15 Februar 2016

Rezension: "Mitten in der Stadt" von Mechthild Borrmann

15 Februar 2016 |
Mitten in der Innenstadt von Kleve ereignet sich ein skrupelloser Überfall. Drei Männer durchbrechen mit einem Geländewagen die Scheibe eines Juweliergeschäfts und erbeuten wertvollen Schmuck. Kurze Zeit später wird einer der Hauptverdächtigen tot aufgefunden. Hauptkommissar Grube und sein Team ermitteln in alle Richtungen und stoßen schon bald auf eine tragische Familiengeschichte, die unabdingbar mit diesem Fall verbunden scheint.

Emotionale Geschichte

Wenn mich keine Geschichte fesseln kann, ich nichts wirklich gut finde und ich endlich mal wieder etwas lesen möchte, was mich begeistert, dann ist mitunter Mechthild Borrmann mein Allheilmittel. Bisher habe ich wirklich noch kein Buch von ihr gelesen, das mich nicht begeistert zurückgelassen hat.

Die Autorin legt mit "Mitten in der Stadt" zuerst einmal einen Krimi vor, der auf den ersten Blick nicht wirklich besonders ist. Ein Juweliergeschäft wird überfallen, die Täter flüchten und kurze Zeit später wird einer der Hauptverdächtigen tot aufgefunden. Das wirklich Tragische an diesem Buch sind einzelne Kapitel, die in Kursivschrift verfasst sind und scheinbar Rückblenden auf ein früheres Geschehen sind. Bald wird dem Leser klar, dass es sich hierbei um eine tragische Familiengeschichte handelt und besonders die Kursivpassagen sind so fesselnd, tragisch und emotional, dass man sich der Sogwirkung dieser Erzählung kaum entziehen kann.

Die eigentliche Kriminalhandlung wird fast nebensächlich, vielmehr befasst man sich als Leser mit der Familiengeschichte und möchte ermitteln, warum es nur so weit gekommen ist, warum niemand etwas bemerkt und niemand geholfen hat.

Alle Handlungsstränge werden Stück für Stück miteinander verwoben und ergeben am Ende ein komplettes Bild. Die volle Tragik erfasst der Leser aber dennoch erst am Ende.

Mechthild Borrmann konzipiert starke Charaktere, die nicht klischeebehaftet daherkommen und realistisch handeln. Besonders die Mutter Martina Koller wurde sehr stark herausgearbeitet und hat mich als Charakter komplett überzeugt. Für mein Dafürhalten eine großartige Leistung. Obwohl die Geschichte eine Tatsache behandelt, die tagtäglich in vielen Haushalten vorkommt, hat sie mich dennoch schockiert. Die bildhafte Sprache der Autorin hat dazu sicherlich beigetragen.

Mich hat dieses Buch auf vielen Ebenen berührt und wieder einmal deutlich gemacht, was passieren kann, wenn Gewalt die scheinbar einzige Lösung ist.

Fazit

Mechthild Borrmann ist mit "Mitten in der Stadt" eine sehr intensive und eindringliche Geschichte gelungen, die den Leser nicht kalt lassen wird. Wer ein fesselndes Buch sucht, dessen Handlung man sich nicht entziehen kann, sollte hierzu greifen.

5/5 Punkten

Mitten in der Stadt von Mechthild Borrmann - Pendragon - 224 Seiten -  ISBN 978-3-86532-128-2 - Taschenbuch - 9,90 Euro - Hier kaufen*

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Kommentare:

  1. Da kann ich Dir nur zustimmen. Sehr schöne Rezension!! L.G. Annette

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  2. Hey,

    ich hab ja schon ewig keine deiner Rezensionen mehr gelesen, geschweige denn kommentiert. Was für eine Schande. Das muss ich jetzt aber mal nachholen und natürlich ist das Stichwort hier "Kleve". Da werde ich ja sofort gelockt, schließlich komm ich ja daher. Also nicht direkt aus Kleve, aber von nebenan :D
    Weder der Titel noch das Cover finde ich besonders ansprechend und ich muss zugeben, dass ich die Rezension deshalb wahrscheinlich auch nicht gelesen hätte, wenn die Geschichte nicht eben in Kleve spielen würde. Vor dem Hintergrund muss ich übrigens sagen, dass das Cover wunderbar passt.

    Von der Handlung her, klingt es ja erstmal nicht so spannend. Aber irgendwie passt das in diese Region.

    Du hast mich aber auf jeden Fall neugierig auf das Buch gemacht, sodass ich es mal auf meine Wunschliste setze :)

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