Rezension: "Die Frauen meiner Familie" von Tanja Weber

11 Februar 2016 | 1 Kommentar
Die 38-jährige Kunsthistorikerin Elsa soll dem Diebstahl eines Gemäldes nachgehen. Ein sehr besonderer Auftrag, denn es handelt sich dabei um ein Bild, das seit Generationen in Elsas Familie war und den Erzählungen nach Elas Urgroßmutter Anneli Gensheim darstellt. Elsas Vater hat das Gemälde allerdings vor einigen Jahren veräußert. Die Kunsthistorikerin macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Bild und taucht dabei immer tiefer in ihre eigene Familiengeschichte ein. Dabei entdeckt sie nicht nur die wahre Identität der Frau auf dem Bild, sondern findet auch heraus, wer ihre Urgroßmutter Anneli wirklich war…

Packende Familiengeschichte

Bisher kenne ich Bücher von Tanja Weber oder Judith Arendt (ein Pseudonym der Autorin) nur aus dem Krimibereich und war umso gespannter auf diese Familiengeschichte. Das war auch ein Grund, weshalb ich vollkommen ohne Erwartungen an diese Lektüre herangegangen bin. Schlussendlich wirkte diese Geschichte aber noch sehr lange in mir nach und hat mich absolut begeistert zurückgelassen. 

Die Autorin erzählt die Geschichte in zwei Erzählsträngen. Der eine befasst sich mit der gegenwärtigen Situation und erzählt Elsas Geschichte, sowie ihre Suche nach dem Bild und der Familiengeschichte und der andere Strang befasst sich mit der Geschichte von Urgroßmutter Anneli in München kurz vor dem Ersten Weltkrieg. 

Der historische Strang gefällt mir persönlich am besten, weil die Autorin es vortrefflich beherrscht die damalige Atmosphäre zu transportieren und mich als Leser tatsächlich in dieses München mitgenommen hat. Durch ihre wunderbare Erzählweise hat Tanja Weber es geschafft, zahlreiche Bilder in meinen Kopf zu projizieren und mich zudem auch dazu angestiftet mir weitere Bücher zum Thema zu besorgen. Ich liebe es, wenn mich ein Buch so fesseln kann, dass mich das Thema auch nachträglich nicht mehr loslässt. Genau das ist hier gelungen.

Ihre Charaktere sind alles sehr authentisch und detailverliebt, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Mit Elsa hatte ich zu Beginn noch meine Schwierigkeiten, aber insgesamt passt ihre Art genau in diese Geschichte und Elsas Vergangenheit lässt gar keine anderen Charakterzüge zu. 

Insgesamt verweben sich die beiden Handlungsstränge immer mehr und die Spannung steigt kontinuierlich an. Man möchte einfach wissen, was hinter dem Gemälde „Mon amour“ steckt und welche Rolle Elsas Familie in diesem Fall spielt. 

Die Autorin hat in diesem Buch vortrefflich recherchiert und mich in das München Anfangs des 20. Jahrhunderts mitgenommen, mich mit der Künstlergruppe „Der blaue Reiter“ vertraut gemacht und mir ein München präsentiert, wie ich es bisher nicht kannte. Annelis Geschichte hat mich persönlich nicht mehr losgelassen. Tatsächlich kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen, wenn man erstmal tiefer in die Handlung eingetaucht ist. Es ist schwierig nach diesem Buch etwas vergleichbares zu finden, deswegen darf man gar nicht erst versuchen danach etwas aus dem selben Genre zu lesen. Es wird enttäuschend sein.

Fazit

Tanja Weber kann nicht nur Krimis, sie kann auch Familiengeschichten. So gut erzählte, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Wer in ein München zu Beginn des 20. Jahrhunderts abtauchen möchte und eine bewegende Familiengeschichte lesen will, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. 

5/5 Punkten

Die Frauen meiner Familie von Tanja Weber - Droemer Knaur - 384 Seiten - ISBN 978-3-426-30461-7- Paperback - 14,99 Euro - Hier kaufen* 

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1 Kommentar:

  1. Das klingt ja nach einem wirklich interessanten Buch. Ich habe an der Uni auch mal ein paar Kurse aus der Kunstgeschichte gemacht und freue mich immer, wenn ich Romane entdecke, die sich irgendwie mit Kunsthistorikern, Kunstraub etc. beschäftigen. Und Familiengeschichte klingt sowieso immer toll. Schöne Rezension, danke für den super Tipp!
    Liebe Grüße, Jen

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