Rezension | 'Glaube Liebe Tod' von Peter Gallert & Jörg Reiter

17 Mai 2017 | 4 Kommentare

Ein Polizist steht auf der Duisburger Rheinbrücke und will sich in die Tiefe stürzen. Der Seelsorger Martin Bauer soll ihn daran hindern. Er klettert einfach über das Geländer und springt selbst. Überrumpelt springt der Beamte hinterher, um Bauer zu retten. Gemeinsam können sie sich aus dem Wasser ziehen. Bauer hat hoch gepokert, aber gewonnen. Doch wenige Stunden später ist der Polizist tot, nach einem Sturz vom Deck eines Parkhauses. Ein klarer Fall von Selbstmord, gegen den Beamten wurde wegen Korruption ermittelt. Bauer weiß nicht, was er glauben soll. Und er sieht die Verzweiflung in der Familie des Toten. Auf der Suche nach der Wahrheit setzt er alles aufs Spiel ...

Woran kann man glauben in einer Welt voller Verbrechen?

Irgendwann sucht sie mich immer heim, die gemeine Leseflaute. Sie kommt überraschend und hat mich meist mehrere Wochen fest im Griff. Egal was ich dann lese, es wird mich nicht überzeugen. Das Geheimrezept ist fast immer ein einfacher Krimi. Einer von der Sorte, bei dessen Handlung man nicht viel nachdenken muss, bei der man selbst den Ermittler spielen kann, der fesselnd und spannend ist und so packt, dass man das Buch quasi gar nicht mehr zur Seite legen kann.

'Glaube Liebe Tod' erreicht mich als Überraschungspost und kam genau zur richtigen Zeit. Während ich in den Tiefen der Flaute feststeckte, konnten mich die ersten Seiten bereits so für sich einnehmen, dass es schnell um mich geschehen war.

Peter Gallert und Jörg Reiter lassen einen Polizeiseelsorger ermitteln und das war für mich tatsächlich etwas ganz Neues. Spannend auch deshalb, weil ein Seelsorger keine anderen Befugnisse hat, als eine Privatperson. Aus diesen Gründen stehen ihm auch nur begrenzte Ermittlungsmethoden zur Verfügung. Pfarrer Bauer wird so beschrieben, wie ich mir einen Pfarrer eigentlich nicht vorstelle und genau das macht ihn so sympathisch. Kann man schlecht erklären, ist aber genau so. Hier kann ich euch nur raten, dieses Buch selbst zur Hand zu nehmen. Wer deutsche Krimis mag, der wird hier sicherlich gefallen finden. Bauer war von Beginn an eine Figur mit Ecken und Kanten und genau diese Ecken und Kanten waren sicherlich ausschlaggebend, dass mir das Buch so gut gefiel.

Die Handlung ist schnell erklärt. In Duisburg will sich ein Polizist das Leben nehmen. Bauer verhindert das Schlimmste und kann den Suizid gerade noch verhindern. Stunden später wird der Polizist tot aufgefunden. Er sprang von einem Parkhausdach. Für die Ermittler ist der Fall schnell erledigt, doch Bauer kann nicht glauben, dass der Mann wirklich gesprungen ist und gräbt tief. So tief, dass er einigen unentdeckten Machenschaften auf die Spur kommt, die bis ins Rotlichtmilieu reichen und ihn und seine Familie in Gefahr bringen. Die Handlung ist nicht spektakulär anders oder besonders, aber genau das hat mich wohl erst recht überzeugt. Ein normaler Krimi ist zur Abwechslung nämlich auch mal wieder ganz schön..

Das Autorenduo lieferte hier eine logisch und gut erzählte Geschichte ab. Kleinere Längen verzeiht der Leser deshalb sofort, weil sie nie negativ ins Gewicht fallen. Die Personen sind allesamt stimmig gezeichnet und erfüllen die ihnen angedachten Rollen perfekt. Viele kurze Kapitel steigern den Spannungsbogen enorm und lassen den Leser das Buch kaum zur Seite legen. Dabei werden verschiedene Handlungsstränge erzählt, deren gemeinsamen Nenner man zu Beginn noch nicht klar erkennt. Am Ende verbinden sich diese aber zu einem logischen Ganzen und haben mich absolut überzeugt. 

Auch die persönliche Komponente fehlt in dieser Geschichte nicht, was ich persönlich ja immer sehr wichtig finde. Nur so kann man eine Beziehung zu den Figuren aufbauen, die gerade in Krimifällen äußerst wichtig ist. Das Privatleben des Seelsorgers und der Kommissarin wird ausgiebig beleuchtet und lässt jetzt schon auf weitere spannende Fälle hoffen. 

Fazit

Wer auf der Suche nach einem einfachen, spannenden und gut erzählten Krimi ist, der sollte sich diesen Reihenauftakt unbedingt näher anschauen. Gallert und Reiter erzählen einen gut durchdachten Kriminalfall, in dem hauptsächlich ein Polizeiseelsorger ermittelt. Das ist mal etwas anderes und das kann ich guten Gewissens weiterempfehlen.

5/5 Punkten

Glaube Liebe Tod von Peter Gallert und Jörg Reiter - Ullstein - 416 Seiten - ISBN 978 3 548 288 918 - Broschur - 9,99 Euro - bei Amazon kaufen* 
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Kommentare:

  1. Ich hab das Buch gestern auf einem anderen Blog entdeckt und freu mich, weil es nun auf dem Weg zu mir ist :) Als Duisburgerin freu ich mich sehr auf das Lesen und nachspüren von Örtlichkeiten :)

    Liebe Grüße
    Bine

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  2. Klingt nach vielen aneinandergereihten Konflikten und einer spannenden Geschichte. Ich muss zugeben, ich habe mich in das Cover verliebt! Diese Farben!
    Tolle Rezension :)

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  3. Danke für Deine schöne und aussagekräftige Rezension. Ich muss gestehen, dass dieses Buch vollkommen an mir vorbeigegangen ist und ich nun zum ersten Mal davon höre bzw. lese. Dabei klingt es nach einem Krimi, der ganz nach meinem Geschmack sein dürfte. Ein Polizeiseelsorger, der ermittelt, ist mir neu und macht mich sehr neugierig. Danke für den Tipp!
    Liebe Grüße
    Claudia

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  4. Hallo Petzi,
    Was für eine schöne Rezension. Und das Buch klingt ja wirklich gut. Ein Polizeiseelsorger, also das ist wirklich mal ein anderer Ermittler. Aber die Idee gefällt mir. Sonst lese ich ja eigentlich eher Thriller, aber auf einen Krimi habe ich irgendwie gerade sehr Lust. Das Buch werde ich mir besorgen. Und das gute an Reihen ist ja auch immer, dass man einem immer Nachschub gewiss ist, wenn einem das Buch gefällt. :)
    Liebe Grüße und Danke für den Buchtipp. Julia

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