Rezension | 'Glücksmädchen' von Mikaela Bley

07 März 2017 | 5 Kommentare

Ellen Tamm ist besessen vom Tod, seit ihre Zwillingsschwester vor acht Jahren starb. Sogar während ihrer Arbeit verfolgt sie der Verlust: Sie ist Kriminalreporterin bei einem Stockholmer Fernsehsender und sucht sich mit Absicht die schlimmsten Fälle aus. Als könne sie damit den Tod überwinden und die Trauer aus ihrem eigenen Leben verdrängen. Dann verschwindet an einem kalten, verregneten Tag die achtjährige Lycke spurlos. Ellen soll über den Fall berichten. Aber mit einem Mal funktionieren ihre Abwehrmechanismen nicht mehr. Es ist, als hätte sie ihre Zwillingsschwester erneut verloren. Panisch sucht sie nach Lycke. Kann sie das Mädchen retten und endlich Frieden finden? 

Auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen

Der Verlag wirbt damit, dass die Autorin Mikaela Bley die neue Krimikönigin ist und man ihr Buch unbedingt lesen muss. Bei solchen Aussagen bin ich ja grundsätzlich immer ein wenig vorsichtig, da sich der Klappentext aber vielversprechend anhörte, habe ich dieses Buch gelesen. 

Ellen Tamm ist als Kriminalreporterin bei einem Stockholmer Fernsehsender angestellt und soll über die verschwundene achtjährige Lycke berichten. Schnell wird jedoch klar, dass sie nicht distanziert über den Fall berichten kann. Seit ihre Zwillingsschwester starb, lebt sie nur noch damit Tod und Trauer zu verdrängen. Mit dem Verschwinden der kleinen Lycke kommt jedoch alles wieder an die Oberfläche und es scheint so, als hätte sie ihre Schwester ein weiteres Mal verloren. Sie begibt sich fieberhaft auf die Suche nach dem kleinen Mädchen und setzt alle Hebel in Bewegung. 

Die Geschichte ist tatsächlich schnell erzählt, denn recht viel mehr, was man auf dem Klappentext bereits lesen kann, passiert in diesem Buch nicht. Ellen Tamm ist eine Reporterin, deren Leben ein wenig auf die schiefe Bahn geraten ist. Sie arbeitet zu viel, schläft zu wenig und scheint permanent auf der Flucht zu sein. Irgendwann aber kann sie ihre eigenen Erinnerungen nicht mehr verdrängen und wird von ihnen eingeholt. Hinzu kommt eine komplizierte Beziehungsgeschichte, nervige Kollegen und ein Kriminalfall, der mit nur wenig Spannung aufwarten kann. 

Bei den Worten Krimikönigin und diesem Hintergrund habe ich hier tatsächlich mehr erwartet, jedoch nur eine mittelmäßige Geschichte bekommen, die mich durchaus unterhalten hat, jedoch keinen bleibenden Eindruck hinterließ. Dieses Buch muss man also nicht zwangsläufig lesen. Die Geschichte plätschert so vor sich hin und offenbart nicht wirklich spannende oder gar wendungsreiche Details. Es ist relativ schnell klar in welche Richtung sich dieses Buch entwickelt und die Auflösung hat mich tatsächlich nicht wirklich überrascht. 

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von vier Frauen. Die leibliche Mutter Helena, die sich zu wenig um ihr Kind gekümmert hat. Dann gibt es die Stiefmutter Chloé, die ein schwieriges Verhältnis zu Lycke hat und diese nur als Störfaktor für ihre eigene Familie sieht und Mona, das Kindermädchen, die Lycke wirklich liebt und sich um sie sorgt. Und schließlich Ellen, die alle Hebel in Bewegung setzt, um sie zu finden. 

Die Autorin geht auf einige Probleme ein und reißt viele Themen an. Sei es nun Mobbing in der Schule, die Probleme, mit denen Scheidungskinder zu kämpfen haben oder mangelnde Ignoranz von Verantwortlichen. In diesem Buch nehmen viele Handlungsstränge und Erzählungen bedeutend viel Raum ein und lassen den eigentlichen Kriminalfall ein wenig in den Hintergrund treten. Am Ende ist es nur ein Erzählstrang von vielen, der eben nicht wirklich überzeugt. 

Für das nächste Buch sollte die Autorin etwas weniger wollen, sich mehr auf die Krimihandlung konzentrieren und das tun, was sie vermeintlich ganz gut kann: eine gute Geschichte erzählen. Erzähl- und Schreibstil haben mich hier nämlich überzeugt. 

Fazit 

Von der Krimikönigin ist Mikaela Bley noch ein wenig entfernt. ‚Glücksmädchen‘ blieb hinter seinen Erwartungen zurück und hat mich leider nicht komplett überzeugt. Ein solider Thriller mit einigen Schwächen und einer Story, die ein wenig im ganzen Buch untergeht. Ich bin gespannt, ob die Autorin in ihrem zweiten Thriller ein wenig nachbessert.
3/5 Punkte 

Glücksmädchen von Mikaela Bley - aus dem Schwedischen von Katrin Frey - Ullstein - 320 Seiten - ISBN 9783548288444 - Taschenbuch - 12,99 Euro - bei Amazon kaufen*

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Kommentare:

  1. Mein Fazit zu dem Buch war sehr ähnlich. Zu viel gewollt, zu viele Themen angerissen, weniger wäre mehr gewesen.

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  2. Die Geschichte klingt aber spannend und vom Cover her hätte mich das Buch auch angesprochen.
    Liebe Grüße

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  3. Vielen Dank für Deine Rezension: wir werden den Beitrag gerne weiter empfehlen!

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  4. Hey Petzi,
    ich habe irgendwie intuitiv Abstand von „Glücksmädchen” genommen und wollte erstmal abwarten, was andere so darüber erzählen – scheinbar lag ich richtig.
    Liebe Grüße!

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  5. Huhu!

    Hach, und ich dachte schon, ich wäre die Einzige, die das Buch nicht so toll fand! Ich habe ihm nur 2,5 Sterne gegeben und war wirklich enttäuscht. Ich fand die Charaktere eher blass und die Handlung nicht immer in sich stimmig oder logisch. Die Autorin setzt einem ja vieles auch einfach so vor, ohne näher zu erklären, wo diese Information eigentlich herkam, ist dir das auch aufgefallen? Ständig reicht Ellen irgendwas weiter an ihre Kollegin, und die zaubert dann alles aus dem Hut.

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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