Achtsamkeit hat mir ermöglicht dankbarer und gelassener zu sein. Mit Katharina Tanimura im Gespräch.

22 Oktober 2017 | 0 Kommentare

Gestern habe ich euch das Buch 'Modern Mindful' von Katharina Tanimura bereits näher vorgestellt. Heute habe ich ein paar spannende Fragen zum Buchprojekt im Gepäck, die ich der Autorin unbedingt stellen wollte. Und zusätzlich habt ihr die Möglichkeit ein Buch zu gewinnen. Schaut dafür einfach auf Instagram vorbei. Ich drücke die Daumen.

Liebe Katharina, seit etwas mehr als einem Jahr schreibst du auf "Modern Slow" über ein achtsameres und bewussteres Leben. In deinem Buch erklärst du bereits, wie es dazu kam. Könntest du das für meine Leser nochmal zusammenfassen? 
Vielen lieben Dank Petzi für die Einladung mehr über mein Herzensthema zu sprechen. Der Auslöser, warum ich angefangen habe mich mit einem achtsameren und bewussteren Leben zu beschäftigen, war der Dauerstress, der meinen Alltag bestimmte. Ich hatte zwar 2015 recht umfassend ausgemistet, aber meine Verhaltensweisen waren noch die gleichen wie mit Anfang 20. Die klassischen Erfolgsstrategien: Viel arbeiten, mehr arbeiten, das schaff ich auch noch, ich muss nur effizienter werden. Oder auch: Stress ist gut, denn Stress heißt ich bin erfolgreich. Das Problem: mit damals knapp 30 arbeitete ich nicht "nur" Vollzeit, sondern hatte auch ein Kind und mehrere Online-Projekte. Es war klar, dass früher oder später mein "System" nicht mehr funktionieren konnte. 

Schließlich war ich an einem Punkt, wo sich kleine unvorhergesehene Änderungen in meinem Tagesablauf, wie riesige Katastrophen anfühlten - und ich genug davon hatte. Im Juli 2016 war ich an einem Punkt, wo mir klar wurde, dass ich wirklich etwas grundlegendes ändern wollte. Das Schöne: dank Achtsamkeit konnte ich mein Leben ändern, ohne mein Leben komplett auf den Kopf zu stellen. 

Den Begriff "Achtsamkeit" stecken viele immer noch in die Esoterik- oder Psychoecke. Warum aber hat das damit überhaupt nichts zu tun? 
Ja, Achtsamkeit und ein bewusstes Leben klingt für viele nach Esoterik und New Age. Ganz ehrlich, so ging es mir am Anfang auch. Achtsamkeit hat zwar seine Wurzeln im Buddhismus, aber nichts mit Glaube, Religion oder einem Kult zu tun. Wenn Du Achtsamkeit auf seine Essenz reduzierst, dann bedeutet es einfach nur, sich seiner Aufmerksamkeit bewusst zu sein und die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken. In unserer schnelllebigen Welt ist das eine ziemlich sinnvolle Fähigkeit - und eine, die Du erlernen und für Dich nutzen kannst. 

Wie fühlt es sich an, wenn man diesen Schritt zu mehr Achtsamkeit ganz bewusst geht und es auch schafft, diesen im Alltag umzusetzen? 
In einem Wort: befreiend. Achtsamkeit hat mir ermöglicht dankbarer und gelassener zu sein. Ich bin zufriedener und mein Alltag ist deutlich angenehmer. Stress kommt nur sehr selten auf - dabei habe ich mein tägliches Pensum überhaupt nicht verändert - Vollzeitjob, Familie, Modern Slow, das ist alles noch immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl ich bin jetzt leistungsfähiger als früher. Ich hätte nie gedacht, wieviel es Wert ist, wenn Stress nicht mehr ständig präsent ist, wieviel schöner mein Leben sein kann, wenn mein Alltag von Grund auf entspannter ist.

Achtsamkeit hat mir ermöglicht dankbarer und gelassener zu sein.

Was würdest du Anfängern empfehlen? Auf welche Art und Weise bekommt man etwas mehr Achtsamkeit in sein Leben? Wie nähert man sich dem Thema an? 
Du musst nicht gleich eine halbstündige Meditationsroutine in Deinen Alltag einbauen, um achtsamer zu leben. Achtsamkeit umfasst schon kleine Dinge, wie ganz bewusst eine Tasse Tee oder Kaffee zu trinken. Richtig im Moment sein, kein Smartphone checken, kein Planen im Kopf, einfach nur trinken. Das klingt so banal, aber an einem stressigen Tag kann so eine bewusste Ruhepause einen spürbaren Unterschied machen. Du kannst kurz zur Ruhe kommen, Deine Gedanken beruhigen und so Kraft tanken. Alles was Du brauchst, um Achtsamkeit in Dein Leben zu holen, ist der Wille (und Mut!), Dir einfach mal 5 Minuten Ruhe zu gönnen. 

