Buchblog-Juwelen: schonhalbelf

10 Juli 2016 | 5 Kommentare
© schonhalbelf
Inga vom Blog "schonhalbelf" ist noch relativ neu dabei. Als ich ihren Blog vor einiger Zeit entdeckt habe, war ich sofort angetan. Von ihrem Layout, ihren Texten und ihrer Buchwahl. Es war deshalb ganz klar, dass ich sie euch hier bald näher vorstelle. Ihr Interview ist äußerst lesenswert und wenn ihr den Blog bisher noch nicht gekannt habt, dann solltet ihr jetzt ganz dringend vorbei schauen.

Liebe Inga, man könnte ja sagen, dass Bücher einen ziemlich großen Platz in deinem Leben einnehmen. Kannst du dich noch daran erinnern, welches Buch deine Liebe zur Literatur so richtig entfacht hat und seit wann du den Büchern verfallen bist?
Hallo! Das stimmt. An ein konkretes Buch kann ich mich leider nicht erinnern – aber daran, dass ich während meines letzten Jahres im Kindergarten den Schulbeginn kaum erwarten konnte, um das Lesen zu erlernen. Aktive erste Erinnerungen habe ich an die Leselöwen Bücher. Recht schnell folgten dann gefühlt sämtliche Werke von Astrid Lindgren und Enid Blyton. Kurz: Ich lese gerne, seit ich lesen kann. Zu verdanken habe ich das mit Sicherheit auch meiner Mutter, die selbst sehr gerne liest und damit für mich als Kind natürlich eine Vorbildfunktion erfüllt hat. Außerdem hat sie die Leselust meines Bruders und mir in Form von wöchentlichen Bibliotheksbesuchen sowie vielen Buchgeschenken sehr gefördert.

Du bloggst auf "schonhalbelf" über Bücher. Im ersten Moment kein Name, bei dem ich sofort an Bücher denke, aber dabei nicht weniger toll. Wie kam es dazu? Und wann fiel die Entscheidung für einen Buchblog? Und warum?
schonhalbelf ist quasi ein Zitat. Mir ist es eine Zeit lang sehr oft passiert, dass ich völlig versunken in ein Buch war, und es durch Zufall immer halb elf war, wenn ich einen ersten Blick auf die Uhr geworfen habe. Jedes Mal dachte ich mir: „Was? Schon wieder halb elf?!“ So kam ich auf den Namen des Blogs. Im kleinen Stil blogge ich seit Anfang 2014 über Bücher. Ernsthaft begonnen habe ich am 01.01.2016. Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich mit meinem Freund ein Template und eine .de-Domain gekauft, wir haben uns ein Konzept überlegt und „richtig“ losgelegt. Mit dem Bloggen begonnen habe ich aus Spaß am Schreiben und Lesen. Der Blog stellt für mich ein persönliches Lesetagebuch, aber auch eine Möglichkeit dar, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Hast du es jemals bereut mit dem Bloggen angefangen zu haben und was liebst du am Bloggen am meisten?
Nein, überhaupt nicht. Am meisten freue ich mich, wenn ein Artikel gut bei den Lesern ankommt und ich interessantes Feedback in Form von Kommentaren für ihn erhalte. Schön ist aber auch, durch den Blog zu scrollen und zu sehen, was man in der letzten Zeit alles auf die Beine gestellt hat.

Wie integrierst du den Blog in dein Leben? Gibt es feste Zeiten in denen du schreibst? Arbeitest du mit einem Redaktionsplan? Machst du dir viele Gedanken und Notizen? Oder legst du einfach los, wenn du Lust und Zeit hast?
Es gibt keine festen Zeiten, läuft aber fast immer auf das Wochenende hinaus. An einem Tag bereite ich Artikel vor und time die Facebookposts. Um Pinterest kümmere ich mich täglich, um das Posten auf Instagram je nach Fotosituation. Für den Blog habe ich einen Redaktionsplan, der aber variabel ist und auch als virtuelles Notizbuch für vage Postideen dient, die ich mir vormerken möchte. Zu den gelesenen Büchern selbst mache ich mir während des Lesens keine Notizen, sondern markiere nur einzelne Passagen. Das Rekapitulieren läuft vor und während des Verfassens des Artikels ab.

