Thiesler gelesen, da ging es mir aber wie es dir jetzt ging. Die Idee fand ich klasse, aber die Umsetzung empfand ich als sehr holprig. Daher war ich auch bei "Und draußen stirbt ein Vogel" etwas skeptisch. Nachdem du aber jetzt so enttäuscht warst, werd ich es wohl nicht lesen, zumal du eben genau die Punkte kritisiert hast, die mir beim letzten Mal schon nicht gefallen haben.

    Alles Liebe, Nelly

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  5. Hi Petzi,
    ich schätze deine Meinung ja sehr und werde jetzt auch lieber die Finger davon lassen - obwohl es sich auf den ersten Blick interessant angehört hat, da gebe ich den anderen recht....aber ich bin auf dem Krimi-Gebiet auch total unerfahren und habe kein Gespür dafür, was gut sein könnte und was nicht...
    LG, Cara

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  6. Ach, schade! Rein von der Inhaltsangabe her dachte ich auch gleich: "Juhu, klingt nach einer Story, die mich interessieren könnte!", aber nach deinem Urteil lasse ich wohl doch besser die Finger davon.

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