Rezension: "Die Wahrheit" von Melanie Raabe

13 September 2016 | 2 Kommentare

Vor sieben Jahren verschwand der wohlhabende, aber sehr zurückgezogen lebende Geschäftsmann Philipp Petersen auf einer Reise nach Südamerika spurlos. Seine Frau Sarah zieht den gemeinsamen Sohn alleine groß und hofft jahrelang täglich auf eine Meldung. Sieben Jahre später erhählt sie aus heiterem Himmel einen Anruf, dass ihr Mann Philipp am Leben sei. Die Rückkehr des vermeintlichen Entführungsopfers sorgt für großes Medieninteresse. Sarah ist zwiegespalten und weiß nicht, ob eine gemeinsame Zukunft möglich ist. Sie ist auf alles vorbereitet, nur auf eines nicht: Der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht der, als der er sich ausgibt. Er ist ein Fremder und er droht Sarah: Wenn sie ihn jetzt bloßstelle, werde sie alles verlieren: ihren Mann, ihr Kind, ihr ganzes scheinbar so perfektes Leben … 

Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden

Wenn ein Autor einen absoluten Besteller abliefert, dann ist das für alle folgenden Bücher gar nicht so einfach. Es gibt viele Erwartungen, die erfüllt werden möchten. Meist gelingt dies nicht, eben genau aus diesen Gründen. Wenn Erwartungshaltungen zu hoch sind, dann ist das Empfinden und die Wahrnehmung des Buches vielleicht auch eine andere. 

Melanie Raabes Buch "Die Wahrheit" habe ich sehnsüchtig erwartet und bereit monatelang darauf hingefiebert. Ich wollte es lesen und war eigentlich schon im Vorfeld so vom Klappentext begeistert, dass ich mir sicher war, es wäre absolut perfekt. Leider sollte man Erwartungen eben nie zu hoch hängen, denn dann könnte man enttäuscht werden und vielleicht haben genau diese Erwartungen meinen Blick auch ein klein wenig verschleiert. 

Aber erstmal von vorne. "Die Wahrheit" ist kein schlechtes Buch. Aber es ist eben anders, und obwohl diesesmal "Thriller" draufsteht, ist es für mich weniger Thriller als "Die Falle". 

Melanie Raabes Schreibstil ist großartig. Das war er im ersten Buch und das ist er auch hier. Man fliegt als Leser durch die Seiten und kann es kaum zur Seite legen. Das muss man ihr eindeutig lassen. Sie schafft es durchaus Spannung zu erzeugen bzw. den Leser zu halten. Irgendwann im Verlauf des Buches kamen mir dann aber erste Zweifel, und ich musste feststellen, dass das was ich hier gerade lese eben nicht das ist, was ich erwartet habe. 

Der Plot startet großartig und es ist ein absoluter Albtraum, wenn der tot geglaubte Mann wieder zurückkehrt und nicht dein Mann ist. Keiner glaubt dir, keiner hilft dir und du bist ohnmächtig vor Angst. Eine gute Geschichte mit ausreichend Potenzial für eine grandiose Story. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem sich Melanie Raabe wohl leicht verfahren hat und die Handlung in immer absurdere Gefilde abdriftet. Als Leser habe ich öfter mal kurz die Augen verdreht und ein leises "ernsthaft?" ausgerufen. Von Seite zu Seite kommt man einer Auflösung näher, die man eigentlich nicht wahrhaben will und bei der man hofft, dass es nicht so ist. Doch genauso ist es dann doch und das macht die Sache einfach ein wenig kaputt. Leider kann ich dazu jetzt gar nicht näher eingehen, denn dann würde ich ziemlich spoilern und viel zu viel verraten. Das will ich nicht, aber Leser die dieses Buch schon gelesen haben, verstehen bestimmt was ich meine. 

Leider bin ich auch mit den Protagonisten überhaupt nicht warm geworden. Sara empfand ich zu hysterisch und den "fremden" Mann irgendwie unglaubwürdig. Am besten gefiel mir noch der kleine Sohn, aber der alleine reißt das Ruder auch nicht herum. 

Fazit

Melanie Raabe kann zweifelsohne schreiben und hat sich auch einen spannenden Plot ausgedacht, der viel Potenzial birgt. Sie beherrscht es den Leser zu fesseln, aber die Feinheiten sind in diesem Buch leider nicht so gut ausgearbeitet. War ich bei "Die Falle" noch begeistert, bin ich hier nur angetan und vom Ende leider enttäuscht. Das nächste Buch würde ich aber natürlich jederzeit wieder lesen. 

3/5 Punkten

Die Wahrheit von Melanie Raabe - btb Verlag - 448 Seiten - ISBN 978-3-442-75492-2 - Paperback - 16,00 Euro - bei Amazon kaufen* | im Buchhandel kaufen
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Kommentare:

  1. Hey,
    ich habe mich auch total auf "Die Wahrheit" gefreut, nachdem mir Melanie Raabes Debütroman so gut gefallen hat. Ich kann vollkommen nachvollziehen was du meinst. Auch ich hätte mir eine andere Auflösung gewünscht. Allerdings fand ich den Fremden faszinierend. Er war sozusagen mein Lieblingscharakter in dem Buch.
    viele Grüße
    Emma

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  2. Hallo,
    mir ging es mit "Die Wahrheit" genauso. Ich habe mich wahnsinnig auf das Buch gefreut, aber letztendlich war es für mich eigentlich doch eine Enttäuschung. Ich fand die Auflösung echt seltsam und irgendwie wirr und wenig glaubwürdig. Was mich aber am meisten gestört hat, war die Tatsache, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, "Die Falle" nochmal zu lesen - nur anders verpackt. Eine Frau, ein Mann, alleine in einem großen alten Haus... die Frage danach, wer das Gegenüber wirklich ist. Das kennen wir doch schon irgendwoher? Hmmm... schade eigentlich, denn Melanie Raabe kann wirklich toll schreiben.

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