© schonhalbelf
Dein Blog lebt nicht nur von guten Texten und ansprechenden Buchbesprechungen, sondern auch von tollen Fotos. Woher kommen die Ideen? Fotografierst du gerne? Und wie viel Zeit investierst du dafür?
Hier möchte ich keine falschen Lorbeeren einheimsen und klarstellen, dass schonhalbelf ein Gemeinschaftsprojekt mit meinem Freund ist – er ist verantwortlich für die Blogpostbilder und nahezu immer für die Fotos auf Instagram. Woher seine Ideen kommen, frage ich mich oft selbst. Als Kommunikationsdesigner hat er aber natürlich eine große Affinität zur Fotografie, Bildbearbeitung und Komposition. Zeitlich investieren wir nahezu gleich viel in den Blog: Ich texte und bespiele die Social Media Kanäle; er überlegt sich währenddessen Motive, fotografiert und bearbeitet die Fotos.

Was bedeutet Lesen für dich und wie und wo liest du am liebsten? 
Lesen ist für mich ein großartiger Weg zu entspannen, in fremde Leben einzutauchen und dabei das eigene zeitweise völlig zu vergessen – Eskapismus als Motiv wäre zu negativ, aber ich mag es, alles um mich herum zu vergessen und mich in eine andere Welt zu begeben. Am liebsten lese ich auf der Couch oder im Bett. Am besten abends, weil dann tendenziell alles ruhiger ist und ich weniger abgelenkt bin.

Was sind Bücher für dich? 
Eine Manege für Wortkünstler, die wann immer ich möchte, eine Vorstellung für mich bereit hält.

Könntest du dir vorstellen, dass du zukünftig auch mal auf Youtube über Bücher sprichst oder Podcasts veröffentlichst? Wie wichtig findest du diese Medien für die Buch-/Bloglandschaft?
Es gibt derzeit keine konkreten Pläne; ausschließen möchte ich es aber nicht. Ich unternehme zur Zeit aber gerade Bewegtbildversuche auf Snapchat (ebenfalls unter dem Namen schonhalbelf). Vor allem YouTube empfinde ich als sehr wichtig für die Buch- und Bloglandschaft – der allgemeine Trend geht ganz offensichtlich in Richtung Bewegtbild und das nicht seit erst gestern, da sollten sich auch Buchblogger bzw. Verlage entsprechend positionieren. Die Zunahme der Bedeutung von Bewegtbild ist gut erkennbar am derzeitigen Erfolg von Snapchat, der Instagram-Erweiterung Boomerang und natürlich auch an den vielen Neuerungen in puncto Bewegtbild, die auf Facebook derzeit passieren (Beispiel: Facebook Live).

Genauso wichtig wie der Blog selbst, ist mittlerweile auch Social Media. Welche Plattformen nutzt du? Welche magst du am meisten? Und welche Erfahrungen hast du gemacht?
Ich nutze für schonhalbelf Facebook, Instagram, Pinterest und Snapchat. Ab und zu verlinke ich Artikel von meinem Twitter-Account aus, der ist aber eigentlich eher privater bzw. beruflicher Natur – ich arbeite als Social Media Managerin und habe mich dieses Jahr mit einer Partnerin selbstständig gemacht. Dementsprechend ist Social Media für mich natürlich nicht nur in puncto Blog ein unglaublich wichtiges Kommunikationsinstrument, sondern mein täglich Brot. Ich mag alle Kanäle, die ich für schonhalbelf nutze. Am effektivsten in Bezug auf Blogklicks ist nach wie vor Facebook, aber ich bin auch sehr gerne auf Instagram, Pinterest und Snapchat unterwegs. Auch privat nutze ich zum Beispiel Pinterest unglaublich gerne.