Auf Modern Slow schreibst zu beispielsweise, dass du anfingst bewusst und umfassend auszumisten. Würdest du diesen Schritt grundsätzlich empfehlen oder geht es auch ohne? 
Um es mal provokant zu formulieren: in unserer heutigen Konsumgesellschaft gibt es nur wenige Leute, die durch Ausmisten keine Verbesserung in ihrem Leben realisieren können. Aber gleichzeitig muss Ausmisten nicht der erste Schritt sein. Gerade wenn Du Dich regelmäßig gestresst fühlst, kann es sinnvoll sein, sich erst den eigenen Verhaltensmustern zu widmen und Achtsamkeit in sein Leben zu integrieren. Gleichzeitig fällt es uns leichter Dinge (statt Verhalten) zu verändern - auch weil Fortschritte und Erfolge eher sichtbar sind. Wenn das eine Frage ist, mit der Du haderst, schau gerne mal auf Modern Slow vorbei, dort gibt es einen Beitrag, der sich genau mit dieser Entscheidung befasst

Seit einiger Zeit gibt es dein Buch "Modern Mindful" zu kaufen. Dort schreibst du über deinen Weg zur Achtsamkeit. Der zweite Teil des Buches ist aber gleichzeitig ein Tagebuch für den Leser, das man täglich füllen kann. Was brachte dich auf die Idee? Hast du selbst zuvor so ein Tagebuch geführt? 
Ja, die Fragen habe ich selbst monatelang vor der Veröffentlichung ausgefüllt - und das tue ich noch immer. Statt einem Stapel Zettel liegt jetzt aber ein - wie ich finde wunderschönes - gebundenes Buch neben meinem Bett. :) 

Die Idee war, es Dir mit dem integrierten Tagebuch so einfach wie möglich zu machen, das Gelesene direkt umzusetzen. Oft fühlen wir uns inspiriert von dem was wir lesen, aber wirklich ins Handeln kommen wir dann doch selten. Um dieses Hindernis zu verringern, sollte Modern Mindful ein wirklicher täglicher Begleiter für Dich sein - so wie er es auch für mich ist.

Oft fühlen wir uns inspiriert von dem was wir lesen, aber wirklich ins Handeln kommen wir dann doch selten.


Abseits deines eigenen Buches. Hast du dich zuvor selbst zu diesem Thema informiert? Gab es andere Blogs, Bücher oder Lektüre, die dir beim Schritt zu mehr Achtsamkeit geholfen hat? 
Ich bin Wissenschaftlerin und liebe es, mich in ein Thema zu vertiefen. Gleichzeitig hat mein Informations-Junkie-Verhalten aber auch dazu beigetragen, dass ich unter so großem Stress litt. Deshalb begann meine Reise zu mehr Achtsamkeit nicht mit Büchern, sondern damit, dass ich mehr auf mich und meine inneren Bedürfnisse gehört habe. Das Lesen kam viel später dazu, als ich z.B. wissenschaftliche Studien gesucht habe als Recherche für Modern Mindful. 

Inzwischen lese ich auch ab und zu etwas zu einem bewussten Leben, aber in der Regel nicht speziell zu Achtsamkeit. Aktuell lese ich zum Beispiel "Ein passendes Leben" von Remo Largo und "Thrive" von Arianna Huffington. 

So wichtig ich es finde, das Thema Achtsamkeit anderen Menschen nahezubringen, so sehr bin ich auch der Meinung, dass Achtsamkeit eben nicht so ein "großes Ding" ist. Du musst es einfach machen - und dabei auf Dich und Deine Gedanken hören. 

Mittlerweile führst du seit einiger Zeit ein bewusstes und achtsames Leben, ohne wirklich grundlegende Dinge in deinem Leben (Familie, Job usw.) geändert zu haben. Wie fühlt es sich für dich an? Ist es eine tägliche Aufgabe oder mittlerweile eine Selbstverständlichkeit? Färbt deine Einstellung auch auf Familie und Freunde ab? 
Ich kann mir mein Leben nicht mehr anders vorstellen. Aber natürlich es gibt auch in meinem Leben Situationen, wo mir die Gelassenheit abhanden kommt oder der innere Schweinehund mich überzeugt, dass meine Morgenroutine auch mal ausfallen kann. Aber, das weiß ich inzwischen auch, wenn ich meine Achtsamkeitsrituale durchführe, fühle ich mich besser. Das ist meist schon genug Motivation, wenn das Leben oder der innere Schweinehund versuchen dazwischen zu kommen. 

