Rezension | 'bleiben' von Judith W. Taschler

15 November 2016 | 2 Kommentare

Es ist eine kurze, zufällige Begegnung auf der Reise nach Italien: Max, Paul, Felix und Juliane – vier junge Leute, voller Träume für die Zukunft, treffen im Nachtzug nach Rom aufeinander. Juliane und Paul werden heiraten, Max und Felix sich auf eine Weltreise begeben. Nach zwanzig Jahren trifft Juliane Felix zufällig in einer Galerie wieder und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die er jedoch ohne jede Erklärung abbricht. Erst Monate später erfährt Juliane - ausgerechnet von ihrem Mann - den Grund. Die Wahrheit ist furchtbar und lässt das Leben aller eine dramatische Wendung nehmen.

Berührend und eindringlich

Wenn man viel über Bücher liest, dann wird dir über kurz oder lang irgendwann die Autorin Judith W. Taschler über den Weg laufen. Mir ist es in der Vergangenheit schon öfter so ergangen, dass ich mir unbedingt vorgenommen habe eines ihrer Bücher zu lesen. In meinem Urlaub am Meer habe ich mir dann aus einem spontanen Impuls heraus "bleiben" auf den Reader geladen und ich habe es keine Sekunde bereut.

Taschlers Erzählstil war der einzige Punkt, der mich zu Beginn der Geschichte irritiert hat. In "bleiben" geht es um vier Personen, die sich auf einer Zugfahrt kennengelernt und wieder aus den Augen verloren haben. Zwanzig Jahre später führt sie der Zufall wieder zusammen. Erzählt wird die Geschichte in unterschiedlichen Kapiteln, in der jedes Kapitel immer im Wechsel für eine der vier Personen steht. Interessant hieran ist, dass jeder Protagonist in der Ich-Perspektive erzählt und eine andere Person direkt anspricht. Für mich war nie ganz klar, welche Personen sich dort noch verstecken und ich sah nie wirklich einen Grund, die Geschichte so zu erzählen. Dennoch hat man sich als Leser nach einigen Kapiteln an diesen Stil gewöhnt und wird von der einnehmenden Erzählart Taschlers so gefesselt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Ich habe dieses Buch am Meer an einem Stück gelesen und tatsächlich nur wenige Pausen eingelegt.

Max, Paul, Felix und Juliane sind vier unterschiedliche Protagonisten, die allesamt unglaublich authentisch gezeichnet wurden. Eine Geschichte über Freundschaft, Verrat, Tod und Schuld und eine Geschichte, die ganz viel im Leser bewegt. Man kann nicht zu viel über dieses Buch schreiben, ohne essenzielle Punkte der Handlung zu verraten. Man kann aber sagen, dass dieses Buch ein unglaubliches Leseerlebnis war, das Ende schockierte, überraschte und mich so nachdenklich stimmte, dass ich das Buch auch Tage nach der Lektüre noch im Kopf hatte. Für mich eines der Bücher, das ich mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Judith W. Taschler habe ich mir nach dieser Lektüre auf jeden Fall vorgemerkt und alle weiteren Bücher werden sicher noch folgen. Eine großartige Autorin, die auf so vielen Ebenen über Gefühle, Ängste und Sehnsüchte erzählen kann und bei der dabei jedes Wort an der richtigen Stelle steht.

Fazit

Wer ein Buch sucht, das eine bewegende, mitreißende und eindringliche Geschichte erzählt und nachdenklich stimmt, dem sei "bleiben" auf jeden Fall ans Herz gelegt. Lange hat mich kein Buch mehr so begeistert und nicht mehr losgelassen, wie es "bleiben" getan hat. Leseempfehlung.

5/5 Punkten

bleiben von Judith W. Taschler - Droemer Knaur - 256 Seiten - ISBN 978-3-426-28132-1 - Hardcover - 19,99 Euro - bei Amazon kaufen* | im Buchhandel kaufen
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Kommentare:

  1. Liebste Petzi,

    I totally agree! Du hast es super auf den Punkt gebracht was diesen Roman ausmacht.
    Liebe Grüße
    Evi

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  2. Hallo Petzi,

    na das klingt ja mal nach einem ganz tollen Buchtipp. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    Mona

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