Liest du Bücher auch zweimal oder würde das für dich nicht in Frage kommen?
Oh, auf jeden Fall! Aber nur sehr wenige und nur mit einem längeren zeitlichen Abstand.

Rezensionen sind ja das Mittel der Wahl um andere von bestimmten Büchern zu überzeugen. Schreibst du gerne Rezensionen? Oder lieber Verrisse? Und immer sofort nach dem Buch oder wenn du eben gerade Zeit hast?
Einerseits möchte ich, dass mein Blog vollständig ist und ich dort über alle Bücher schreibe, die ich gelesen habe. Andererseits stelle ich mir immer vor, wie ein enttäuschter Autor meinen Verriss liest und sich schlecht fühlt, nur weil mir persönlich sein Buch nicht gefallen hat. Bücher, die ich richtig schlecht finde, breche ich in der Regel ab und dann erscheinen sie auch nicht auf meinem Blog (als letztes war das übrigens „Ein ganzes halbes Jahr“). Einen richtigen Verriss wird es glaube ich auf schonhalbelf nur geben, wenn ich mich mal wirklich über ein Buch ärgere. Bei mittelmäßigen merkt man glaube ich einfach, dass ich nicht ganz so überschwänglich über sie schreibe wie über Bücher, die mir sehr gut gefallen haben. Wichtig ist mir aber bei Kritik, immer das Subjektive zu betonen – ich achte da besonders auf Zusätze wie „in meinen Augen“ oder „meiner Meinung nach“, um nicht allgemeingültig zu verurteilen. Die Artikel schreibe ich immer sehr schnell, nachdem ich das jeweilige Buch beendet habe. Ich fange ungerne auch mit einem neuen an, bevor ich nicht die Rezension über seinen Vorgänger verfasst habe. Die Leseeindrücke sollen möglichst frisch sein. 

© schonhalbelf

Wenn man sich mit Blogs und Literatur beschäftigt, dann stolpert man zwangsläufig auch über andere Buchblogs. Welche Buchblogs liest du persönlich am liebsten? Welche kannst du guten Gewissens empfehlen?
Am liebsten lese ich deinen Blog, Herzpotenzial, Buzzaldrins Bücher und Literaturen.

Liest du auch gerne Blogs anderer Bereiche und wenn ja, welche wären das?
Ja, definitiv, ich folge 240 Blogs bei Bloglovin’. Sie behandeln die Themen Mode, Beauty, Fotografie, Design, Einrichtung / Wohnen, Kochen, Persönliches und Social Media & Online Marketing. Einzelne zu nennen, ist natürlich schwierig, aber ich habe ein paar ausgewählt. Mode: Framboise Fashion, Beauty: Into The Gloss, Fotografie: Unintended, Design: Convoy, Einrichtung / Wohnen: HomeAdore, Kochen: Penne im Topf, Persönliches: Niotillfem

Kannst du dein absolutes Lieblingsgenre und deinen Lieblingsautoren benennen? Und mit welchem Genre wirst du einfach nie wirklich warm werden, egal wie oft du es versuchst?
Am liebsten lese ich zeitgenössische Romane, davon häufig Thriller und Young Adult, wobei letzteres für mich nicht nur die Altersgruppe von 14-21 umfasst, sondern eher von 14 bis Ende 20. Gar nicht mag ich beispielsweise Science Fiction, Fantasy (Harry Potter ist die einzige Ausnahme) oder historische Romane. Die Frage nach meinem Lieblingsautor bringt mich sehr in die Bredouille, ich kann keine klare Antwort geben.

Welche drei Bücher willst du schon lange lesen und hast es trotzdem bisher nie geschafft?
Auf Anhieb fallen mir ein: „Der Distelfink“ von Donna Tartt, „The Circle“ von Dave Eggers und „Bonjour Tristesse“ von Françoise Sagan.