Bei meinem Mann habe ich definitiv eine Veränderung bemerkt, auch ohne dass er wie ich regelmäßig meditiert. Mit Freunden und der weiteren Familie habe ich sehr lange nicht über Modern Slow und die Themen, die ich dort vertrete, gesprochen. Ich will niemanden bekehren oder das Gefühl vermitteln, er würde sein Leben falsch leben. Inzwischen ist Modern Slow so gewachsen, dass Familie und Freunde davon wissen und sogar von sich aus anfangen Dinge umzusetzen. Es freut mich natürlich, wenn eine Tante meines Mannes erzählt, dass sie wegen mir jetzt Yoga ausprobiert oder eine Freundin mit meinem kostenlosen Kurs rund ums Ausmisten den ersten Schritt in Richtung bewusster Leben wagt. 

In der heutigen Zeit sind die Menschen ja permanent im Stress und bekommen kaum alle Freizeitaktivitäten und Verpflichtungen in einen Tag gepackt. Wie soll man sich denn da noch Zeit für Achtsamkeit nehmen? Und Zeit braucht man dafür doch, oder? 
Du musst Dir natürlich Zeit nehmen, aber weniger als Du vielleicht anfangs denkst - und eine kurze Pause wirkt gerade bei einem vollgepackten Alltag wahre Wunder. Es ist ein moderner Mythos, dass Produktivität bedeutet immer on zu sein, immer go-go-go, immer zu leisten. Unser Gehirn braucht Ruhephasen um Höchstleistung bringen zu können. Und genau so eine Ruhephase kann Achtsamkeit bieten. 

Unser Gehirn braucht Ruhephasen um Höchstleistung bringen zu können. Und genau so eine Ruhephase kann Achtsamkeit bieten. 

Achtsamkeit ist keine "Sportart", sondern eine Einstellung. Gibt es dennoch Aktivitäten, die diese Einstellung prima ergänzen? Ich denke da beispielsweise an Yoga und auch Meditation. 
Yoga und Meditation eignen sich ganz hervorragend, da sie das Ziel verfolgen, Dich auf das hier und jetzt zu fokussieren und in Dich hineinzuhorchen. Aber als ehemalige Läuferin weiß ich, dass es auch beim Joggen diesen Flow gibt, wo Du ganz bei Dir bist. Wiederum ist es da wichtig bei Dir und Deinen Bedürfnissen zu sein. Hast Du das Gefühl gehetzt und gestresst zu sein, hilft Dir und Deinem Geist eine sanfte Yin Yoga Einheit wahrscheinlich mehr als zu versuchen mit lauter Musik die 5km unter 30 Minuten durchzupowern. 


Dein Buch hat mich persönlich sehr begeistert, weil es einerseits Anleitung und Information bietet und gleichzeitig Platz zum Loslegen hat. Hast du schon weitere Pläne? Könntest du dir vorstellen ein weiteres Buch zu schreiben? 
Vielen lieben Dank für Deine Worte. Ich habe -auch durch Modern Mindful - in den letzten Monaten gemerkt, dass mir die Umsetzung und tatsächlich Veränderung in Deinem Alltag sehr wichtig ist. Nicht nur Inspiration, sondern Unterstützung bei der Veränderung. Deshalb wage ich mich jetzt auch an andere Medien heran - so gibt es nächste Woche z.B. mein erstes Webinar. Das ist definitiv ein wenig außerhalb meiner Komfortzone. Aber gleichzeitig freue ich mich auch darauf, meine Strategien und Tipps so interaktiver und unmittelbarer teilen zu können. Mittelfristig möchte ich auf jeden Fall ein weiteres Buch schreiben. Ich habe viele Ideen im Kopf, die in den nächsten Monaten Zeit zum Wachsen haben. Ich bin mir sicher, dass sich das richtige Herzensprojekt von selbst herauskristallisieren wird - so wie bei Modern Mindful. 

Und was möchtest du meinen Lesern noch mit auf den Weg geben? 
Sei es Dir selbst wert, in Dich zu investieren. Gönne Dir eine Pause, atme tief durch und finde die Klarheit, die Du Dir wünscht. 

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview. 

Mehr Informationen zu tollen Projekten, viele spannende Blogartikel und eine Menge Inspiration findet ihr auf dem Blog "Modern Slow". 

GEWINNEN
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