Und welche drei Bücher sollte man in seinem Leben unbedingt mal gelesen haben?
Das ist sehr individuell, aber wenn derjenige meinen Geschmack teilt, empfehle ich: „Die Mitte der Welt” von Andreas Steinhöfel, „Das größere Wunder” von Thomas Glavinic und ”Die Geschichte der Baltimores“ von Joël Dicker.

Wenn man dich jetzt in deine Lieblingsbuchhandlung schickt und dir dazu 100 Euro in die Hand drücken würde, mit welchen Büchern würdest du wahrscheinlich wieder herauskommen?
Da kopiere ich jetzt einfach mal einige Titel meiner Wunschliste: „Pink Hotel“ von Anna Stothard (14,90 €), „Alle, alle lieben dich” von Stewart O’Nan (9,99 €), „Der Tag, als wir die Erde drehten” von Valérie Tong Cuong (10,00 €), „Die Listensammlerin” von Lena Gorelik (9,99 €), „Wer war Alice” von T. R. Richmond (14,99 €), „Geheimer Ort“ von Tana French (9,99 €), „Honig” von Ian McEwan (11,90 €) und „Der letzte Weynfeldt“ von Martin Suter (13,00 €). Den Rest würde ich für ein paar schöne Postkarten oder einen neuen Kalender für das Jahr 2017 ausgeben.

E-Books oder das gedruckte Buch? Welches Medium bekommt bei dir den Vorzug und warum entscheidest du so?
Ich besitze keinen E-Book Reader, von daher: das gedruckte Buch. Ich erkenne die Vorzüge eines E-Book Readers definitiv an und wäre auch nicht abgeneigt, aber ich habe irgendwie immer wichtigere, andere Wünsche. Großer Nachteil: E-Books lassen sich für den Blog nicht so einfach schön inszenieren.

Abseits des Buchlebens: Für was kann man dich sonst noch begeistern? Was machst du, wenn du keine Bücher in der Hand hast?
Ich interessiere mich beispielsweise auch für Mode, Design, Einrichtung und Kunst. Als nächstes möchte ich die neu eröffnete Manet-Ausstellung in Hamburg besuchen. Im Kontrast zu all diesen „Äußerlichkeiten“ finde ich aber auch Psychologie sehr spannend. Bei schlechtem Wetter sehe ich mir natürlich auch einfach gerne Filme und Serien an. Ab und zu probiere ich mich in der Küche an neuen Rezepten aus – vorzugsweise an Desserts, Torten und Kuchen. Am besten welche mit viel Schokolade.


Wenn ihr jetzt neugierg geworden seid, dann schaut doch unbedingt mal auf dem Blog schonhalbelf vorbei und lasst euch von Ingas Beiträgen inspirieren. 

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Kommentare:

  1. Achja, deine Blogjuwelen decken sich fast ausnahmslos mit meinen Lieblingsblogs und Neuentdeckungen. Inga gehört für mich auch zum liebsten Feed-Neuzuwachs in diesem Jahr. Schön, jetzt auch ein wenig mehr über sie erfahren zu können. (Und dass wir hier unter ihren Favoriten auftauchen, freut Maike und mich wirklich sehr! Danke!)

    Liebe Grüße
    Mareike

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  2. Ich stimme Mareike zu. Ich habe den Blog zwar jetzt erst vor kurzem entdeckt, aber ich freue mich auch, dass ich hier gleich ein bisschen mehr über die Bloggerin dahinter erfahren konnte. Es ist total interessant, dass sie den Blog mit ihrem Freund zusammen führt. Wenn ich mir vorstelle ich würde den Blog mit meinem Herzmann zusammen führen.. Nun, da würde gar nichts passieren. xD Es hat einfach kein Interesse an so etwas. :D

    Liebst, Lotta

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  3. Oh wie cool, den Blog muss ich mir gleich mal näher ansehen :)

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  4. Liebe Petzi,

    ein wirklich tolles und sehr sympathisches Interview. Diese Neuentdeckung wäre an mir vorübergezogen, aber jetzt muss ich mir den Blog genauer anschauen, denn es klingt sehr interessant und vielversprechend.

    Leibe Grüße
    Corinna

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